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Taliban dringen in Stadtzentrum von Kundus vor

Kabul (dpa) In Kundus gehen die Kämpfe mit den Taliban in die zweite Nacht - nur wenige Stunden bevor in Brüssel eine große Geberkonferenz beginnt. Sie werden mit großem Aufwand und Unterstützung der USA zurückgeschlagen. Aber ihr Zeichen haben sie gesetzt.

Taliban dringen in Stadtzentrum von Kundus vor

Fahrzeuge der Regierungsarmee in der Provinz Kundus. Foto: Jawed Kargar

Die radikalislamischen Taliban haben die Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Kundus angegriffen und sich nach offiziellen Angaben Gefechte mit Sicherheitskräften im Stadtzentrum geliefert. Zu Beginn der zweiten Nacht der Kämpfe blieb die Lage am Montagabend unübersichtlich.

Ein Provinzratsmitglied, Sargul Alimi, sagte, Spezialkräfte hätten am späten Abend (Ortszeit) eine Offensive begonnen und die Aufständischen in einigen Teilen der Stadt zurückschlagen können. Das Innenministerium ließ per Kurznachrichtendienst Twitter verlauten, der Feind fliehe, auf dem Schlachtfeld blieben Tote zurück.

Die Nato-Mission Resolute Support meldete ebenfalls per Twitter, afghanische Sicherheitskräfte kontrollierten nun wieder den Hauptplatz der Stadt. Zusätzliche Truppen rückten an. US-Streitkräfte hätten "Kräfte und Helfer zur Unterstützung in der Gegend".

Am Morgen hatten sich die Kämpfe noch am nördlichen Stadtrand abgespielt. Am frühen Abend waren die Islamisten dann in das Stadtzentrum selber eingedrungen und hatten laut Provinzratsmitglied Saied Assadullah Sada in der Nähe des Hauptquartiers des Geheimdienstes und vor dem Armeerekrutierungsbüro mit Sicherheitskräften gekämpft. Der Sender Tolo TV berichtete, der "Hauptplatz und viele Stadtteile" seien "überrannt" worden.

Der Angriff hatte gegen zwei Uhr morgens begonnen. Auf beiden Seiten soll es Opfer gegeben haben. Zahlen wurden zunächst nicht bekannt. Taliban-Propagandavideos zeigten Kämpfer an Straßenkreuzungen und auf Plätzen der Provinzhauptstadt. Um welche Plätze es sich handelt, war nicht unmittelbar zu erkennen.

Der Angriff kommt fast genau ein Jahr, nachdem die Taliban die Provinzhauptstadt zum ersten Mal erobert hatten. Ende September und Anfang Oktober 2015 hatten sie Kundus-Stadt fast zwei Wochen lang in ihrer Gewalt; der erste große Gebietsgewinn der Islamisten seit Beginn der internationalen Intervention in 2001 war ein Schock für die afghanische Regierung und ihre Unterstützer.

Ein Bewohner des Stadtzentrums, Mohammad Omid, sagte, alle Läden und Märkte seien geschlossen, die Menschen blieben zuhause. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Meine Familie und ich sind in einem Keller nur einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Taliban sind draußen vor unserem Haus und auf den Dächern der Nachbarn. Wir hören Schüsse und Jets und Helikopter. Wir haben Angst rauszugehen."

Die Provinzhauptstadt ist seit Monaten von Aufständischen umzingelt. Die Taliban halten Gebiete in fast allen sechs Bezirken. Im Juli hatten sie die Hauptstädte von Kala-e Sal und Dascht-e Artschi erobert. Sicherheitskräfte haben diese teilweise zurückerobert.

In Kundus war bis Ende 2013 auch die Bundeswehr stationiert. Seit März berät wieder eine kleine Gruppe deutscher Soldaten die afghanische Armee, um einen erneuten Fall der Provinz zu verhindern.

An diesem Dienstag beginnt die 11. internationale Geberkonferenz für Afghanistan in Brüssel. Erwartet wird auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Die Frage, wie den Menschen im Land geholfen werden kann, während die Gewalt zunimmt, steht auf der Agenda.

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