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«Tatort»-Schauspieler Schwill erinnert sich

Berlin (dpa) «Ein guter Zweiter» zu sein - das reiche ihm, sagt der Film- und Fernsehschauspieler Ernst-Georg Schwill. Eine Bedingung sei daran allerdings geknüpft. Die Hauptdarsteller müssten ihn so ernst nehmen, wie sich selbst.

«Tatort»-Schauspieler Schwill erinnert sich

Ernst-Georg Schwill erinnert sich.

Seinen 70. Geburtstag in ein paar Monaten hält Ernste, wie ihn Freunde nennen, für einen angemessenen Zeitpunkt, ein wenig über sich selbst zu plaudern: «Is doch keene Frage nich», so der Titel des Erinnerungsbuchs des waschechten Berliners. Im ARD-«Tatort» hat er sich als dienstbeflissener Kommissar Lutz Weber - der, der aus dem Osten kommt - in fast zehn Jahren einen festen Platz erobert. Natürlich als «Diener zweier Herren für die Hauptpersonen», wie Schwill schreibt. Die Rollen der Kriminalkommissare sind mit Dominic Raacke und Boris Aljinovic besetzt.

Schwill ging es nach dem Ende der DDR nicht besser als anderen ostdeutschen Künstlern. Keiner kannte ihn. Er musste neu anfangen. Dass er nicht mit seinem Schicksal haderte, ehrt ihn. Ganz ohne Blessuren kam er nicht davon. Da mimt er schon mal einen Chauffeur, der dem Direktor nach der Heimfahrt den Aktenkoffer aus dem Kofferraum reicht und ihm Gute Nacht wünscht. Mehr nicht. Honorar 150 Euro. Auch kleine Rollen müssten gespielt werden, und zwar mit vollem Einsatz, sagt Schwill. «Sie geben den Filmen die Würze.» Schwill ist eben ein bescheidener Mensch. Und über manches Ärgernis kann er im Abstand nur lächeln. Man merkt es seinem Buch an.

Die Schauspielerei wurde Schwill nicht in die Wiege gelegt. Irgendwie hat er sich durchgekämpft. Weil seine Mutter fünf Kinder nach Kriegsende ohne Vater nicht durchbringen kann, schickt sie ihn zu Verwandten. Als es dort schwierig wird, landet er im Kinderheim. Hier wird der stämmige Junge mit dem runden, freundlichen Gesicht von der DDR-Filmgesellschaft Defa für «Alarm im Zirkus» (1954) entdeckt. Es geht aufwärts. Schwill gehört zur Halbstarken-Bande im damals viel diskutierten Jugendfilm «Berlin - Ecke Schönhauser» (1957). Nach «Sie nannten ihn Amigo» (1959) - er spielt einen Jugendlichen, der einem KZ-Häftling während der Nazi-Zeit hilft - gilt die Schauspielerkarriere als gesichert. Nach ganz oben führt sie ihn nicht.

Nach Abschluss der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg folgt ein Zwischenspiel beim Theater. Nach einer ziemlich frustrierenden Zeit am Berliner Ensemble entscheidet er sich endgültig für den ostdeutschen Film und das Fernsehen. Wenn es mit den Angeboten mal nicht so klappte, Ernste findet einen Ausweg. Er ist sich keineswegs zu schade, um im Laden seiner Frau in Ost-Berlin die Kunden zu bedienen. Die offensichtliche Stärke des Schauspielers liegt in seiner Bodenhaftung, die viele der aufgeschriebenen Geschichten belegen. Bis heute wohnt er im gleichen Kiez in Berlin-Mitte, nicht weit entfernt von dem Ort, wo er einst zur Welt kam.

Ernst-Georg Schwill

Is doch keene Frage nich

Verlag Das Neue Berlin

224 S., Euro 19,90

ISBN 978-3-360-01952-3

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