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Tipps für den Kauf schnurloser Telefone

Hamburg/Berlin (dpa/gms) - Statt sich von großen Marken, Design-Auszeichnungen und vielen Funktionen blenden zu lassen, sollte beim Kauf eines schnurlosen Telefons nur eines zählen: die eigene Meinung. Daher sollte man vor dem Gang zur Kasse einige Modelle genau prüfen.

«Meist kauft man doch ein bestimmtes Modell, weil es besonders viele Funktionen hat», beobachtet Tim Bosenick, Geschäftsführer des Unternehmens Sirvaluse, einer Firma in Hamburg, die sich mit der Benutzerfreundlichkeit von technischen Geräten befasst. Im Alltag zeige sich dann aber, dass nur 3 von 100 Funktionen überhaupt genutzt werden. «Da ist es dann besonders blöd, wenn ich diese 3 Funktionen nur sehr umständlich erreiche.»

Bosenick zufolge ist es daher sinnvoll, sich vor dem Kauf genau zu überlegen, was das neue Telefon können muss. Anschließend wird das Modell idealerweise nach diesen Kriterien ausgesucht. Am besten lässt sich der Kunde im Laden auch vom Verkäufer die Funktionen ausführlich erläutern. «Das ist aber leider noch nicht die Realität.»

Bei der Auswahl sollten auch ergonomische Aspekte eine Rolle spielen, sagt Wolfgang Boos von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift «Connect». Er empfiehlt, ruhig ein paar Minuten mit dem Telefon am Ohr durchs Geschäft zu gehen. Das sehe zwar doof aus, aber so lasse sich herausfinden, ob das Gerät unangenehm am Ohr drückt.

Immer mehr schnurlose Telefone bieten ein farbiges Display. Das ist laut Boos aber kein Muss. Die Hauptsache sei, dass die Schrift gut zu erkennen ist. Außerdem müssten Display und Tasten beleuchtet sein, damit sich das Telefon auch gut im Dunkeln bedienen lässt.

Laut Tim Bosenick von Sirvaluse sind bei einigen Herstellern Bemühungen erkennbar, schnurlose Telefone, die in der Regel dem so genannten Dect-Funkstandard entsprechen, bedienerfreundlicher zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel größere Tasten, ein gut lesbares Display und eine logische Menüführung. Leider geht das eine nicht Hand in Hand mit dem anderen: Bosenick weiß von einem Telefon, das zwar einen Design-Preis erhalten hat, weil es nur wenige Funktionen besitzt. Das Telefonbuch sei jedoch nicht alphabetisch, sondern nach dem Datum des Eintrags sortiert - «das ist natürlich unsinnig.»

Dieses Beispiel zeigt auch, dass der Kunde sich nicht von Design-Auszeichnungen blenden lassen sollte - das Gleiche gilt für große Namen. Bietet etwa ein bestimmtes Handy guten Komfort, muss das nicht automatisch auch auf ein Dect-Telefon des gleichen Herstellers zutreffen. Statt sich auf die Marke zu verlassen, ist der Käufer besser beraten, wenn er weitere Punkte vor dem Kauf abklopft.

Zur Ausstattung vieler Dect-Telefone gehört etwa ein eingebauter Anrufbeantworter. Ein «AB» schlage meist mit 10 bis 20 Euro Aufpreis zu Buche, so Jürgen Tewes von der Stiftung Warentest in Berlin. Eine Aufnahmekapazität von 20 Minuten oder mehr sei in Ordnung, 15 Minuten dagegen eher zu wenig. «Das hängt aber auch davon ab, wie viel Sie zu Hause sind und wie viele Anrufe sie in Abwesenheit so erwarten.»

Ein Blick gebührt auch dem Nummernspeicher: Wer eine große Familie oder viele Freunde hat, braucht hier eher mehr als weniger Kapazität. «200 Einträge sind kein Luxus mehr», sagt Boos. Wer beim Telefonieren gerne bügelt oder Kartoffeln schält, braucht außerdem eine Freisprecheinrichtung. Und die sollte die Vollduplex-Technologie beherrschen, denn sonst hat der Nutzer beim Telefonieren das Gefühl wie bei einem Walkie-Talkie, weil immer nur einer sprechen kann.

Komfortabel ist eine so genannte Longpress-Funktion. Damit können die einzelnen Tasten mit bestimmten Rufnummern hinterlegt werden. Drückt man dann lange etwa auf die «8», klingelt zum Beispiel bei Oma das Telefon. Häufig liegt der Komfort im Detail. Warentester Tewes weist darauf hin, dass es praktisch sein kann, wenn das Dect-Telefon einen Steckplatz für die Handy-Sim-Karte besitzt. Dadurch lassen sich Telefonnummern und Adressen vom Handy auf das Haustelefon kopieren.

Telefone werden schnell schmutzig, rasch ist auch das Display verschmiert. Manche Oberflächen-Materialien weisen Schmutz jedoch besser ab als andere. Auch das gilt es laut Tim Bosenick vor dem Kauf auszuprobieren. Man solle ruhig mal mit leicht fettigen Fingern über das Display fahren.

Angesichts steigender Energiepreise nicht uninteressant ist auch der Stromverbrauch. Ein vergleichsweise guter Wert sind 1,6 Watt. Manche Geräte verbrauchen jedoch 4 Watt oder mehr, so Tewes. Wer zudem die Belastung durch elektromagnetische Felder möglichst gering halten möchte, sollte ein Telefon kaufen, dass nicht mehr strahlt, wenn das Mobilteil in der Ladeschale steckt.

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