Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Technik-Pannen

TV-Film "Terror": 609.000 Zuschauer stimmten ab

BERLIN Darf man 164 Menschen opfern, wenn man damit Tausende Leben rettet? Eine überragende Mehrheit der Fernsehzuschauer, die beim TV-Film "Terror" abgestimmt hat, sagt ja. Aber auch die anschließende Diskussion zeigt: Das Thema bleibt kontrovers.

TV-Film "Terror": 609.000 Zuschauer stimmten ab

Die TV-Produktion "Terror - Ihr Urteil" ist mit Lars Eidinger (v.l.), Martina Gedeck, Florian David Fitz und Burghart Klaußner toll besetzt.

Das deutsche Fernsehpublikum hat für Freispruch plädiert: 86,9 Prozent der TV-Zuschauer entschieden am Montagabend nach dem TV-Film „Terror - Ihr Urteil“ (ARD), dass der Bundeswehrsoldat, der eine Passagiermaschine mit 164 Menschen an Bord abschoss, um 70.000 Leute in einem Fußballstadion zu retten, unschuldig ist. Nur 13,1 Prozent hielten ihn für schuldig. "Insgesamt haben 609.000 Menschen abgestimmt", sagt Lars Jacob, Pressesprecher bei der ARD.

Allerdings hatte das Erste auf Grund des großen Zuschauerinteresses mit erheblichen technischen Problemen während der Abstimmung zu kämpfen. Die Internetseite war schwer erreichbar, die beiden Telefonnummern meist besetzt, oder es kam einfach die Ansage: „Ihr derzeit gewünschter Gesprächspartner ist derzeit nicht erreichbar.“ Das habe allerdings beide Leitungen betroffen, so Jacob. "An der Validität des Ergebnisses ändert das nichts."

Insgesamt haben den Film 6,88 Millionen Zuschauer verfolgt (20,2 Prozent Marktanteil). Die Diskussion zum Thema des Dramas, eingebettet in Frank Plasbergs Sendung „Hart aber fair“, schalteten dann noch 6,31 Millionen Menschen (22,5 Prozent) ein. 

 

87 Prozent unserer Zuschauer haben auf Freispruch plädiert. #TerrorIhrUrteilhttps://t.co/dSawTUZnWRpic.twitter.com/YfUci5Jcqj

— Das Erste (@DasErste) 17. Oktober 2016

 

In den sozialen Netzwerken wie Twitter äußerten sich einige User wegen der technischen Probleme spöttisch, andere lobten aber auch die Qualität des Films: „TV ist alles andere als tot.“ Bei der zeitgleichen Ausstrahlung in Österreich kam ein identisches Urteil zustande: 86,9 Prozent plädierten für Freispruch, in der Schweiz waren es 84 Prozent. 

Der klügste Satz in #hartaberfair: Der Pilot wird seines Lebens so oder so nicht mehr froh, ob er nun schießt oder nicht. #TerrorIhrUrteil

— Lukian (@PhiLukian) 17. Oktober 2016

Hochbrisante Frage, spannender Film. Interessante Einbindung einer Livesendung. TV kann auch 2016 noch packend sein. ??#TerrorIhrUrteil

— Marco Bereth (@mahrko) 17. Oktober 2016

Danke @DasErste für diese packende Lehrstunde. Dafür zahle ich gerne Gebühren.#TerrorIhrUrteil

— Redwyne (@Paxter_Redwyne) 17. Oktober 2016

 

Schlagabtausch bei "Hart aber fair"

Das TV-Spiel mit Martina Gedeck, Burghart Klaußner, Florian David Fitz und Lars Eidinger entstand auf der Basis eines Stücks des Autors Ferdinand von Schirach, das bereits mehr als 400 Mal im Theater aufgeführt wurde. Auch in den meisten Aufführungen stimmte bisher ein Großteil des Publikums für Freispruch, das Abstimmungsverhältnis dort ist etwa 60:40 Prozent für Freispruch. 

In einer „hart aber fair“-Sondersendung direkt nach der Ausstrahlung des Films lieferten sich der frühere Innenminister Gerhart Baum (FDP) und der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) eine heftige Kontroverse. Für Baum war der Pilot juristisch ein Mörder. Baum betonte den ewigen Grundsatz des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Leben dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Im übrigen sei der Ausgang einer Flugzeugentführung bis zuletzt nicht entschieden. Baum verwies auf ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2006, an das sich alle zu halten hätten. 

Kritik von der Linken

Dagegen betonte Jung, die einzig entscheidende Frage sei, ob das Leben der 70 000 Menschen im Stadion noch zu retten sei. Auch diese hätten eine Menschenwürde. Das Leben der Passagiere in der entführten Maschine sei ohnehin nicht mehr zu retten gewesen. Hier gebe es einen Fall von übergesetzlichem Notstand. 

Thomas Wassmann, Waffensystemoffizier der Luftwaffe, gab zu Bedenken, dass in den heutigen Zeiten des Terrorismus die Welt eine andere sei als bei der Einführung des Grundgesetzes nach dem Zweiten Weltkrieg. Es stelle sich die Frage, ob das Grundgesetz nicht geändert werden müsse. Die evangelische Theologin Petra Bahr erinnerte an die NS-Widerstandskämpfer gegen Hitler, die bereit waren, schuldig zu werden und das Leben einiger Menschen zu opfern, um das Leben vieler zu retten. 

Die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke, kritisierte in einer Pressemitteilung, der Film solle der geistigen Mobilmachung für den Ausnahmezustand dienen, um Gesetzes- und Verfassungsänderungen sowie Grundrechtsabbau zu rechtfertigen. 

von dpa/sag

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...