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US-Raumsonde stößt auf Wasser im Marsboden

Washington (dpa) Großer Erfolg für die Raumsonde «Phoenix» und ein Meilenstein in der Mars-Forschung: US-Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals Wasser aus dem Boden des Roten Planeten geholt. Der Fund liefert den endgültigen Beweis für die Existenz von Wasser auf dem Mars.

US-Raumsonde stößt auf Wasser im Marsboden

US-Wissenschaftler haben bestätigt, dass es Wasser auf dem Mars gibt.

Zuvor hatte es zahlreiche indirekte Belege dafür gegeben. Wasser gilt als unverzichtbare Voraussetzung für jede Form von Leben, wie wir es kennen. Indizien für die Existenz von Leben auf dem Roten Planeten hat «Phoenix» aber nicht gefunden.

Wissenschaftler der US-Weltraumbehörde NASA berichteten, im Labor der Raumsonde sei beim Erhitzen gefrorener Bodenproben Wasserdampf entstanden und nachgewiesen worden. «Wir haben Wasser», bestätigte Prof. William Boynton von der Universität Arizona am Donnerstag (Ortszeit) bei einer NASA-Pressekonferenz.

«Diese Entdeckung ist der erste experimentelle Nachweis, dass es Wasser auf dem Mars gibt», erläuterte der Leiter des Berliner Instituts für Planetenforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Tilmann Spohn. «Wir waren zwar sicher, dass es Wasser geben muss, konnten das bisher aber nur indirekt belegen. So gab es zum Beispiel Flusstäler, aber es war eben nichts drin», sagte Spohn, dessen Institut nicht an dieser Marsmission beteiligt ist.

«Dies ist das erste Mal, dass wir Wasser auf dem Mars berührt und geschmeckt haben», sagte Bonyton. Das Eis sei bei null Grad Celsius geschmolzen, Sensoren des Labors hätten die «bekannte chemische Verbindung» von «H20» nachgewiesen. Der 2,4 Meter lange Roboterarm von «Phoenix» hatte die gefrorene Bodenprobe am Nordpol des Roten Planeten gesammelt. Die Bodenprobe sei aus einer etwa fünf Zentimeter tiefen Rinne entnommen worden, die der Roboterarm zuvor gegraben hatte. Die «Phoenix»-Mission, deren Kosten auf rund 420 Millionen Dollar (knapp 310 Millionen Euro) beziffert werden, sei derart erfolgreich, dass sie um zwei weitere Monate bis Ende September verlängert werden soll, gab die NASA weiter bekannt.

Deutsche Forscher begrüßten den Erfolg von «Phoenix», die mit einer deutschen Kamera zum Aufspüren der Bodenproben ausgerüstet ist. «Es ist sehr schön, den endgültigen Beweis zu haben», sagte Ulrich R. Christensen vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau, wo die Kamera gebaut wurde. Jetzt stelle sich «die nächste große Frage», ob es auch flüssiges Wasser auf dem Mars gibt, wie Leben es benötigt. Möglicherweise ließen sich in den Proben sogar organische Substanzen nachweisen. «Im größtem Glücksfall finden wir einen direkten Hinweis auf Leben», hofft der Wissenschaftler.

«Man vermutet, dass es zumindest einmal primitives Leben auf dem Mars gegeben hat, bevor die Atmosphäre weitgehend verschwunden ist und der Mars so wurde, wie wir ihn kennen», erläuterte Spohn. «Falls es in größeren Tiefen noch flüssiges Wasser gibt, könnte es dort also auch Bakterien geben.» In Europa werde derzeit die Mission «ExoMars» vorbereitet, die in einigen Jahren mit einem kleinen Fahrzeug gezielt nach Lebensspuren suchen wird.

Die US-Sonde «Phoenix» war am 26. Mai nach einer 680 Millionen Kilometer langen Reise gelandet. Bereits die weiche Bilderbuchlandung der dreibeinigen, rund 400 Kilogramm schweren Sonde war ein Erfolg, nachdem in der Vergangenheit mehrere Sonden beim Niedergehen auf dem Mars zerschellt waren. Hauptaufgabe der Sonde war es von Anfang an, nach Spuren von Wasser zu suchen.

Anfangs hatte die Sonde allerdings mit Schwierigkeiten zu kämpfen: So konnte zunächst der Roboterarm nicht in Gang gesetzt werden. Später waren die gesammelten Bodenproben zu verklumpt, um den Weg in den Miniaturofen des Labors zu finden. Wiederholt schalteten die NASA-Wissenschaftler einen Vibrator ein, der die Probe zerteilen und zerkleinern sollte - etwa so, wie Kinder Sand durch ein Sieb schütteln. Dann hatte noch einer Öfen, in denen die gefrorenen Proben erwärmt werden, einen Kurzschluss.

Die Expedition hat jetzt noch wichtige Frage zu klären: Vor allem, ob das Eis nahe der Marsoberfläche regelmäßig schmilzt. Das würde einen Lebensraum für Mikroorganismen ermöglichen. Zu klären ist auch, ob der Boden lediglich wenige Zentimeter oder möglicherweise mehr als einen halben Meter tief friert.

Zugleich erhoffen sich die Forscher weitere Erkenntnisse über den Klimawandel auf dem Roten Planeten. Sie wollen klären, warum aus dem einst feuchten und warmen Mars ein weitgehend kalter Planet wurde. Die Temperaturen auf dem Mars schwanken heute zwischen minus 125 und plus 35 Grad Celsius.

Internet: www.nasa.gov/phoenix

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