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Ungarn weist Kritik von Elie Wiesel zurück

Budapest (dpa) Ungarns Parlamentspräsident Laszlo Köver hat die Kritik des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel an der Ehrung von Persönlichkeiten aus der Nazi-Zeit in seinem Land zurückgewiesen.

In einem Brief an den Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden zog Köver zudem Parallelen zum «jüdischstämmigen ungarischen Philosophen» György Lukacs (1885-1971), der weiter Anerkennung genieße, obwohl er «bolschewistischer Kommissar» gewesen sei. Das berichtete die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI am Samstag.

Wiesel hatte kürzlich aus Protest gegen den staatlich geförderten Kult um Politiker der autoritären bis faschistischen Regime Ungarns vor Ende des Zweiten Weltkriegs den ungarischen Verdienstorden zurückgeben. Die Auszeichnung war ihm 2004 zugesprochen worden.

Als Anlass für die Rückgabe nahm Wiesel die Teilnahme Kövers an einer Gedenkfeier für den rechtsextremen Autor und Politiker Jozsef Nyirö (1889-1953). Das habe ihn empört, schrieb Wiesel dem Parlamentspräsidenten. Zudem beklagte er, dass Straßen nach Hitlers ungarischem Verbündeten, Reichsverweser Miklos Horthy (1868-1957), benannt und rechtsextreme Autoren aus der Nazi-Zeit als Pflichtthemen in den Schulunterricht eingeführt würden.

In seiner Antwort an Wiesel schrieb Köver, das Nyirö «kein Kriegsverbrecher, kein Faschist» gewesen sei. Dafür gebe es in dessen literarischem Werk keinen Beleg. Nyirö werde nicht als Politiker verehrt, sondern als Künstler. Das Holocaust-Museum in Washington zitierte allerdings jüngst antisemitische Teile aus Nyirös Parlamentsreden.

Nyirö, ein Blut-und-Boden-Literat und bekennender Rassist, war von 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Abgeordneter im ungarischen Parlament. Dort vertrat er einen Teil Siebenbürgens, das damals zu Ungarn gehörte und nach dem Krieg Rumänien zugeschlagen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh er in das Spanien der Franco-Diktatur, wo er starb.

Ungarns Parlament hatte unter Führung Kövers die Umbettung der Urne Nyirös aus Spanien in dessen Heimat in Rumänien geplant. Nach einem Verbot durch die rumänischen Behörden wurde die Bestattung abgesagt. Stattdessen kam es zu einer Gedenkfeier im Beisein Kövers. Der Fall sorgt weiter für Verstimmungen zwischen den Nachbarländer. Ungarn werde sich dafür bei den Rumänen nicht entschuldigen, bekräftigte Außenminister Janos Martonyi am Freitag in Budapest.

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