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UN-Atombehörde: Hinweise auf Atomprogramm Syriens

Wien (dpa) Nach dem Iran gerät nun auch Syrien zunehmend ins Fadenkreuz von Ermittlern der UN-Atombehörde IAEA. IAEA-Inspekteure fanden in der syrischen Wüste bei al Kibar Indizien für einen möglichen Atomreaktor. Das Gebäude war im September 2007 von israelischen Kampfjets zerstört worden.

UN-Atombehörde: Hinweise auf Atomprogramm Syriens

UN-Inspekteure haben bei der Untersuchung dieses 2007 von Israel bombardierten Baugeländes in der syrischen Wüste Hinweise auf ein mögliches Atomprogramm gefunden.

Nach zwei am Mittwoch in Wien bekanntgewordenen Berichten von IAEA-Generaldirektor Mohammed el Baradei hat Teheran in den vergangenen drei Monaten seine umstrittenen Bemühungen um die industrielle Anreicherung von Uran ungeachtet aller UN-Resolutionen und -Sanktionen fortgesetzt.

Wie aus dem vertraulichen Bericht für den UN-Sicherheitsrat und die IAEA-Mitgliedsländer hervorgeht, haben Techniker im iranischen Atomzentrum Natans inzwischen rund 6000 Gaszentrifugen aufgebaut, in denen Uran angereichert werden kann. 3800 Zentrifugen seien inzwischen einsatzfähig. Seit der Wiederaufnahme der Aktivitäten in Natans habe Teheran rund zwei Tonnen Uran angereichert. Der UN- Sicherheitsrat hat den Iran in den vergangenen zwei Jahren in vier Resolutionen aufgefordert, alle Teile seines jahrzehntelang geheimen Atomprogramms vorläufig zu stoppen, die auch dem Bau von Atomwaffen dienen könnten.

Im jüngsten Baradei-Report heißt es dazu, Inspekteure der Atombehörde hätten in den vergangenen Monaten wiederum nicht klären können, ob Teheran ein Programm zum heimlichen Bau von Atomwaffen habe. Es gebe praktisch keine Kommunikation zwischen beiden Seiten mehr. Die iranische Regierung hat stets bekräftigt, Atomforschung ausschließlich für friedliche Zwecke zu betreiben. Teheran weigerte sich auch in den vergangenen drei Monaten, Nachforschungen der IAEA in dieser Frage zu unterstützen.

Auch Syrien hat IAEA-Inspekteure bei der Suche nach Spuren eines heimlichen Atomprogramms in den vergangenen Monaten nur teilweise unterstützt. Zwar konnten die Experten auf dem Gelände bei al Kibar, auf dem bis September 2007 der Rohbau eines möglicherweise geplanten Reaktors stand, Proben nehmen. Damaskus weigerte sich jedoch bisher, der Atombehörde die Originalbaupläne zu übergeben. Die IAEA-Techniker entdeckten bei ihren Untersuchungen auf dem Gelände dem Report zufolge Uranpartikel, die chemisch verändert worden seien. Satellitenaufnahmen von dem Gelände vor dem israelischen Luftangriff und nach der Zerstörung ließen außerdem erkennen, dass es sich bei dem Komplex tatsächlich um den Rohbau eines Reaktors gehandelt haben könnte.

Syrien hat alle Beschuldigungen der USA und Israels zurückgewiesen. In Damaskus wurde betont, die Uranpartikel hätten von israelischen Raketen stammen können, die die Kampfflugzeuge auf das Gebäude abfeuerten. In dem Bericht El Baradeis heißt es, nach der Zerstörung des Gebäudes seien auf dem Gelände ungewöhnlich intensive Aufräumungs- und Erdbewegungsarbeiten registriert worden. Aussagen der Syrer, wonach in dem Gebiet weder genügend Wasser noch Elektrizität für einen Reaktor vorhanden wären, werden in dem IAEA-Bericht angezweifelt.

Westliche Mitgliedsländer der IAEA erwägen inzwischen, Syrien Mittel für die technischen Zusammenarbeit für die friedliche Nutzung der Kernenergie zu streichen oder zu kürzen, falls sich der Verdacht der USA oder Israels in Hinblick auf ein heimliches Atomprogramm bestätigen sollte. El Baradei fordert Syrien in seinem Bericht deshalb auf, der IAEA alle relevanten Dokumente zur Verfügung zu stellen, um die Vorwürfe zu entkräften.

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