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Todesfahrer (24) aus Marl muss ins Gefängnis

Raser-Urteil

Ein Raser, der im August 2016 auf der B225 zwischen Marl und Recklinghausen einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hat, muss für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Vor dem Bochumer Landgericht akzeptierte der 24-jährige Marler am Montag endgültig seine Strafe – eine sofortige Festnahme blieb ihm dadurch erspart.

Bochum

, 19.02.2018
Todesfahrer (24) aus Marl muss ins Gefängnis

© picture alliance / Bernd Thissen

Die Berufungskammer gab dem Todesfahrer im Prozess gleich in den ersten Minuten zu erkennen, dass das Eineinhalb-Jahre-Haft-Urteil des Schöffengerichts Recklinghausen vom 9. Oktober 2017 das absolut Mindeste ist, mit dem er sich abzufinden hat. Die Erfolgsaussichten seiner Berufung seien gleich null, hieß es. „Das rücksichtslose Fahrverhalten, das Sie damals an den Tag gelegt haben, sucht seinesgleichen“, sagte Richter Dirk Reitzig.

Spritztour mit gemietetem BMW endete tödlich

Der 24-Jährige habe bei seiner Spritztour am 23. August 2016 mit einem gemieteten Touring-BMW (313 PS) praktisch alle Verkehrsregeln mit Füßen getreten, indem er erst eine Rotzeigende Ampel ignoriert und danach trotz Überholverbots viel zu schnell (Tempo 144 bei erlaubten 80) über hunderte Meter als Geisterfahrer im Gegenverkehr unterwegs gewesen sei. Der Richter: „Wir sind doch hier nicht auf dem Hockenheimring.“

An einer Straßen-Einmündung war der rasende BMW damals ungebremst in die Fahrerseite eines abbiegenden Mazda gerast. Dessen Fahrer (89) aus Marl war zwei Stunden nach dem Unfall-Crash in der Klinik verstorben.

Bei Berufungsverhandlung drohte ein härteres Urteil

Die Berufungsrichter kündigten dem Todesfahrer an, dass sie bei Durchführung des Berufungsprozesses auch die Möglichkeit einer Mordverurteilung prüfen und den 24-Jährigen unverzüglich in U-Haft nehmen würden. Am 1. März werde der Bundesgerichtshof sich zu den Mord-Verurteilungen zweier Raser zu lebenslangen Haftstrafen nach einem tödlichen Autorennen auf dem Berliner Kudamm positionieren. Diese Entscheidung werde man abwarten. Und die „Höchstgeschwindigkeitsfahrt“ am Unglückstag in Recklinghausen komme einem Autorennen sehr nahe.

Bewährung aus mehreren Gründen undenkbar

Eine Bewährungschance habe der Marler aber auch noch aus anderen Gründen nicht verdient, hieß es am Bochumer Landgericht. Nicht nur habe er nach dem Unfalldrama ein unglaublich unverschämtes Nachtat-Verhalten an den Tag gelegt, sich mit Polizisten angelegt und den Beamten sogar den Diebstahl von 2000 Euro Bargeld aus seinem Unfall-Wrack unterstellt. Nein. Inzwischen, so das Gericht, sei sogar auch noch bekannt geworden, dass ein weiteres Urteil gegen den 24-Jährigen ergangen sei. Nach einem gemeinschaftlichen Pistolen-Überfall auf einen Supermarkt im Jahr 2015 (Beute: 6000 Euro) hatte der Marler am 27. September 2017 zehn Monate Haft auf Bewährung kassiert.

Nach zweimaliger Beratung mit seinem Verteidiger auf dem Gerichtsflur zog der Todesfahrer seine Berufung zurück. Das Urteil wegen fahrlässiger Tötung ist damit rechtskräftig. Beim Verlassen des Saales wischte sich der Marler mit einem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht.