Telemedizin soll in NRW ausgebaut werden

Testversuch in Ostwestfalen

Die Hausärzte werden weniger. Deswegen soll ein elektronischer Arztbesuch dabei helfen, Ärzte zu entlasten und die Wege für Patienten kürzer zu machen. Eine erster Testphase wurde gerade abgeschlossen. Nun soll die "Elektronischen Arztvisite" (elvi) in Pflegeheimen Stück für Stück in NRW ausgebaut werden.

DORTMUND

28.06.2017, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pflegerin Christin Malz-Posdzieck legt Bewohnerin Rita Stumpf im Rahmen einer elektronischen Visite in der Seniorenresidenz Klosterbauerschaft in Kirchlengern (Nordrhein-Westfalen) ein EKG-Gerät an, dass die Daten an einen Tablet-Computer und von dort aus zum Arzt überträgt.

Pflegerin Christin Malz-Posdzieck legt Bewohnerin Rita Stumpf im Rahmen einer elektronischen Visite in der Seniorenresidenz Klosterbauerschaft in Kirchlengern (Nordrhein-Westfalen) ein EKG-Gerät an, dass die Daten an einen Tablet-Computer und von dort aus zum Arzt überträgt.

Einen entsprechenden Vertrag hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe am Dienstag in Dortmund unterzeichnet. „Elvi hat bewiesen, dass telemedizinische Anwendungen in Zeiten einer älter werdenden Gesellschaft Ärzte bei ihrer Arbeit entlasten können – und das bei gleichbleibend hoher Qualität", sagt Thomas Müller aus dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund. Deshalb wolle man die "Elektronische Arztvisite" nun flächendeckend in regionalen Pflegeheimen einführen.

Test in Ostwestfalen

Getestet wurde das Projekt bislang in dreizehn Pflegeheimen in Ostwestfalen. Dabei hätten ein niedergelassener Arzt sowie eine Pflegekraft per Tablet oder PC eine elektronische Arztvisite abgehalten. In der Live-Schalte wurden dann Fragen zur Medikation geklärt, chronische Wunden beurteilt oder Therapievorschläge unterbreitet. Der Test sei laut Kassenärztlicher Vereinigung und dem Versicherer AOK erfolgreich verlaufen.

Die Elektronische Arztvisite könne nicht jeden Arztbesuch ersetzen, heißt es von der KVWL  weiter, allerdings könne sie Krankenhausüberweisungen am Wochenende reduzieren und sei wichtig für die Prävention.

Fernbehandlungen immer wichtiger

Fernbehandlungen und Online- oder Telefon-Diagnosen werden nach Einschätzung von Medizinern immer wichtiger. "Wir verzeichnen einen Stimmungswandel in der Ärzteschaft", sagt Norbert Butz, Telemedizin-Experte der Bundesärztekammer. Werde digitale Technik bislang meist für die Verwaltung genutzt, halte sie verstärkt Einzug in medizinische Bereiche, erklärt Butz. Die meisten Telemedizin-Angebote seien mit dem ärztlichen Berufsrecht vereinbar. Wichtig sei, dass der Datenschutz gewahrt bleibe.

Auch in anderen Bundesländern gibt es Pilotprojekte auf diesem Gebiet. Die Ärzte der Telemedizin-Zentrale im niedersächsischen Oldenburg führen beispielsweise schon seit Anfang 2015 Notfalleinsätze auf Offshore-Windparks durch, ohne das Festland zu verlassen. Deutschlandweit listete das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme im Jahr 2016 über 200 Telemedizin-Projekte.

dpa/sag

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