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Tausende bei Trauerkundgebungen für ermordeten Journalisten

Bratislava. Nach dem Tod eines Enthüllungsjournalisten in der Slowakei gerät die Regierung unter Druck. Zehntausende demonstrieren in mehreren Städten gegen den vom Mordopfer aufgezeigten Filz aus Geschäftemacherei und Politik. Erste Politiker distanzieren sich von der eigenen Regierung.

Tausende bei Trauerkundgebungen für ermordeten Journalisten

Teilnehmer einer Mahnwache im Gedenken an den Journalisten Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova. Foto: Milan Kapusta/TASR/AP

Zehntausende Menschen haben am Abend in mehreren Städten der Slowakei an Trauerkundgebungen für den ermordeten Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seine Verlobte teilgenommen.

Allein für Bratislava schätzte die regierungskritische Tageszeitung „Dennik N“ die Teilnehmerzahl auf bis zu 25.000. Kleinere Trauermärsche und Mahnwachen gab es in allen größeren Städten der Slowakei. Vor der slowakischen Botschaft in der Nachbarhauptstadt Prag versammelten sich am Abend Hunderte Menschen, um des ermordeten Paars zu gedenken und Kerzen anzuzünden. Auch in mehreren anderen Ländern gab es solidarische Gedenkveranstaltungen.

In Bratislava rief Staatspräsident Andrej Kiska die Anwesenden zum Gedenken auf, verzichtete aber angesichts des bewusst unpolitischen Ziels der Kundgebung auf eine längere Ansprache. Im Trauerzug waren Transparente gegen die internationale Mafia ebenso wie gegen die politische Elite des Landes zu sehen. Mehrere Hundert Demonstranten belagerten nach dem Ende des Trauermarsches den Eingangsbereich des slowakischen Regierungsamtes in Bratislava und forderten den Rücktritt von Innenminister Robert Kalinak. Manche riefen auch den sozialdemokratischen Regierungschef Robert Fico zum Rücktritt auf.

Der 27-jährige Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren in der Nacht zum Montag in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Sie waren nach Polizeiangaben durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden. Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war offenbar in seiner Untersuchung der sogenannten Panama-Papers auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestoßen.

Zwei enge Vertraute des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico, die nach Recherchen des Ermordeten mit italienischen Mafiagruppen in Verbindung gestanden haben sollen, legten ihre Funktionen im Regierungsamt nieder. Der schon länger als Kritiker des Innenministers bekannte Kulturminister Marek Madaric hatte zuvor schon seinen Rücktritt damit begründet, dass er angesichts der Ermordung eines Journalisten nicht ruhig in seinem auch für Medien zuständigen Amt bleiben könne.

Am Freitag setzten sich Absetzbewegungen von Regierungspolitikern fort, die gegen Kalinaks Verbleib im Innenministerium protestierten. Ein Parlamentarier der mitregierenden ungarisch-slowakischen Partei Most-Hid erklärte seinen symbolischen Austritt aus der Regierungskoalition. Sein Parteichef Bela Bugar forderte Kalinak zum Rücktritt auf, überließ die Entscheidung darüber aber den Sozialdemokraten als größter Regierungspartei.

Der slowakische Mafia-Experte Radovan Branik brachte die Version ins Spiel, der ermordete Kuciak könnte einer riesigen Manipulation im Obersten Gerichtshof der Slowakei auf der Spur gewesen sein. Gekaufte Richter hätten demnach dafür gesorgt, dass ihnen die Entscheidung in finanziell lukrativen Streitfällen zugeteilt würden, womit ein Firmennetzwerk riesige Summen verdient habe.

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