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Tiflis-Trainer Rainer Zobel flieht aus Georgien

Braunschweig (dpa) In einer dramatischen Odyssee ist der deutsche Trainer Rainer Zobel den Wirren des russisch-georgischen Kaukasus-Kriegs entflohen.

Tiflis-Trainer Rainer Zobel flieht aus Georgien

Rainer Zobel trainiert den georgischen Fußball-Meisters Dynamo Tiflis.

Nach dem Ausbruch der Kampfhandlungen in Südossetien verließ der Coach des georgischen Fußball-Meisters Dynamo Tiflis auf Empfehlung der deutschen Botschaft das Land und kehrte nach einem 26-stündigen Abenteuer wohlbehalten zu seiner Familie nach Braunschweig zurück. «Es wurden rund um Tiflis strategische Punkte angegriffen. Das kriegt man alles mit und fragt sich, was noch kommt. Deswegen mussten wir raus», sagte Zobel der Deutschen Presse-Agentur dpa und bestätigte damit einen Bericht des Fachmagazins «kicker».

Der «Reisebericht» des früheren Bundesliga-Trainers hört sich wie ein Abenteuer-Roman an. Nachdem Zobel Tiflis mit sechs seiner Profis verlassen hatte, musste er per Bus an der armenischen Grenze einen Stützpunkt passieren, der in der Nacht zuvor von russischen Streitkräften bombardiert worden war. Anschließend ging es zu Fuß über den Grenzübergang, «da wir dort wegen einer Reiseschlange nicht weiterkamen». Nach einer 260 Kilometer langen Nacht-und-Nebel-Aktion kam der Flucht-Tross in einem zweiten Bus dann in der armenischen Hauptstadt Eriwan an, ehe es für Zobel per Flugzeug über Wien, München und Hannover nach Hause ging. «Das war schon ein Abenteuer, aber ich habe das nicht so empfunden, weil ich Verantwortung für meine Spieler hatte», schilderte Zobel seine Gefühlslage.

Einen Tag nach seiner Rückkehr hatte der frühere Coach des 1. FC Nürnberg, 1. FC Kaiserslautern und der Stuttgarter Kickers endlich Zeit, darüber nachzudenken, «was alles passiert ist». Während er seine Profis im Camp in Tiflis trainierte, gingen nur wenige Kilometer entfernt russische Bomben nieder. «Wir haben den Krieg nur im Fernsehen gesehen. In den Augen meiner Spieler war aber schon die Angst zu sehen», berichtete Zobel, der nach Kriegsende zurück nach Tiflis will, wo er noch einen Vertrag bis Sommer 2009 plus einjährige Option hat: «Ich bin ständig in Kontakt mit meinem Club. Wenn wieder alles in Ordnung ist, fliege ich zurück und arbeite dort weiter.»

In den dramatischen Stunden konnte sich Zobel - auch dank der Hilfe eines «kicker»-Redakteurs - auf die Unterstützung des neuen aserbaidschanischen Nationaltrainers Berti Vogts verlassen. Dessen Angebot, zu ihm in die Hauptstadt Baku zu fliegen, lehnte der frühere Profi des FC Bayern München aber ab. «Es gab nur noch einen einzigen Sitz nach Baku. Das habe ich nicht gemacht, weil ich sechs Spieler dabei hatte.» Stattdessen organisierte er («Ich habe immer 2000 Dollar bar dabei. Das hat sich bewährt») für sich und die anderen «Flüchtlinge» die Odyssee. «Ich bin kein Held oder sonstwas. Das ist völliger Quatsch», sagte Zobel und wies alle Komplimente zurück.

Schließlich seien vieler seiner Profis in Tiflis zurückgeblieben, um unter Anleitung seines Assistenz-Coaches in dieser Woche weiter zu trainieren. Der Karlsruher Bundesliga-Stürmer Alexander Iaschwili, der selbst aus Tiflis kommt, zeigte sich beunruhigt. «Es ist schlimm zu sehen, was derzeit in meiner Heimat Georgien passiert. Es sterben unschuldige Leute», sagte der Stürmer. «Ich hoffe, dass schnell Frieden kommt.» Um das Leben der in Tiflis gebliebenen Akteure hat Zobel indes keine Angst: «Ich lasse meine georgischen Spieler mit einem ganz guten Gefühl zurück, weil ich weiß, dass sie dort sicher sind. Denn ich glaube nicht, dass Tiflis bombardiert wird.»

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