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„Wir sind kein Event-Zoo“

Tierische Idylle im Naturzoo Rheine

Rheine Das Bären-Baby beim Tagesausflug beobachten. Dazu klappern die Störche. Die Blutbrustpaviane tragen lautstark einen Konflikt aus. Sonst herrscht Ruhe im Naturzoo Rheine, idyllisch gelegen am Kloster Bentlage.

Tierische Idylle im Naturzoo Rheine

Mama Devi ist das bevorzugte Transportmittel des jungen Lippenbärs Niko.

Gleich vorweg: Bei der Rast im „Bärenkäfig“ isst Meister Petz nicht mit. Der einer Bärenanlage nachgebaute Platz ist trotzdem bei Kindern und Jugendlichen beliebt, weil er Raum für Illusionen lässt. Eltern schätzen ihn, weil sie ihren Nachwuchs unter Kontrolle haben.

Apropos Nachwuchs: Zoodirektor Achim Johann freut sich wie alle anderen Mitarbeiter darüber, dass es seit 40 Jahren bei den Bären endlich wieder Nachwuchs gegeben hat. Niko heißt der junge Lippenbär, der im Dezember im Naturzoo zur Welt kam und sich zu einem wahren Wonneproppen entwickelt hat.

Bedrohten Tierart

Noch immer klettert der inzwischen etliche Kilo schwere Niko gern auf den Rücken seiner Mutter Devi, was der sonst geduldigen Bärendame angesichts des Gewichts gar nicht so recht zu sein scheint. Die Nachzucht in menschlicher Obhut ist deshalb so wichtig, weil die in Nepal, Indien und Sri Lanka beheimateten Lippenbären zur bedrohten Tierart gehören. Noch immer werden sie gefangen und als Tanzbären abgerichtet. Ein gruseliges Kapitel vermeintlicher chinesischer Heilkunst ist außerdem der Einsatz von Galle-Flüssigkeit, die den lebenden Tieren abgezapft wird. Dokumentationen entsetzen Tierfreunde weltweit.

Der kleine Niko ist inzwischen zum heimlichen Star in Rheine avanciert, weil man ihn mit seiner Mutter auch im Außengehege beobachten kann. Mutter und Sohn können sich aber jederzeit in den Innenraum zurück- und damit den Blicken der Besucher entziehen. So viel Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere muss sein. „Wir sind kein Event-Zoo“, unterstreicht Zoodirektor Achim Johann, der auch einer seltenen Nachzucht wie Niko „Rummel“ erspart hat.

Arterhaltungsprojekte und Zuchtprogramme

Vielmehr stehen Ruhe und Natürlichkeit im Vordergrund. „Wir sind ein Zoo zum Runterkommen. Hier können Besucher Tiere live erleben“, sagt Johann. Gleichzeitig leistet er mit seinen Mitarbeitern wichtige Beiträge zu Zuchtprogrammen, unterstützt Arterhaltungsprojekte wie zum Beispiel für Halbaffen auf Madagaskar und erfüllt mit der Zooschule einen bedeutenden Bildungsauftrag. Dass die Bären- und Pinguin-Anlagen mit tiergärtnerischen Auszeichnungen dekoriert sind, freut nicht nur den Direktor, sondern alle Mitarbeiter in Rheine.

Die Freigehege erscheinen riesig. Vor allem die für die Dscheladas (Theropithecus gelada), wie die Blutbrustpaviane auch genannt werden. Die Haltung ist ein Schwerpunkt im Naturzoo. Mit 71 Tieren unterhält der Zoo die weltweit größte Zuchtkolonie und führt das internationale Zuchtbuch im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Koordinierte Erhaltungszuchtprogramme sind von Bedeutung. In Rheine sorgte zum Beispiel 2008 ein Pavian-Mann aus den USA für Blutauffrischung. „Der starke Mann aus der Bronx“ hatte schnell seinen Spitznamen.

Glamouröse Attribute

Die Blutbrustpaviane gibt es nur noch in Äthiopien. Sie bewohnen gebirgige Ebenen, fressen dort Gras, leben in großen Verbänden, die Hunderte von Tieren umfassen können. Tagsüber sind sie mit der Nahrungssuche beschäftigt. Nachts finden sie Schutz in Felsspalten und engen Schluchten. Johann: „Die Tiere haben richtige Bergsteiger-Hände mit ihren kurzen, kräftigen Fingern.“

Auffälliges Merkmal: Die Männer haben einen roten, haarlosen Fleck auf der mächtigen Brust, der in der Brunftzeit knallrot wird, die Frauen eine Reihe roter Warzen. Wie so oft im Tierreich sind die Rollen rein äußerlich ungleich verteilt. Die bis 25 Kilo schweren Männer sind mit glamourösen Attributen ausgestattet, die nur 13 bis 15 Kilo schweren Frauen dagegen fast unscheinbar.

 „Die Tiere kennen Schnee“

Das starke Geschlecht trägt eine extraordinäre Haarpracht, die Tina Tuner und Bill Kaulitz, Leadsänger von Tokio Hotel, neidisch werden lassen könnte. Aber auch die Weibchen sind mit einem dicken Fell ausgestattet; denn in ihrer äthiopischen Heimat leben die Tiere in einer Höhe von 2200 bis 4400 Metern und müssen niedrigen Temperaturen und eiskalten Nächten trotzen. Johann: „Die Tiere kennen Schnee.“

Die tollen Mähnen haben die Dscheladas früher auch zum Jagdobjekt gemacht. Bei äthiopischen Volksstämmen waren die Felle als Kopfschmuck begehrt. Heute droht eine andere, schleichende Gefahr. Die auf Grasfutter spezialisierte Art, einst auch in Asien und bis Südeuropa verbreitet, hat im äthiopischen Hochland einen Lebensraum gefunden. Die Klimaerwärmung sorgt jedoch für eine Änderung der Vegetation, die Buschzone breitet sich nach oben aus.

„Politische Netzwerke“ werden aufgebaut

Die Nische im Hochgebirge der auf Grasnahrung spezialisierten „Weidetiere“ wird kleiner. Ein Ausweichen ins Flachland wäre problematisch, weil dort die Huftiere Nahrungskonkurrenten wären. Damit sich intelligente Wesen wie Affen in menschlicher Obhut nicht langweilen, müssen Zoos Beschäftigungsprogramme ersinnen. Nicht so für die Dscheladas in Rheine. Achim Johann: „Soziale Kontakte sind die beste Beschäftigung.“ Die 71 Tiere leben in zwei Gruppen mit mehreren Harems. Da werden wie in frei lebenden Gruppen Allianzen geschmiedet, „politische Netzwerke“ aufgebaut...

„Jeder ist ein Individuum“, erklärt der Zoodirektor. Besucher, die sich die Zeit nehmen, die Gruppen zu beobachten, werden Achim Johann schon nach kurzer Zeit recht geben. Es sind Wesen mit unterschiedlichem Aussehen, eigener Mimik, eigenem Verhalten. Das Leben im großen Verband hat die soziale Intelligenz der Dscheladas besonders ausgebildet.

Spielendes Jungtier

Die „hochgradig sensiblen Tiere“, so Johann, haben 28 verschiedene Laute zur Kommunikation untereinander, sie kennen leise und laute Töne. Und beim Babysitten verhalten sie sich vorbildlich. Entfernt sich der Nachwuchs von der schlafenden Mutter, gibt es garantiert eine andere Dame in der Gruppe, die das spielende Jungtier einfängt, zu sich zieht und ihn liebevoll betreut.

Öffnungszeiten:

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