Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Tankred Dorst arbeitet an Anti-Utopie

Wiesbaden (dpa) Der deutsche Dramatiker Tankred Dorst (86) arbeitet an einer bitteren Abrechnung mit der Kraft der Utopie. «Ich gehe mit einem Stück um, das vom anarchistischen Versuch handelt, die Utopie zu verwirklichen. Es endet schließlich mit Verbrechen, mit Millionen von Toten», sagte Dorst («Merlin») im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Wiesbaden.

Tankred Dorst arbeitet an Anti-Utopie

Der Autor Tankred Dorst möchte die verheerende Kraft der Utopien aufdecken. Foto: Fredrik von Erichsen

Das Thema erinnere zwar an die Diktaturen des 20. Jahrhunderts, etwa an Russland unter dem Gewaltherrscher Stalin, doch das Stück solle in der Gegenwart spielen. «Es beschäftigt auch viele Menschen hierzulande, wie utopische Vorstellungen, an denen man hängt, die man nicht aufgeben will, ins Unzulässige umschlagen und schließlich zu Verbrechen führen.» Pläne für eine Aufführung des Dramas «Der Große Plan» gebe es indes noch nicht. «Das Stück kennt auch noch niemand. Die Gunst des Alters ist: Ich mache das für mich.»

Dorst zählt seit mehr als einem halben Jahrhundert zu den wichtigsten deutschsprachigen Dramatikern, er ist auch als Regisseur hervorgetreten. Trotz seines Alters habe er noch viele Pläne, sagte der in München lebende Autor, der meist mit seiner Frau Ursula Ehler zusammenarbeitet. «Ich habe zu Hause einen alten Apothekerschrank, den ich gekauft habe, als eine Apotheke aufgelöst wurde, und darin sind 20 Fächer. In jedem Fach liegt ein Stück, das ich machen möchte.»

In Wiesbaden nahm Dorst an der Theaterbiennale «Neue Stücke aus Europa» teil, bei der bis zum 24. Juni 31 Stücke aus 26 Ländern gezeigt werden. Dorst und der Wiesbadener Theaterintendant Manfred Beilharz (73) hatten das Festival 1992 in Bonn begründet. Dorst ist immer noch aktiv und empfiehlt als «Pate» für Deutschland die deutschen Beiträge für das Festival.

Viele mittlerweile renommierte Dramatiker wie Jon Fosse, Biljana Srbljanovic, Yasmina Reza oder Werner Schwab haben bei der Theaterbiennale debütiert. «Für junge Autoren ist die Biennale so etwas wie ein Sprungbrett», sagte Dorst, der sich im Kreis der jüngeren Kollegen aus vielen Ländern wohlfühlt. «Das Alter ist eine biologische Sache, keine ästhetische. Ich habe kein Problem damit, mit jungen Autoren befreundet zu sein - oder verfeindet.»

Festival

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Bühne

Johan Simons verabschiedet sich von der Ruhrtriennale

Bochum (dpa) Welche Aufgabe hat das Theater in politisch aufgeheizten Zeiten? Der Theatermacher Johan Simons hat dazu eine klare Meinung. Das hat er in drei Jahren seiner Ruhrtriennale-Intendanz bewiesen.mehr...

Bühne

Johan Simons: "Wir müssen noch offener sein"

Düsseldorf (dpa/lnw) Johan Simons hat die Ruhrtriennale politisch wie nie zuvor gemacht. Nach drei Jahren verabschiedet er sich nun als Intendant - mit einem politischen Aufruf.mehr...

Bühne

Volksbühne bietet Besetzern Räume an

Berlin (dpa) Tag 5 der Volksbühnen-Besetzung. Verhandeln statt vertreiben - so lautet das Motto der Berliner Kulturverwaltung. Nun sollen den Aktivisten Räume des Theaters zur Verfügung gestellt werden.mehr...

Bühne

"Der bewegte Mann" als turbulentes Musical

Hamburg (dpa) Mehr als 6,5 Millionen Zuschauer machten "Der bewegte Mann" zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinokomödien der 1990er Jahre. Jetzt feiert die Geschichte um die Liebeswirrungen von Homos und Heteros als Musical im Hamburger Thalia Theater Premiere.mehr...