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Trends 2007: Öko-Chic und die Sinnfrage

Hamburg (dpa) ­ Öko-Bräute, die in Hanfkleidern zum Traualtar schreiten, Second-Life, dunkle Schokolade mit Chili und iPhones - wer im Jahr 2007 im Trend sein wollte, kam an manchen Dingen kaum vorbei.

Doch solche Lifestyle-Accessoires und Zeitgeist-Phänomene sind oft auch Ausdruck für ein neues gesellschaftliches Lebensgefühl. Rückblickend, so die Meinung von Trend- und Zukunftsforschern, prägten 2007 besonders Klimawandel, Lebensmittelskandale und das Internet das Konsumverhalten und die Stimmung der Deutschen. Für sie war es vor allem «ein Jahr der Sinnfrage», aber auch der Lust auf Partystimmung und gemeinsame Events. 2008, so die Prognose, wird besonders die mobile Technologie das Leben der Deutschen bestimmen.

«Zunächst einmal hat die WM 2006 immense Nachwirkungen gehabt», sagt Stephan Grünewald vom Marktforschungsinstitut Rheingold. «Für viele Menschen war es der Sommer ihres Lebens; dieses Gefühl wollten sie hinüberretten und suchten Anlässe und Orte für gemeinsame Erlebnisse. «So führte das Sommermärchen der WM auch zu einem Run der Kids auf Mitmach-Portale wie MySpace und YouTube», sagt Grünewald, der in seinem Buch «Deutschland auf der Couch» das seelische Hinterland der Deutschen ergründet.

Lebensmittelskandale verdarben vielen schon zu Beginn des Jahres die gute Laune und führten zu Verbraucherprotesten und gekoppelt mit den Berichten über die Folgen des Klimawandels zu einer kollektiven Sehnsucht nach mehr Sinn im Leben. «Das Vertrauen der Konsumenten war erschüttert und führte dazu, dass Produktionsweisen stärker hinterfragt wurden», erläutert Birgit Gebhardt, Geschäftsführerin vom Trendbüro in Hamburg, den neuen Sinnkonsum. «Unternehmen, die das nicht berücksichtigen und in einen Dialog mit den Kunden treten, werden von ihnen abgestraft - was durch Internet-Blogs zunehmend einfacher wird - übrigens auch eine Entwicklung, die 2007 stark zugenommen hat.»

«Nachhaltigkeit» wurde zum Schlüsselwort, «klimaneutral» zum neuen Maßstab: Bio-Häuser, Bionade, Bio-Bräute und Bio-Partys - ein neuer grüner Lifestyle eroberte das Land. Grünewald: «Bio erfährt einen Bedeutungswandel. Gefragt ist nicht mehr die verschrumpelte Bio-Möhre; auch Öko-Produkte sollen prall und lecker sein.» Bio sei fröhlicher geworden und habe nichts mehr zu tun mit früherer Müsli-Askese. Die Öko-Lebensmittel-Branche rechnet 2007 mit einem Umsatzanstieg um 16 Prozent auf rund 5,4 Milliarden Euro. Und der Bio-Boom geht weiter. Naturfreunde kommen heute in bunten Designer- Gummistiefeln daher - sichtbares Zeichen für einen lustvolleren Umgang mit ökologischen Themen. Stars und Sternchen leben es uns vor. «Öko goes Hollywood», sagt Professor Norbert Bolz von der Technischen Universität Berlin.

Auch das «gefühlte Alter», Großmütter, die nicht mehr «Omi» genannt werden wollen und Feminisierung waren Bewegungen des Jahres, meint Gebhardt vom Trendbüro. In den Medien als Alpha-Mädchen apostrophiert, häuften sich Berichte und Geschichten über kluge Mädchen und mächtige Frauen. Gebhardt: «Es war auch ein Jahr der Hinterfragung von Lebensmodellen und Rollenbildern.»

Was wurde 2007 nicht alles zum Trend erklärt: Männer mit Waschbär- statt Waschbrettbäuchen, Jungs mit langen Haaren, kleine Handtaschen, Schuhe «für alle Fälle» mit Absätzen zum Ausziehen, Kaiserschnitte, Kochshows, Auswandern und Tomaten-Marmelade - nicht alles notwendigerweise mit tiefem psychologischen Hintergrund.

2008 wird uns die mobile Technik weiter beschäftigen. «Unsere Kommunikation wird sich durch die digitale Revolution weiter entscheidend verändern», sagt Medienwissenschaftler Bolz. «Es entsteht eine ganz neue Form der Öffentlichkeit.» Dabei würden «face-to-face»-Begegnungen immer attraktiver. Bolz: «Nichts wird wertvoller sein, als jemanden persönlich zu treffen.»

Zukunftsforscher Matthias Horx spricht in seinem druckfrischen «Trendreport 2008» von «Holy Tech» ­ vom Siegeszug einer «spirituellen» Technologie mit übersteigerten Erwartungen an Kultgeräte, die beim Benutzer «Erlösungswünsche» auslösen. Außerdem wird seiner Ansicht nach der «Klima-Kult» zur neuen Retro-Religion und führt in modernen Großstädten zu einem Sieg des Fahrrads über das Auto. Weitere Ökologisierung, Klima-Kult, Moral-Marketing und Sinnkonsum - 2008 könnte das Jahr der Weltverbesserer werden.

Trendbüro in Hamburg: www.trendbuero.de

«Trendreport 2008»: www.zukunftsinstitut.de

Marktforschungsinstitut Rheingold: www.rheingold-online.de

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