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Synchron-Exot im Schwimmbecken

BOCHUM Wenn Frauen mit geschminkten Gesichtern, zum Dutt hochgesteckten Haaren und schwungvoller Wasserakrobatik bei Olympia um Medaillen kämpfen, heißt es für die Männer: Wir müssen draußen bleiben.

Synchron-Exot im Schwimmbecken

Jan Stoepel im Kreis der Synchronschwimmerinnen.

Der Schwimm-Weltverband FINA verbietet den männlichen Wasserballett-Tänzern nach wie vor die Teilnahme an den Spielen. "Ich finde das diskriminierend", sagt Niklas Stoepel. Der 16-Jährige ist Deutschlands einziger Wettkampf-Synchronschwimmer. Bei nationalen Events darf er für die Freien Schwimmer Bochum starten, weil der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) da toleranter ist als die FINA.

Fehlende Objektivität

Doch auch hier habe er keinen leichten Stand, findet Stoepel: "Die Punktrichter bewerten nicht immer objektiv. Manche meinen eben, das sei reiner Mädchensport und Jungs hätten hier nichts zu suchen." Das fand auch die FINA im aufsehenerregenden Fall Bill May. Obwohl er sich bei den US-Meisterschaften gegen die komplette Frauen-Elite durchgesetzt hatte, durfte May 2000 bei den Spielen in Sydney nicht starten - weil er ein Mann ist.

Dabei war es anfangs genau anders herum. Als Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland die ersten Wettkämpfe abgehalten wurden, waren nur Männer zugelassen. "Reigenschwimmen" wurde der Vorreiter des seit 1984 olympischen Synchronschwimmens genannt. Erst ab 1907 gestattete man(n) auch den Frauen den "Tanz im Wasser". Inzwischen gibt es weltweit nur noch wenige Männer, die wie Niklas Stoepel Gefallen am Wasserballett finden. Als Hahn im Korb fühlt er sich inzwischen wohl, doch immer wieder muss er mit Vorurteilen aufräumen. "Ich bin nicht homosexuell", sagt der Heavy-Metal-Fan und fügt energisch hinzu: "Und ein Weichei bin ich auch nicht."

Darum wehrt sich der Bochumer auch, wie eine typische "Wassernixe" auszusehen. Schminke oder Wimperntusche kommen ihm nicht ins Gesicht: "Das ist mit mir nicht zu machen." Auf den traditionellen Dutt verzichtet der Schüler und gelt sich stattdessen seine Haare nach hinten. Auch einen Badeanzug muss er nicht tragen, obwohl Einheitlichkeit beim Synchronschwimmen großgeschrieben wird.Verbindung von Kraft und Eleganz

Doch nicht nur äußerlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. "Frauen sind etwas gelenkiger, ich habe dafür mehr Kraft", sagt Stoepel, der über seine Cousine zum Synchronschwimmen kam. Viele Freunde, die er für die oft belächelte Sportart begeistern wollte, "sind nach wenigen Stunden wieder zum Fußball gegangen". Er dagegen macht jetzt sogar seinen Trainerschein: "Synchronschwimmen verbindet Kraft und Eleganz wie kein zweiter Sport." International sind Stoepel und seine deutschen Kolleginnen nur zweitklassig. Für Peking hat sich Deutschland weder im Duett noch mit dem Team qualifiziert.

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