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Was kam in die Lohntüte?

Südlohn Fein säuberlich sind sie aufgelistet, Spalte um Spalte, Seite für Seite: Das mit Hunderten von Namen und Tausenden von Zahlen gefüllte Papier ist längst vergilbt - doch gerade sein Alter macht es so wertvoll.

26.10.2007

Die Lohn- und Gehaltsbücher der 1896 gegründeten Firma Föcking & Cohausz, über viele Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber vor Ort, zählen zu den heimlichen Schätzen des Südlohner Heimatvereins. "Die Bücher, die den Zeitraum von 1902 bis 1937 umfassen, hat uns die Firma Reygers aus Borghorst überlassen", sagt Helmuth Emmerich, der selber viele Jahre für Föcking & Cohausz in Südlohn tätig war. Für sie waren die Bücher wertlos. Anders für den Heimatverein: "An den Löhnen lässt sich einiges über die Lebensumstände der Arbeiter ablesen", erläutert er den Wert der Dokumente.

So erhielt einer von rund 80 Beschäftigten der Mechanischen Weberei 1902 für zwölf Tage Arbeit 32,40 Mark brutto - 31,88 Mark netto. 40 Pfennig flossen in die Kranken- und Invalidenkasse. "Waren wie Handtücher oder Tischdecken wurden ebenfalls gleich vom Lohn abgezogen", weiß Franz-Josef Bucks. Auch Spuren des Ersten Weltkriegs finden sich. So ist unter 1914 zu lesen: "Drei Leute zur Fahne eingezogen." Bis 1923 war der Lohn vermeintlich rasant gestiegen - 496 000 Reichsmark bekam ein Arbeiter für 15 Tage Arbeit. Sehr zum Missfallen der Bevölkerung. Denn die Inflation hatte das Geld wertlos gemacht. Bis 1938 wuchs die Zahl der Beschäftigten auf 130. Zu entrichten hatten diese auch die 1930 eingerichtete "Bürgersteuer" - eine Abgabe zur Reduzierung des staatlichen Haushaltsdefizits. Mitte der 30er Jahre waren 90 Reichsmark pro Monat im Lohnsäckl. Zum Vergleich: 1931 kostete ein Paar Herren-Halbschuhe 8,75 RM, Kinderschuhe 1,50 RM, ein Herren-Oberhemd 2,50 bis 3,25 RM. Ein Damenmantel immerhin 10,50 RM. Relativ viel, wenn man bedenkt, dass die Frauen über einen erheblich geringeren Lohn verfügten. kh

Weitere Infos: Ulrich Söbbing: Südlohn und Oeding. Zwei Dörfer - eine Gemeinde (2006).

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