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Terroranschläge überschatten Olympia in Peking

Peking (dpa) Blut, Bomben und Proteste haben den Bilderbuchstart der Olympischen Spiele in China zunichtegemacht. Zwei Tage nach der weltweit umjubelten Eröffnungsfeier erschütterte am Sonntag die bislang größten Serie von Bombenanschlägen in der Unruheregion Xinjiang das Land.

Terroranschläge überschatten Olympia in Peking

Nach dem Versuch eine tibetische Flagge zu entrollen, wird eine Frau in Peking weggeschleift. Foto: Students for a Free Tibet

Acht Menschen starben. Nur wenige Kilometer vom Pekinger Olympia-Gelände entfernt wurde am Samstag ein US-Tourist erstochen. Chinas Führung war entsetzt; Staats- und Parteichef Hu Jintao sprach bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush sein Beileid aus. In Peking gingen die Proteste ausländischer Aktivisten gegen die chinesische Tibet-Politik weiter, in Hongkong wurde erstmals ein olympischer Wettkampf direkt gestört.

In der Oasenstadt Kuqa an der Seidenstraße im Nordwesten des Landes explodierte mindestens ein Dutzend Bomben. Die Polizei habe drei der Täter erschossen, während sich vier selbst getötet hätten, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Zwei Polizisten und zwei Zivilisten seien verletzt worden. Die Polizei verhängte Ausgangssperre.

Die Anschläge folgten wenige Tage auf ein Blutbad in der Oasenstadt Kashgar, bei dem 16 Polizisten getötet wurden. In Xinjiang lehnen sich viele der dort lebenden acht Millionen Uiguren gegen die chinesische Fremdherrschaft auf. Die Polizei berichtete von zwölf Explosionen in Kuqa. Ein ausländischer Tourist zählte dagegen mindestens 21 Detonationen. Im Umland soll es nach unbestätigten Gerüchten weitere Explosionen gegeben haben. Allen Ausländern wurde befohlen, Kuqa zu verlassen.

«Das Polizeigebäude wurde stark zerstört», berichtete der Reisende telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Peking kamen die Olympia-Organisatoren (BOCOG) und eigens angeheuerte ausländische Sicherheitsexperten zu einer Krisensitzung zusammen. BOCOG-Generalsekretär Wang Wei sagte: «Ich glaube nicht, dass das irgendeinen Einfluss auf die Spiele haben wird.»

In Peking erstach ein 47 Jahre alter Mann aus der ostchinesischen Stadt Hangzhou am Samstag den Schwiegervater des US-Volleyballtrainers Hugh McCutcheon und verletzte dessen Frau und eine chinesische Fremdenführerin schwer. Anschließend nahm sich der Täter mit einem Sprung vom Trommelturm - einer 800 Jahre alten Touristenattraktion - das Leben. «Es war eine kriminelle Einzeltat», sagte Wang. Dennoch soll es künftig Waffenkontrollen für die Fahrgäste der vielen tausend städtischen Busse in der 17-Millionen-Metropole geben.

Chinas Regierung war von dem Mord im Herzen der Hauptstadt entsetzt und versuchte, einem Imageschaden vorzubeugen: Staats- und Parteichef Hu Jintao sprach sein tief empfundenes Beileid aus und nannte den Vorfall bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush «bedauerlich». Bush selbst sagte, seine Frau Laura und er seien «tief betroffen». Die US-Mannschaft war geschockt.

McCutcheon gab seinen Posten vorübergehend an Co-Trainer Ron Larsen ab, um sich um seine schwerst verletzte Schwiegermutter zu kümmern. Ärzte retteten ihr Leben in einer mehrstündigen Notoperation. Das Australische Olympische Komitee forderte seine Athleten auf, bei Ausflügen in die Stadt Teamkleidung zu tragen - offenbar um möglichen Verwechslungen mit US-Bürgern vorzubeugen.

Die Proteste gegen die chinesische Besetzung Tibets gehen unterdessen weiter: In Peking wurden bei zwei Aktionen der «Students for a Free Tibet» am Wochenende zehn Ausländer festgenommen, darunter zwei Deutsche. Fünf Aktivisten der Gruppe wurden am Samstag auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) abgeführt, nachdem sie sich in tibetische Fahnen eingehüllt wie sterbend auf den Boden legten. Am Sonntag folgte die nächste Protestaktion. Beteiligt waren zwei jeweils 21 Jahre alte Deutsche: ein Gießener Student und eine Deutsch-Tibetanerin, die in London studiert.

Außerdem wurden fünf Kanadier noch vor einer Protestaktion in ihrem Hotel festgenommen. Die ersten Protestaktionen auf einer Wettkampf-Anlage erlebten rund 10 000 Zuschauer im Reitstadion von Hongkong. Demonstranten riefen Parolen und versuchten, tibetische Fahnen und Spruchbänder zu zeigen.

Im Tauziehen um die Internet-Zensur in Peking ist ebenfalls kein Ende in Sicht. IOC-Pressechefin Giselle Davies erklärte es für «richtig und korrekt», dass Journalisten die Olympia-Organisatoren auf das Thema ansprechen. BOCOG-Generalsekretär Wang Wei blieb hart: «Wir haben freien Zugang versprochen, außer zu ein paar Webseiten, die die nationale Sicherheit und das gesunde Wachstum unserer jungen Menschen gefährden.»

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