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Theaterformen enden mit Groteske

Braunschweig (dpa) Mit einem ebenso leidenschaftlichen wie grotesken Appell für die Selbstbestimmung sind am Sonntagabend in Braunschweig die 13. Internationalen Theaterformen zu Ende gegangen.

Die Uraufführung des Stückes «Yellow Line» von Juli Zeh und Charlotte Roos handelt von Grenzen - persönlichen, politischen und gesellschaftlichen. Das Festival, das seinem Namen mit verschiedenen Formen des Theaters gerecht wurde, zeigte in den vergangenen elf Tagen 16 zeitgenössische Produktionen. 6250 Zuschauer haben die 59 Vorstellungen nach Angaben der Veranstalter besucht. Das sei eine Auslastung von 86 Prozent (2010: 74 Prozent) - und somit ein Rekord.

«Yellow Line» ist eine Koproduktion des gastgebenden Staatstheaters Braunschweig mit dem Theater Z/K/M/ Zagreb. Das deutsche Stück mit dem englischen Titel wurde ins Kroatische übersetzt und von einem deutsch-kroatischen Ensemble inszeniert.

«Das Stück ist vor allem eine Beschäftigung mit der Frage, wie viel Freiheit es in der modernen Welt eigentlich gibt beziehungsweise wie viel Freiheit wir opfern, um immer gesund, sicher, leistungsbereit zu sein», sagte Zeh. Die moderne Gesellschaft werde mit einem automatisierten Kuhstall verglichen, in dem die Kühe nicht mehr per Zwang, sondern per Service-Angebot dirigiert werden. Sie folgen der Befriedigung ihrer Bedürfnisse und tun auf diese Weise immer genau das, was man von ihnen will.

Das Thema Selbstbestimmung und Freiheit ist zwar nicht neu, aber frisch, unterhaltsam und differenziert dargestellt. Paul, Webdesigner mit abgebrochenen Studium, fühlt sich in einem All Inclusive Urlaub derart gegängelt, dass er die totale Sinnkrise erlebt. Er schreitet schließlich zur Tat und kidnappt die aufsässige Kuh Yvonne - mit ungeahnten Folgen.

Inspiriert ist das Stück von einer wahren Geschichte: einer von Russen geklauten Kuh, die 1997 aus einem Flugzeug fiel und auf einem japanischen Fischerboot landete. Basierend darauf haben Zeh und Roos - beide Jahrgang 1974 - eine Groteske über die leistungsorientierte und durchregulierte Gesellschaft geschrieben. «Yellow Line» ist ihre erste gemeinsame Arbeit. Die Juristin und Autorin Zeh beschäftigt sich in ihren Büchern immer wieder mit den Themen Datenschutz und Überwachungsstaat.

Anja Dirks, die das Festival noch bis 2014 leitet, resümiert: «Braunschweig ist wirklich eine Festivalstadt.» 140 Künstler aus zwölf Ländern gestalteten das Festival. Etwa 950 000 Euro steuern das Land Niedersachsen, die jeweilige Ausrichterstadt sowie zwei Stiftungen bei. Die restliche Summe wird durch Drittmittel und Eintrittsgelder gedeckt. Das Festival wurde 1990 in Braunschweig aus der Taufe gehoben. Nach einer Pause startete es 2007 neu, seither sind Hannover und Braunschweig im Wechsel Gastgeber.

Festival «Theaterformen»

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