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Simulierte Europawahl

„U18“-Wahlen machen Demokratie erfahrbar

Haan Kreuzchen-machen wie die Großen: Im Rahmen des „U18“-Projekts simulieren Schüler die Europawahl. Über diese, die Parteien und ihre Programme haben sie zuvor wochenlang im Unterricht gesprochen.

„U18“-Wahlen machen Demokratie erfahrbar

Anja hat sich schon entschieden, wo sie gleich ihr Kreuzchen machen wird. Wie ihre Eltern in gut einer Woche wählt die Zwölfjährige am Freitag eine der Parteien, die zur Europawahl antreten. Das Städtische Gymnasium Haan in Nordrhein-Westfalen, an dem Anja die 6a besucht, nimmt an der bundesweiten „U18-Europawahl“ teil. Dabei wird die Wahl für Kinder und Jugendliche simuliert: komplett mit Wahllokalen, -zetteln und -urnen. In Anjas Schule wirkt das Wahllokal im Foyer besonders echt: Die Stadt Haan hat jene Urnen zur Verfügung gestellt, die am 25. Mai ebenfalls im Einsatz sind. „U18“-Wahlen gibt es in Deutschland seit 1996. In den ersten Jahren noch auf Berlin beschränkt, finden seit der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 im gesamten Bundesgebiet solche Wahlsimulationen statt. Organisiert wird die Aktion vom Deutschen Bundesjugendring gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt. Bei der Bundestagswahl im September 2013 nahmen nach Angaben der Veranstalter knapp 200 000 Kinder und Jugendliche in über 1500 Wahllokalen teil.

Ein ähnliches Projekt ist die „Juniorwahl“. Dabei können Schüler in bundesweit an mehr als 900 Schulen vor der EU-Wahl abstimmen. Die „U18“-Wahl gibt es in diesem Jahr erstmals zur Europawahl. Knapp 400 Schulen und Jugendeinrichtungen nehmen bundesweit teil, 40 davon in Nordrhein-Westfalen. „In den Freizeiteinrichtungen finden in der Regel im Vorfeld Infoveranstaltungen statt, in den Schulen wird die Wahl im Unterricht durchgenommen“, sagt Meike Achtel, die das Projekt für den Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt koordiniert. Auch in Haan war die Wahl in den vergangenen Wochen Thema im Unterricht. Das Städtische Gymnasium darf sich seit vergangenem Jahr offiziell „Europaschule“ nennen. Das Thema wurde in mehreren Fächern besprochen, im Foyer lagen die Wahlprogramme aller Parteien aus. Für die älteren Schüler gab es eine Podiumsdiskussion. Am Freitag hat jede Klasse zehn Minuten Zeit für die Stimmabgabe.

Teilnehmen dürfen bei der „U18“-Wahl alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren - egal, welchen Pass sie haben. Eine Altersbegrenzung nach unten gibt es nicht. „Natürlich kann man fragen, ob ein Fünft- oder Sechstklässler so ein Parteiprogramm schon durchblickt“, sagt David Butz. Der Lehrer für Englisch und Geschichte hat die U18-Wahl organisiert. Aber es gehe vor allem um das Erleben von Demokratie und des Wahlaktes an sich. Dass manche junge Menschen sogar politisch interessierter sind als viele Erwachsene, zeigt sich mehrfach an diesem Morgen. Anjas Klassenkamerad Philip findet interessant, „wie das mit dem Euro funktioniert“. Anja selbst kann sich sogar vorstellen, später mal in der Politik zu arbeiten. „Aber nicht als Star“, sagt sie. Ein Job in der zweiten Reihe wäre ihr lieber. Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen hält die Schülerin Europa für wichtig. „Wenn zum Beispiel irgendwo in Europa ein Krieg ausbricht, kann sich das ganz schnell ausbreiten.“ Um 18 Uhr, wie bei der „echten“ Wahl, schließen die Wahllokale am Städtischen Gymnasium Haan. Und rund vier Stunden später gibt es auch ein vorläufiges Endergebnis: Gewonnen hat die Union - mit 24,1 Prozent vor den Grünen (19 Prozent) und der SPD (18,8 Prozent).

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