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Trump holt zum Schlag gegen Amazon aus

Washington. Die US-Republikaner gelten eigentlich als extrem wirtschaftsfreundlich. Donald Trump kümmert das nicht. Auf Twitter keilt er gegen den Online-Händler Amazon. Die Börse reagiert nervös.

Trump holt zum Schlag gegen Amazon aus

US-Medien werten die Breitseite gegen Amazon auch als Teil einer persönlichen Fehde Donald Trumps mit Konzernchef Jeff Bezos. Foto: Michael Reynolds/EPA

US-Präsident Donald Trump hat in einem für US-Republikaner ungewöhnlichen Schritt zu einem öffentlichen Rundumschlag gegen den Handelsriesen Amazon ausgeholt.

„Sie zahlen wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen und sie benutzen unser Postsystem als ihren Botenjungen“, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter.

Die republikanische Partei, für die Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, steht normalerweise für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs mit möglichst geringer Steuerlast für Unternehmen. Allein die Gerüchte über ein mögliches Vorgehen Trumps gegen Amazon hatten den Börsenwert des Online-Händlers am Vortag zeitweise um 53 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Nach einer kurzen Erholung gingen die Amazon-Papiere am Donnerstag erneut auf Talfahrt.

Allerdings hatten die Aktien andererer Tech-Unternehmen vor Ostern ebenfalls einen schweren Stand. Auch Facebook hatte nach dem Bekanntwerden des Skandals um Cambridge Analytica erheblich Federn lassen müssen.

Amazons Praktiken ließen den Vereinigten Staaten enorme wirtschaftliche Schäden entstehen, schrieb der Präsident. Viele Tausend Einzelhändler würden aus dem Geschäft gedrängt. US-Medien werteten die Breitseite gegen Amazon auch als Teil einer persönlichen Fehde Trumps mit Konzernchef Jeff Bezos. Dieser ist auch Inhaber der Trump-kritischen Zeitung „Washington Post“.

Experten diskutierten engagiert die Frage, ob Trump mit seiner Einschätzung zu Amazon richtig liegt. Die meisten Analysten kamen zu dem Schluss, dass der Job-Boom in der Online-Branche den Verlust von Arbeitsplätzen im Einzelhandel in den vergangenen Jahren kompensiert hat. Die US-Post USPS dürfte von Amazon eher profitieren, weil der Online-Handel den Paketversand boomen lässt. Allerdings: Amazon nutzt bis zur „letzten Meile“ eine eigene Versand-Infrastruktur und lässt nur die Übergabe an den Kunden von USPS besorgen.

Nach Ansicht vieler Experten haben Amazon und andere Online-Händler einen riesigen Einfluss auf den Einzelhandel in den USA. Studien gehen davon aus, dass in diesem Jahr 8000 Läden schließen müssen. Zuletzt hatte der Spielzeug- und Kinderausstattungs-Händler Toys R Us Insolvenz anmelden müssen und 800 Filialen geschlossen - Amazon ist ein direkter Wettbewerber.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, hatte am Mittwoch erklärt, die Trump-Regierung erwäge hinsichtlich Amazon keinen politischen Kurswechsel. Allerdings strebe der Präsident an, gleiche Bedingungen für alle Wettbewerber zu schaffen.

Trump hatte Amazon bereits im Wahlkampf wiederholt kritisiert und mit einer „Internetsteuer“ gedroht. Die „Washington Post“ sei lediglich ein Vehikel, mit deren Verlusten Bezos die Gewinne von Amazon klein halte, um Steuern zu sparen, hatte Trump im Dezember 2015 erklärt. Somit fungiere die Zeitung als „Steuerschlupfloch“. Im vergangenen Jahr stellte Trump die Frage: „Wird die Fake-News 'Washington Post' als Lobbyismus-Waffe gegen den Kongress benutzt, um die Politiker davon abzuhalten, sich das Steuer-Monopol von Amazon anzusehen?“

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