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Über und unter den Wolken - Neue Technik für Modellflieger

Hamburg (dpa/tmn) Lange Zeit war Modellfliegerei ein teures Hobby für Spezialisten. Nun gibt es Einsteigermodelle zu vernünftigen Preisen. Doch so grenzenlos wie bei Reinhard Mey ist die Freiheit über (und auch unter) den Wolken ganz und gar nicht.

Über und unter den Wolken - Neue Technik für Modellflieger

Im Schwebezustand: Sogenannte Quadrocopter können in der Luft stehenbleiben und sind deshalb vor allem für Anfänger geeignet. Foto: DMFV/RC-Flight-Control

Smartphones, WLAN und GPS haben den Alltag leichter gemacht. Sogar für Modellflieger sind sie ein Segen: War früher teure Funktechnik zur Steuerung von Flugzeugen und Hubschraubern nötig, reichen heute theoretisch ein Smartphone oder Tablet mit WLAN-Verbindung. Auch beim Fluggerät selbst hat sich viel getan. Die Objekte können sich inzwischen selbstständig ihren Weg suchen oder sogar Fotos und Videos aufnehmen.

Die neuen Möglichkeiten hätten die Modellfliegerei nachhaltig verändert, sagt Tom Wellhausen vom Deutschen Modellflieger Verband (DMFV). «Früher stand meistens das Zusammenbauen des Fluggeräts im Vordergrund. Heute kann man die Modelle oft schon fertig kaufen, die Herausforderung liegt dann in der Integration zusätzlicher Hardware.» Schon ein paar Sensoren geben Bodenpiloten dabei zahlreiche neue Möglichkeiten. Im Idealfall übertragen sie aufgezeichnete Daten direkt auf die Fernsteuerung und zeigen dabei zum Beispiel an, ob der Flieger gerade steigt oder sinkt. Sehr praktisch, findet Wellhausen: «Mit bloßem Auge ist das oft nur schwer zu erkennen.»

Noch aufregender wird es, wenn Flugzeuge oder Hubschrauber eine Kamera an Bord haben. Die macht Fotos oder Videos aus luftiger Höhe, in Verbindung mit einem GPS-Sensor setzen sie Modellfliegern auch für Wettbewerbe ein. Die damit ausgestatteten Maschinen müssen selbstständig bestimmte Punkte ansteuern und dort Beweisfotos machen. Eine Videokamera im Modellflugzeug oder -hubschrauber kann ihre Bilder aber auch auf die Videobrille des Piloten übertragen. Experten sprechen dann vom FPV-Fliegen, FPV steht für First Person View.

Wie spektakulär das aussehen kann, zeigt der Schweizer Modellflieger Raphael Pirker unter dem Pseudonym Trappy auf seinem Kanal bei der Videoplattform Vimeo. Zur Nachahmung sind die wilden Flüge, zum Beispiel über New York, allerdings nur bedingt zu empfehlen. Außerdem gilt beim FPV-Fliegen eine wichtige Regel: Neben dem Piloten muss es immer eine Art Copiloten, einen Begleiter ohne Brille geben, der das Kommando übernimmt, wenn der Steuermann zum Beispiel ein Hindernis übersieht.

Das ist nicht die einzige Regel, die Modellflieger befolgen müssen. Zwar reicht nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) zur Starterlaubnis ein freies Feld und eine Erlaubnis des Grundbesitzers. Doch zwei Ausnahmen verkomplizieren das Abheben.

Wird das Modellflugzeug nicht privat, sondern gewerblich genutzt, darf es nur mit entsprechender Genehmigung abheben. Das gilt zum Beispiel auch dann, wenn jemand seine in der Luft gemachten Fotos verkaufen will. Und auch in der Nähe von Verkehrsflughäfen und Naturschutzgebieten ist die Modellfliegerei genehmigungspflichtig - so ist zum Beispiel das gesamte Berliner Stadtgebiet eine sogenannte Flughafenschutzzone. Wer es genauer wissen will, erkundigt sich am besten bei einem örtlichen Modellflugverein oder sendet eine Mail an die Abteilung für sonstige Aktivitäten der DFS: bnl@dfs.de.

Wer sich von solchen Regeln nicht abschrecken lässt, kann inzwischen mit relativ wenig Geld ins Modellfliegen hineinschnuppern. «Der Einstieg für Quadro- oder Multicopter beginnt bei 300 Euro», sagt Verbandssprecher Wellhausen. Diese Flieger sind eine eigene Gruppe innerhalb des Modellsports. Das Besondere daran: Dank einer speziellen Stabilisierungselektronik und drei oder mehr Rotoren bleiben sie ohne Steuerbefehl förmlich in der Luft stehen, das senkt vor allem bei unerfahrenen Piloten das Absturzrisiko. Die Steuerung läuft mit Smartphone- oder Tablet-Apps über WLAN.

Das WLAN-Signal ist allerdings deutlich schwächer als das klassische Funksignal im Modellsport, mehr als 50 Meter Reichweite sind mit günstigen Multicoptern meist nicht möglich. Wem das nicht reicht, der sollte für ein Modellflugzeug mit hochwertigem Funksender etwa 700 bis 800 Euro einplanen. Billiggeräte bekommen Käufer eines günstigen Multicopters aber nicht, sagt Wellhausen: «Die funktionieren in der Regel sehr gut und sind außerdem recht robust.»

Hier geht's zum Vimeo-Kanal von Modellflieger Trappy

Übersicht mit Ansprechpartnern beim DMFV

Übersicht mit Ansprechpartnern bei der DFS

Wer Flugzeuge oder Multicopter mit eingebauter Kamera aufsteigen lässt, darf nicht wild drauflosknipsen und zum Beispiel die Persönlichkeitsrechte anderer verletzen. Denn jeder Mensch hat ein Recht am eigenen Bild. «Da gelten selbstverständlich die gleichen Regeln wie sonst auch», sagt Tom Wellhausen vom Deutschen Modellflieger Verband. Auch Aufnahmen von Privatgrundstücken oder das Hineinfotografieren in Wohnungen oder Häuser ist tabu.

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