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Tölt und Pass: Islandpferde beherrschen mehr Gangarten

Neuenkirchen (dpa/gms) - Sie sind kräftig und widerstandsfähig. Vor allem Kinder haben die lebhaften Kleinpferde mit der wuscheligen Mähne in ihr Herz geschlossen. Dabei sind Islandpferde mehr als kuschelige Spielgefährten.

Denn sie beherrschen mit Tölt und Pass zwei Gangarten mehr als die meisten anderen Pferde und sind wegen ihrer Ausdauer auch für erwachsene Reiter sehr gut geeignet. «Es sind der gute Charakter und das freundliche Wesen, die das Islandpferd auch bei erwachsene Anfängern so beliebt machen», sagt Regine Diepold vom Isländerhof Rutenmühle in Neuenkirchen (Niedersachsen). Die Pferde seien überdurchschnittlich umgänglich - Treten, Buckeln und Beißen sei eher untypisch. «Dabei haben sie aber eine große Lebendigkeit und ganz beeindruckende Gangarten», erklärt Diepold, die gemeinsam mit ihrem Mann rund 100 Isländer hält.

Als Arbeitstiere kamen die ersten Islandpferde am Anfang des vergangenen Jahrhunderts nach Deutschland. Heute wird die Population hier zu Lande auf rund 65 000 geschätzt - die zweitgrößte außerhalb Islands. Im Islandpferde-Reiter- und Züchterverband (IPZV) sind 20 000 Besitzer, Reiter und Züchter organisiert.

Zwar gibt es auch andere Pferderassen, die mehr Gänge können als Schritt, Trab und Galopp - etwa die amerikanischen Tennessee Walker oder südamerikaische Pasos. Aber fünf Gangarten unter dem Sattel präsentierten nur Isländer. Dabei ist vor allem der Tölt beim Reiter beliebt, da er sich gut sitzen lässt. Der Pass ist ein schneller, weicher Gang im Zweitakt, bei dem jeweils die beiden rechten Beine oder die beiden linken Beine vortreten - wie bei einem Kamel. Tölt dagegen ist ein Rennschritt im Viertakt - dies bedeutet, dass die Beine nacheinander vortreten.

Grundsätzlich haben alle Isländer die Veranlagung zum Tölt und Pass, sagt IPZV-Sprecherin Swantje Renken in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim. Das Talent dazu kann jedoch unterschiedlich sein: «Es gibt Naturtölter, die es von sich aus anbieten, und andere, die es erst lernen müssen.» Je besser das Tier die beiden Extra-Gangarten beherrscht, umso höher der Preis.

Insgesamt sind die Ponys aus dem Norden teurer als vergleichbare andere Rassen: Rund 5000 Euro muss man laut IPZV für ein gut ausgebildetes Pferd auf den Tisch legen. Allerdings ist ein Isländer auch die Eintrittskarte für eine besonders eingeschworene Gruppe innerhalb der Pferdebesitzergemeinschaft. Bei den jährlich rund 70 reinen Isländer-Turnieren in Deutschland gibt es große Treffen, bei denen auch gefeiert wird.

Die Reinzucht der Rasse gibt es nach Verbandsangaben seit etwa 1000 Jahren. Die isländische Regierung achtet streng darauf, dass sich Isländer nicht mit anderen Pferden mischen. Auch wegen der Gefahr von eingeschleppten Krankheiten darf kein ausländisches Pferd seine Hufe auf die Insel setzen.

Die Kleinpferde haben zwischen 1,35 und 1,50 Meter Stockmaß und können auch Erwachsene ohne Probleme über größere Strecken tragen. Bei den Fellfarben ist die Rasse ganz besonders vielfältig. Vom Rappen über Falben bis hin zum Schecken ist alles vertreten. Seit einigen Jahren ist auch der Fahrsport innerhalb der Isländer-Gemeinde wieder populärer geworden. «Besonders bei Familienvätern, denen das Reiten nicht so liegt, die aber trotzdem gemeinsam etwas mit ihren Kindern unternehmen wollen», sagt Swantje Renken. Reitern, die testen wollen, ob Isländer die richtigen Pferde für sie sind, rät sie zu einem Reiturlaub auf einem Isländerhof.

Der Reiter und Familienvater Mathias Löhr aus Ratingen bei Düsseldorf ist von den Qualitäten der Isländer überzeugt: «Mir gefällt der gefestigte Charakter. Auch bei richtigen Krachern gibt es immer einen guten Kern». Löhr genießt die Ausritte mit seinen Islandpferden Kjarvall und Sprettur. Es komme zwar vor, dass man hier zu Lande mit einem Isländer von Großpferdebesitzern als «Pony-Reiter» belächelt wird - aber über solche Unwissenheit können sich die Fans der leistungsstarken Ausnahmerasse kaum ärgern.

Informationen: Islandpferde-Reiter- und Züchterverband (IPZV), Postfach 1220, 31159 Bad Salzdetfurth, Telefon: 05063/27 15 66

Züchterverband: www.ipzv.de

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