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"Zahltag"

Tatort-Kritik: Abstriche bei der Note

DORTMUND Im neunten Dortmunder Tatort "Zahltag" wurde abgerechnet im Motorradklub der Miners und vor allem im zerstrittenen Ermittler-Kleeblatt um Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). Auch die Dienstaufsicht hat mit Faber eine Rechnung offen. Und wenn der Zuschauer nach 90 Minuten einen Strich drunter macht, gibt es Abstriche bei der Note - unsere Kritik.

Tatort-Kritik: Abstriche bei der Note

Jörg Hartmann als Kommissar Faber.

1. roter Faden: Die Aufklärungsgeschichte

Mitten in der Innenstadt wird ein Geldkurier der berüchtigten Rockergang „Miners“  auf dem Motorrad bei voller Fahrt von einem Geländewagen umgefahren. Mit Absicht.  Die beiden Täter haben es auf den Rucksack des Rockers abgesehen. Schwerverletzt am Boden liegend setzt sich dieser zur Wehr. Es kommt zum Schusswechsel, bei dem es zwei Tote, darunter der Rocker,  und eine Schwerverletzte gibt.  Für die Kommissare Faber, Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Stefan Kossik (Daniel Konarske)  deutet alles darauf hin, dass es sich hier um einen Konflikt in der kriminellen Rocker-Szene handelt; denn Miners-Präsident Thomas Vollmer wurde am selben Tag aus der U-Haft entlassen. Und es war tatsächlich ein Machtkampf innerhalb der Rockertruppe.  Vollmers Vize  hat den Mord auf dem Gewissen ebenso wie einen weiteren Doppelmord. Das Ganze ist umklöppelt von Verrat, Mafia-Strukturen, Scheinfirmen, Steuerbetrug  und Geldwäsche. 

2. roter Faden: Die Geschichte des Teams

Daniel Kossik hat ein Disziplinarverfahren gegen seinen Chef ins Laufen gebracht.  Und Faber muss um seinen Job  fürchten; denn der interne Ermittler Johannes Pröll geht der Dienstaufsichtsbeschwerde penibel und enervierend nach, lässt sich auch von Fabers Beleidigungen und Zynismus nicht irritieren. Um seinen Kopf zu retten, wendet Faber miese Tricks an, füllt Kossik am Vorabend so richtig ab, damit der am nächsten Morgen bei seiner Aussage vor Pröll eine ganz schlechte Figur macht. Das wiederum bringt seine Kollegin Bönisch, die bis dahin immer zu Faber gestanden hat, gegen ihn auf. Die Frauen im Team sind, wie sie selbst sagen, die „Babysitter“. 

3. Was ist das Beste an diesem Tatort?

Wieder die Dialoge und respektlosen Pöbeleien von Faber vor allem gegen den internen Ermittler Pröll. So sagt Pröll, als er Faber nachahmt: „Wenn einer lecker durch die Scheiße watet, kriegen auch die anderen einen Spritzer ab. Kannste nix machen.“

Und Pröll fragt Faber: „Macht es Sie nervös, dass ich hier bin?“ Faber: „Nö es verursacht eine gewisse Übelkeit, aber das bringt der Beruf so mit sich.“ Pröll sagt, als die Ermittler nach draußen ausschwärmen: „Hoffentlich muss dieses Mal kein Unschuldiger sterben?“ Dazu Faber: „Solange Sie im Präsidium bleiben, sind Sie in Sicherheit.“

Die Figur von Ermittler Pröll ist ein Besetzungsknüller. Milan Peschel ist großartig in der Rolle. Schon wie er bei seinen Vernehmungen immer wieder seine Unterlagen mit Schnellheftern zusammenhält, mit Kamera, Stativ und bohrenden Fragen dem Team - einem nach dem anderen -  in seiner überkorrekten Art auf die Pelle rückt und Faber schließlich mit einem Verweis davonkommen lässt – den sich Faber rahmen lassen und aufs Klo hängen will.

4. Die Drehorte

Gedreht wurde wieder in Dortmund und Umgebung sowie in Köln. So wurde die Entlassung von Rockerboss Vollmer vor der Justizvollzugsanstalt in Schwerte gedreht.  Die Action-Szene, bei der der Motorradkurier zu Tode kommt, wurde in der Blücherstraße/Ecke Johanna-Melzer-Straße im Hafenquartier in der Nordstadt in Szene gesetzt.

5. Was musste der Zuschauer wissen?

Er muss ein gutes Erinnerungsvermögen haben; denn der Erzählstrang der Dienstaufsichtsbeschwerde knüpft an den siebten Dortmund-Tatort „Kollaps“ an, der vor fast genau einem Jahr gelaufen ist. Um den Fall zu lösen, hat Faber damals polizeiliche Interna an den Boss der Dortmunder Türken-Mafia weitergegeben und damit möglicherweise den Tod des besserungswilligen afrikanischen Drogendealers  Jamal Gomis mit verursacht. Auch Nora Dalay hat noch an der Sache zu knacken; denn, um den jungen Senegalesen zu retten, hatte sie zuvor in einer brenzligen Situation einen verdächtigen Mörder erschossen.  

6. Hat Faber aus dieser Sache gelernt?

Wohl kaum. Er wird weiter grenzwertig agieren. Faber sagt mit Bezug auf frühere Folgen gegenüber Pröll: „Wenn ich den Hitlergruß machen muss, damit ein Nazi mit mir redet, dann mache ich das. Und ich philosophiere mit einem Pädophilen darüber wie schön es ist, mit einem Kind zu schlafen.“ Die Aufklärungsquote gibt ihm Recht. Doch die mutmaßliche Schuld an Jamals Tod steht dagegen.

Unser Fazit: 

Die eigentliche Krimihandlung ist dünn, wenig überraschend und schnell erzählt. Doch die psychologische Innenarchitektur von „Zahltag“ ist unterhaltsam und spannend, auch wenn  Zuschauer, die die Folge „Kollaps“ nicht (mehr) auf dem Schirm hatten, stellenweise überfordert gewesen sein könnten. Im Ganzen nicht der bisher stärkste Dortmund-Tatort, aber durchaus gelungen.

Ausblick:

Man darf gespannt sein, wie der Streit zwischen Faber und seinem Kollegen Kossik weiter eskaliert. Schließlich hat der WDR im vergangenen August bekanntgegeben, dass Kossik aus dem Tatort-Team ausscheiden wird.

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