Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Rasante Kurven auf dem Parkplatz

Sicherheit für LKW-Ladung

OEDING Ein LKW, der aus schneller Fahrt zur Vollbremsung ansetzt, ist ein beängstigender Anblick. Doch das gewagte Manöver an der L 525 ist nicht der Auftakt zu einem Unfall, im Gegenteil: Hier findet eine Sicherheitsprüfung statt.

von Von Georg Beining

, 10.08.2010
Rasante Kurven auf dem Parkplatz

Prüfingenieur Thorsten Ludwig fährt scharfe Kurven in hohem Tempo. Die Ladung hält diesen Belastungen allerdings Stand: dafür gibts ein Zertifikat.

150 Meter lang ist der LKW-Parkplatz einer Speditionsfirma an der L 525. An seiner breitesten Stelle misst er rund 30 Meter. An den Wochenenden stehen dort neben einander aufgereiht die schwarzen Lastzüge des Unternehmens.

An diesem Vormittag wird der Platz allerdings für Fahrversuche der besonderen Art benutzt: Ganz am westlichen Ende steht ein 16,50 Meter langer Sattelzug. Dieser beschleunigt nun fast 30 Tonnen auf fünf Achsen. Nach etwa einem Drittel der Strecke taucht der LKW tief in seine Federn, als er eine scharfe Linkskurve fährt. Kaum, dass er die hinter sich hat, kommt die Gegenkurve nach rechts. Am Ende dieses "S", das der LKW jetzt gefahren ist: Vollbremsung. Keine fünf Meter vor dem Ost-Ende des Parkplatzes, dort wo der kleine Durchgang zur angrenzenden Tankstelle ist, kommt der Truck zum Stehen.

Der Fahrer, Thorsten Ludwig, hat alles wohl kalkuliert und macht das seit fünf Jahren täglich - in ganz Deutschland. Dem Prüfingenieur von der DEKRA in Bielefeld geht es dabei nicht um die Fahreigenschaften des LKW. Im Zentrum dieser Versuche steht die Sicherheit der Ladung. Mit den Mitarbeitern des Unternehmens hat er im Vorfeld große Säcke eingeladen. Die Frage ist nun, ob diese so sicher verstaut wurden, dass die rasante Kurvenfahrt ihnen nichts ausgemacht hat. Ludwig steigt aus: "Das waren jetzt 35 Stundenkilometer", erklärt er Manfred Robers, dem Westrans-Geschäftsführer, und Hendrik Kemper von der Bereichsleitung Tank- und Silozüge. "Das geht noch schneller."

Säcke sicher verstautGemeinsam gehen die Männer zum Hinterende des Sattelzuges. Ludwig öffnet die Doppeltür - alles in Ordnung: Die Säcke, die am Kopfende der langen Ladefläche verstaut sind, haben sich nicht gerührt. Dass der Truck bei diesen scharfen Kurven und dem Tempo nicht einfach umkippt, verdankt er einer etwa zwei Tonnen schweren Achskonstruktionen im Panzerformat. Diese funktionieren ähnlich, wie die Stützräder an einem Kinderrad.

Thorsten Ludwig steigt wieder ein und fährt die 150 Meter rückwärts zum Startpunkt. Der nächste Versuch: Die Schräglage des Sattelzugs sieht nun noch abenteuerlicher aus. Wieder kommt der LKW knapp vor der kleinen Hecke zum stehen. Ludwig: "Das waren jetzt 40. Mehr geht hier nicht, glaube ich." Und die Ladung hat es auch verkraftet. Ein Blick durch die Hintertür verrät: Alles ist zentimetergenau an seinem Platz geblieben: Das Zertifikat ist dem Unternehmen sicher.

  • Ladungssicherheits-Trainings haben einen rechtlich relevanten Hintergrund: Die Ladung eines LKWs darf nach Paragraph 22 StVO beim Transport nicht verrutschen, so Thorsten Ludwig von der DEKRA. In der so genannten VDI-Norm 2700 sei genau festgelegt, wie intensiv und mit welchen Mitteln die Ladung zu sichern sei.
  • Die DEKRA hat dafür ein umfassendes Ladungssicherungskonzept entwickelt, mit dem sie zu den Speditionen geht und es vorstellt. Wird dieses Konzept von den Unternehmen umgesetzt, erhalten jene ein entsprechendes Zertifikat.
Lesen Sie jetzt