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Tradition im Münsterland

Tausende schauen beim Fang von Wildpferden zu

DÜLMEN Es ist Brauchtum und Spektakel zugleich: Seit mehr als hundert Jahren schon fangen die Wildpferdefänger von Dülmen mit großem Tamtam männliche Jungtiere aus der Herde. Ging es früher möglichst rau zu, spielt heute auch Tierschutz eine Rolle. Am Samstag kamen 15.000 Zuschauer, um die Traditionsveranstaltung zu sehen.

Tausende schauen beim Fang von Wildpferden zu

Fänger halten am Wildpferdfangtag im Merfelder Bruch Jährling fest, um sie von der Herde zu trennen und zu versteigern.

Die donnernden Hufe der 250 wilden Ponys wirbeln mächtig Staub auf. Vor den Augen von Tausender Zuschauer werden sie in die Arena getrieben. Wie schon vor mehr als hundert Jahren sind ihnen die Pferdefänger auf den Fersen. Die jungen Männer haben den Job, die einjährigen Hengste für eine Versteigerung aus der Herde herauszuholen.

Mit wedelnden Armen und lauten Rufen teilen sie die Herde, drängen kleine Gruppen in die Ecke, reißen dann die Jungtiere zu Boden. Um die rund 300 Kilogramm schweren Tiere zu fixieren und ihnen ein Halfter umzulegen, braucht es schon mal die Kraft dreier junger Burschen: den Cowboys aus dem Münsterland. Das traditionelle Wildpferdefangen im Merfelder Bruch verbreitet einen Hauch von Wildwest.

Der Wildpferdefang in Dülmen

Die Dülmener Wildpferde laufen in die Arena im Merfelder Bruch bei Dülmen ein.
Die Dülmener Wildpferde laufen in die Arena im Merfelder Bruch bei Dülmen ein.
Die Dülmener Wildpferde laufen in die Arena im Merfelder Bruch bei Dülmen ein.
Die Dülmener Wildpferde laufen in die Arena im Merfelder Bruch bei Dülmen ein.
Fänger halten am Wildpferdfangtag im Merfelder Bruch Jährling fest, um sie von der Herde zu trennen und zu versteigern.
Fänger halten am Wildpferdfangtag im Merfelder Bruch Jährling fest, um sie von der Herde zu trennen und zu versteigern.
Fänger halten am Wildpferdfangtag im Merfelder Bruch Jährling fest, um sie von der Herde zu trennen und zu versteigern.
Die Dülmener Wildpferde laufen in die Arena im Merfelder Bruch bei Dülmen ein.
Fänger halten am Wildpferdfangtag im Merfelder Bruch Jährling fest, um sie von der Herde zu trennen und zu versteigern.

Dass es niemand übertreibt mit dem Spektakel, liegt jedoch einer zierlichen Frau mit grünem Hut am Herzen. Försterin Friederike Rövekamp kümmert sich seit 18 Jahren um das Schutzgebiet, wo die Herde der Dülmener Wildpferde auf 400 Hektar Wald und Wiesen lebt. Ebenso lange arbeitet sie gegen das Rodeo-Image des Spektakels.

Die Kritik von Tierschützern' type='' href='http://www.pro-equo-bw.com/aktiv-werden/wildpferde-d%C3%BClmen/ ist längst durchgedrungen: Sie beklagen etwa, dass die scheuen Fluchttiere unnötigem Stress ausgesetzt seien. Sie fordern Sterilisation der Stuten oder am Besten gleich einen Ausschluss der Öffentlichkeit. Mit Plakaten am Eingang zum Gelände machen ein paar von ihnen auch am Samstag lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam.

Reißen am Schweif ist heute tabu

Rövekamp versichert, dass sich in den vergangenen Jahren viel verändert habe: „Ich habe noch Bilder vor Augen, wie sich die Fänger zur Belustigung der Zehntausend von den gefangenen Pferden quer durch die Arena schleifen ließen“, erinnert sie sich. Reißen am Schweif, unnötiges Zerren, das sei heute tabu.

Eine Tierärztin schule die Fänger, vermittele ihnen, wie man die Tiere mit möglichst wenig Gewalt überwältige. Da kann es auch schon mal sein, dass einem Fohlen das Halfter ganz ohne Gegenwehr übergestreift wird - dann applaudiert zwar nicht die Menge, aber der Zweck ist erfüllt.

Dülmen Zwischen Bäumen und Birkengestrüpp sieht man die graubrauen Ponys oft erst auf den zweiten Blick: Mitten im dicht besiedelten Westfalen leben die Dülmener Wildpferde. Sie sind ideale Reit- oder Kutschpferde und können sogar Erwachsene tragen.mehr...

Die Öffentlichkeit ausschließen sei jedoch keine Option, glaubt Rövekamp. Viele der Zuschauer kommen seit Jahrzehnten hierher. Der Wildpferdefang ist stolzes Volksfest. Außerdem brauche es die Werbung für die robusten Tiere - damit sie auch ohne Abstammungsbuch Erlöse von 400 bis 600 Euro erzielten, sagt Rövekamp. Das Geld kommt dann dem Herdenerhalt zu Gute.

Zotteliges Winterfell

Die Bezeichnung „Wildpferd“ ist allerdings Auslegungssache: Am Samstagvormittag, noch vor dem Spektakel, grasen sie recht friedlich. Alle Viere von sich gestreckt liegen ein paar Jährlingshengste im Gras. Sie sind deutlich erkennbar an ihrem zotteligen Winterfell, das sie langsamer als die älteren verlieren.

Auch sonderlich scheu sind die Dülmener nicht. Rövekamp muss sich klatschend umdrehen, um eines der Tiere zu verscheuchen, als es während eines Interviews an ihrem Kragen knabbert. „Sie sind immer hin und her gerissen zwischen Neugier und Flucht.“

Auch ganz sich selbst überlassen sind die etwa 1,35 Meter hohen Ponys nicht: „Der größte Eingriff ist sicherlich die Umzäunung“, erklärt Rövekamp. Seit der Herzog von Croÿ im 19. Jahrhundert das Gebiet erwarb und ein Schutzgebiet einrichtete, ist ihr Radius begrenzt.

Heftige Rangkämpfe sollen verhindert werden

Doch der Zaun ist ein Eingriff ins Ökosystem, dem weitere folgen mussten: Weil die Tiere immer Sommer nicht dem Wasser hinterher reisen können, bekommen sie bei Trockenheit Wasser. Im Winter gibt es Heu, damit sie sich nicht an den Bäumen schadlos halten. Das Aussortieren der geschlechtsreifen Hengste ist nötig, weil sie nicht ausweichen können und sich daher in der Herde heftige Rangkämpfe mit dem Leittier liefern würden.

Grundsätzlich greift der Mensch aber so wenig ein, wie möglich: Kein Hufschmied, kein Tierarzt, keine Reiter. Einmal im Jahr allerdings gibt es dann die volle Dröhnung menschliches Spektakel: Beim traditionellen Wildpferdefang sind - so wie dieses Jahr - in der Arena und drum herum gleich mehr als 15.000 Zuschauer dabei.

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