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Syrien und Libanon wollen diplomatische Beziehung

Damaskus (dpa) Nach rund sechs Jahrzehnten haben Syrien und der Libanon die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart.

Syrien und Libanon wollen diplomatische Beziehung

Syriens Präsident Baschar Al-Assad Bachar (l.) und der libanesische Staatschef Michel Suleiman trafen sich zuletzt im Juli in Paris (Archivfoto).

Das teilte Buthaina Schaaban, eine Beraterin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, nach einem Treffen des Politikers mit seinem libanesischen Amtskollegen Michel Suleiman am Mittwoch in Damaskus mit. Die Vereinbarung war nach entsprechenden Ankündigungen Al-Assads im Vormonat zwar erwartet worden. Dennoch stellt sie einen Meilenstein im komplizierten Verhältnis der beiden arabischen Nachbarländer dar.

Der libanesische Präsident Suleiman war zuvor zu einem zweitägigen Besuch in der syrischen Hauptstadt eingetroffen. Kommentatoren hatten die Visite schon im Vorfeld als «historisch» bezeichnet. Es handelt sich um die erste Begegnung dieser Art seit dem Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon im Jahr 2005. Suleiman war nach fast zweijähriger politischer Krise im Mai dieses Jahres zum Präsidenten des Libanons gewählt worden. Zuvor war er der Oberkommandierende der libanesischen Armee.

Seit Erringung der Unabhängigkeit vor 60 Jahren unterhielten Syrien und der Libanon keine diplomatischen Beziehungen. Syrien hatte den viel kleineren Nachbarn lange Zeit als Schöpfung der vormaligen Kolonialmacht Frankreich betrachtet und eine eigenständige Existenz nur eingeschränkt akzeptiert. Im libanesischen Bürgerkrieg (1975- 1990) wuchs Syrien in die Rolle einer Art «Schutzmacht» hinein, die mit eigenen Truppen eingriff. Nach der Beendigung des Blutvergießens blieben syrische Truppen bis 2005 im Lande. Noch heute ringen im Libanon anti- und pro-syrische Parteien und Gruppierungen erbittert um die Macht.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen fügt sich in die Bemühungen Syriens ein, das Verhältnis zum Westen zu normalisieren. Vor allem die USA betrachten Damaskus als einen Förderer extremistischer und anti-israelischer Milizen in der Region sowie als Bündnispartner des Irans, der international wegen seines Atomprogramms in der Kritik steht.

Wenige Stunden vor der Abreise Suleimans nach Damaskus hatte ein verheerender Bombenanschlag die nordlibanesische Hafenstadt Tripoli erschüttert. 17 Menschen, unter ihnen neun Soldaten, starben, 40 Menschen wurden verletzt, als ein ferngezündeter Sprengsatz einen Autobus zerriss. Das syrische Außenministerium verurteilte den Anschlag in einer Erklärung als «verbrecherischen Akt».

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