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Tote bei EuroCity-Unglück in Tschechien

Warschau/Prag (dpa) Der Lokführer des Eurocity «Comenius» von Krakau nach Prag zog in seiner Verzweiflung noch die Notbremse, doch die Katastrophe konnte er nicht mehr verhindern.

Tote bei EuroCity-Unglück in Tschechien

Im Nordosten Tschechiens ist ein EuroCity in die Trümmer einer Brücke gerast.

Sein Zug mit etwa 200 Passagieren an Bord raste am Freitagvormittag im Nordosten Tschechiens in die Trümmer einer eingestürzten Brücke. Die Lok und drei Waggons entgleisten. Sieben Menschen starben, 67 Verletzte wurden aus dem Wrack geholt. Mindestens 15 Reisende erlitten nach Angaben des polnischen Gesundheitsministeriums schwere Verletzungen.

Wie die tschechische Bahnaufsicht mitteilte, handelt es sich bei den Toten um fünf tschechische Staatsbürger und einen Polen. Deutsche sollen nach Angaben von Rettungskräften nicht unter den Verletzen sein, jedoch französisch und englisch sprechende Touristen. Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek und der polnische Regierungschef Donald Tusk eilten in die Nähe des Ortes Studenka, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Es war 10.45 Uhr, als der Triebwagen mit voller Wucht gegen die auf die Schienen gefallene Stahlkonstruktion krachte. Nach Augenzeugenberichten wurden die Brückenteile durch den Aufprall 30 bis 50 Meter weggeschoben. «Ich hörte einen lauten Knall und kann mich danach an nichts mehr erinnern», erzählte ein tschechischer Fahrgast. Der Zug war mit etwa 135 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. Der Lokführer habe durch das Auslösen der Notbremse die Geschwindigkeit vor dem Aufprall noch auf etwa 120 Stundenkilometer reduzieren können, sagte ein Sprecher der tschechischen Bahnaufsicht. An der Brücke über den Gleisen war schon seit Monaten gebaut worden. Warum sie einstürzte, ist noch unklar.

Am Unglücksort habe es wie nach einem Massaker ausgesehen, schrieb ein tschechischer Journalist im Internet. «Die Lokomotive hat sich gegen die Fahrtrichtung gedreht, die ersten Waggons sind vollkommen zertrümmert», berichtete er. «Überall war Blut zu sehen», erzählte ein polnischer Passagier, der im ersten Waggon fuhr und sich selbst aus dem Zug befreien konnte. Und überall hätten die Menschen nach Hilfe gerufen. Die tschechischen Rettungskräfte seien aber bereits «nach zwei bis drei Minuten» am Unfallort gewesen.

Um die Opferzahlen gab es zunächst große Verwirrung. Während die tschechische Polizei von mindestens zehn Toten und 100 Verletzten sprach, meldete der Rettungsdienst sechs Tote und 35 Verletzte. Die Verletztenzahl wurde im Laufe des Nachmittags auf 49 nach oben korrigiert.

Der Unfallort unweit der polnisch-tschechischen Grenze glich einem Trümmerfeld: Die ineinander verkeilten Waggons und Brückenteile bildeten eine merkwürdige Stahlkonstruktion. Bis zum Nachmittag wurden alle Passagiere aus dem Zug befreit. Dutzende Feuerwehren, Rettungswagen und Hubschrauber beteiligten sich an den Bergungsarbeiten. Viele Gaffer hätten die Hilfsarbeiten behindert, klagte ein Feuerwehrmann.

Mehrere tschechische Passanten schimpften auf die für die Brückensanierung Verantwortlichen. «Das ist ein Skandal», sagte ein 40-Jähriger. Die 1961 gebaute Autobrücke über die Bahnstrecke befand sich seit längerem in einem schlechten Zustand und wurde seit April saniert.

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