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Tagesbruchgefahr - Petrikirche geschlossen

Studienkreis empfahl Sperrung

WIEMELHAUSEN Umgehende Schließung der Petrikiche, das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der Bochumer Studienkreis für das Gebäude erstellt hat. Diese Vorsichtsmaßnahme kommt für die Kirche zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt.

von Von Benedikt Reichel

, 07.12.2010

Böse Überraschung zum Nikolaus. Der Brief, den Pfarrerin Ellen Strathmann-von Soosten am Montag öffnete, hatte eine klare Anweisung: Ihre Petrikirche muss umgehend geschlossen werden. Es besteht akute Tagesbruchgefahr. Seit gestern Morgen ist das Gelände der Petrikirche mit Bauzäunen abgesperrt. Kein Mensch, kein Auto darf das Grundstück betreten oder befahren. Auf Schildern ist die deutliche Warnung zu lesen: Zugang verboten. Im benachbarten Gemeindehaus am Kühneplatz tagt der Krisenstab. Die Pfarrerin berät sich mit Kirchenmeister und dem Presbyterium.

„Das kommt zu einer denkbar ungünstigen Zeit“, sagt Bernhard Sieder vom Presbyterium. Zur Weihnachtszeit. Wenn die Kirche voll ist, wenn Chöre und Musiker zu Gast sind. Der Krisenstab blickt auf ein Schreiben des Bochumer Studienkreises für Bunker und Stollen. Diesen hatte man beauftragt, anlässlich der bevorstehenden Kirchensanierung, den Untergrund unter die Lupe zu nehmen. Dass dort ein alter Luftschutzstollen aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs liegt, war allen bekannt. Seinen Zustand jedoch, den kannte niemand.

Am Samstag arbeiteten sich fünf Mitglieder des Studienkreises in den Stollen vor. Weit kamen sie nicht. „Die komplette Anlage konnte wegen extremen, aktiven Verbrüchen nicht aufgenommen werden“, heißt es im Gutachten. Was die fünf Männer gesehen haben, reicht jedoch für eine Diagnose: Das Deckgebirge erscheint nicht mehr tragfähig. Brüche sind sichtbar. Die Kirche verstärkt den Druck auf die marode Konstruktion. Fundamente stehen teils ohne jeden Schutz. Ein Tagesbruch ist möglich. Fazit: Umgehende Schließung.

„Das ist eine Vorsichtsmaßnahme“, betont Bernhard Sieder. Für Mittwoch hat sich ein Gutachter des für die Kirchensanierung zuständigen Architektenbüros angekündigt. Das Bauordnungsamt der Stadt ist informiert. Zusammen muss nun entschieden werden, wie es weiter geht. Solange bleibt die Petrikirche leer. Gottesdienste finden im Baumhof-Gemeindezentrum statt. „Da passen aber nur 99 Menschen hinein“, sagt die Pfarrerin. Für die Weihnachtsmessen sucht die Gemeinde nach einer anderen Ausweichmöglichkeit.

Wilfried Maehler vom Studienkreis betont auf RN-Anfrage: Die Situation im Stollen ist dramatisch. Es bestehe Lebensgefahr. Wenn nichts getan wird, blieben dem Kirchenbau kaum mehr als ein paar Monate. Doch gleichzeitig beruhigt er: „Sobald das ordentlich verfüllt wurde, können sie auf dem Platz auch wieder Hochhäuser bauen.