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Transparency gegen Freiflüge für Aufsichtsräte

Berlin (dpa) Im Zusammenhang mit einem Gratisflug von ver.di-Chef Frank Bsirske hat die Anti-Korruptionsorganisation Transparency die generelle Abschaffung von Sonderleistungen für Aufsichtsräte gefordert.

Transparency gegen Freiflüge für Aufsichtsräte

Sollen Aufsichtsratsmitglieder künftig keine Sonderleistungen wie Freiflüge mehr bekommen?

«Wer darauf verzichtet, persönliche Vergünstigungen zu gewähren, vermeidet Missverständnisse und alle Spekulationen über Interessenkonflikte», sagte der stellvertretende Vorsitzende von Transparency Deutschland, Peter von Blomberg. Dies sei dann der Fall, wenn die Entlohnung nur aus Geld bestehe.

Blomber sprach sich damit in der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag) gegen Sonderleistungen wie Freiflüge aus. «Meine Empfehlung an die Unternehmen lautet: Schafft diese Vergünstigungen für Aufsichtsräte ab.» Es müsse klar sein, was Aufsichtsräte für ihre Kontrolltätigkeit von Unternehmen erhielten. Nach dem Aktienrecht sollen die Vergütungen «in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben der Mitglieder und zur Lage der Gesellschaft stehen».

Die Diskussion über Privilegien von Aufsichtsräten hatte sich an einem Urlaubsflug des Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Bsirske entzündet. Dieser hatte in seiner Funktion als Aufsichtsrat bei der Lufthansa für sich und seine Frau Freiflüge nach Los Angeles in Anspruch genommen. Er will die Erste-Klasse-Tickets jetzt nachträglich bezahlen. Kurz nach Bsirskes Start in den Urlaub hatte ver.di die Lufthansa mehrere Tage bestreikt.

Die Aufsichtsräte der Lufthansa können Freiflüge nach Angaben des Unternehmens unbegrenzt in Anspruch nehmen. Diese Vergünstigung sei bisher aber nur in geringem Ausmaß genutzt worden, sagte ein Lufthansa-Sprecher den «Stuttgarter Nachrichten» (Dienstag): Die 20 Aufsichtsräte hätten im vergangenen Jahr zusammen 89 000 Euro an Zusatzbezügen erhalten - überwiegend als Sitzungsgelder, zu einem kleineren Teil als «Beförderungsvergünstigungen» in Form von Freiflügen. Mit dem USA-Trip im Wert von mehr als 20 000 Euro für sich und seine Frau hätte Bsirske demnach den Rahmen des bisher Üblichen gesprengt.

Wie Transparency sprach sich auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Links-Fraktion, Herbert Schui, gegen Extras für Aufsichtsräte aus. «Der Fehler liegt nicht in der Inanspruchnahme der Sonderleistungen, sondern in deren Existenz.» Diese Sonderleistungen gehörten deshalb abgeschafft.

Das Mitglied der Regierungskommission zur Erarbeitung von Leitlinien zur Unternehmensführung (Corporate Governance Codex), Christian Strenger, hält Gratisflüge für Aufsichtsräte dann für akzeptabel, wenn sie «angemessen» sind. «Es war zumindest taktisch nicht sehr geschickt, anlässlich dieses Streiks gerade das Recht in Anspruch zu nehmen, den längsten Flug der Lufthansa in die Südsee zu nutzen», sagte Strenger - selbst Mitglied im Aufsichtsrat der Deutsche Bank-Tochter DWS-Investment - im Deutschlandradio Kultur.

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