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Untergegangene Mittelalter-Ortschaft entdeckt

Holzminden (dpa) Bei der Ausgrabung einer Kirchenruine in einem Wald bei Neuhaus im Solling (Niedersachsen) haben 30 Archäologen die im Mittelalter untergegangene Ortschaft Winnefeld entdeckt.

«Nach unseren Untersuchungen muss das ein Ort von 1,7 Kilometer Länge gewesen sein. Göttingen war zu der Zeit nur 500 Meter lang», sagte der Archäologe Prof. Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther- Universität Halle bei einer Führung über die Ausgrabungsflächen. Die Wissenschaftler wollen jetzt herausfinden, was zum Untergang von Winnefeld geführt hat. Vermutet wird ein verheerendes Hochwasser oder ein Überfall böhmischer Truppen.

«Wir wissen, dass es im Juli 1342 in der Region eine flächendeckende Überschwemmung gab, bei der heute kleine Bäche enorme Kerben in das Oberflächenrelief gerissen haben. Wenn da der Ackerboden mit wegschwamm, mussten die Leute fortziehen, um nicht zu verhungern», sagte Stephan. Bei dem Hochwasser seien auch große Teile der Siedlung weggerissen worden. «Wir fanden Bauschutt zusammen mit Resten von Hausrat in den vom Wasser ausgewaschenen heute trockenen Vertiefungen.»

«Falls unsere Theorie vom großen Wasser sich nicht beweisen lässt, werden wir Spuren großer Brände in der Siedlung nachgehen», erläuterte Stephan. Diese könnten auch von einer großen Feuersbrunst stammen. Nach der Fehde zwischen Soest und Köln 1447 hätten die vom Kölner Erzbischof angeheuerten böhmischen Truppen ohne Beute aus Soest abziehen müssen. Es sei deshalb durchaus auch möglich, dass der Ort dabei angezündet wurde und endgültig unterging.

Die jetzt ausgegrabene Kirche entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Mauern sind über einen Meter dick, und um das Gebäude und Teile der jetzt gefundenen Siedlung und des Friedhofs gab es einen Schutzwall und einen Graben. «Das alles hat die Bewohner nicht beschützt», berichtete der Archäologe. Ausgeglühte Eisenbeschläge von Türen und Fenstern, zerschlagene Gefäße und Reste einer geschmolzenen Glocke weisen auf ein Feuer hin. In den kommenden sechs Wochen wollen die Archäologen und ihre Helfer versuchen, dem 600 Jahre unter dichtem Wald verborgenen Ort sämtliche Geheimnisse zu entlocken.

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