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Unwetter und eine musikalische Sternstunde

Bayreuth (dpa) Im Bayreuther Festspielhaus senkt sich zum Abschluss des Premierenreigens an diesem Samstag die «Götterdämmerung» herab; rund um das Festspielhaus aber kann davon keine Rede sein, im Gegenteil.

Unwetter und eine musikalische Sternstunde

Fafner (Hans-Peter König) und Siegfried (Stephen Gould) (Foto: Bayreuther Festpiele/Enrico Nawrath)

«Aufbruchstimmung», «neue Offenheit», «frischer Wind» - solche Begriffe sind in diesen Tagen am «Grünen Hügel» oft zu hören. Die 97. Richard-Wagner-Festspiele stehen ganz im Zeichen des unmittelbar bevorstehenden Machtwechsels.

Mehr als ein «frischer Wind» brauste allerdings am Donnerstag um den «Grünen Hügel» - ein veritables Unwetter ging nieder, als die Wagner-Liebhaber gerade auf dem Weg zur Wiederaufnahme von «Siegfried» waren, dem dritten Teil von Richard Wagners Monumentalwerk «Der Ring des Nibelungen». Die Regenfluten machten es einem Teil von ihnen unmöglich, rechtzeitig ins Festspielhaus zu gelangen.

Ein Sprecher trat vor den Vorhang und verkündete, dass sich der Beginn um zehn Minuten verzögern werde - bei den strengen Sitten in Bayreuth durchaus ungewöhnlich. Noch in letzter Sekunde drängten durchnässte Besucher zu ihren Sitzen. Das Wasser drang auch ins Festspielhaus ein und überschwemmte einige Bereiche kurzzeitig. Die Aufführung war aber nicht gefährdet.

Als alle längst wieder trocken waren, sorgten Stephen Gould in der Titelrolle und Linda Watson als Brünnhilde für eine musikalische Sternstunde. Mit höchster Intensität und sängerischer Brillanz gestalteten sie den großen Liebesgesang des dritten Aktes. Ovationen des Publikums waren der Dank, der auch das Festspielorchester unter Christian Thielemann für eine transparente und genaue Darbietung einschloss. In den weiteren Rollen überzeugten in der Inszenierung von Tankred Dorst auch Gerhard Siegel als Mime, Albert Dohmen als Wanderer, Andrew Shore als Alberich, Hans-Peter König als Fafner und Christa Mayer als Erda.

Hinter den Kulissen aber wird kräftig an der Nachfolgelösung für Festspielchef Wolfgang Wagner gearbeitet, der 89-jährig Ende August abtritt. Beteiligte gehen davon aus, dass der Stiftungsrat bereits bei seiner Sitzung am 1. September Wagners Töchter Eva Wagner- Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) als Nachfolgerinnen installieren wird.

Als Architekt dieser Regelung gilt der Vorsitzende der «Gesellschaft der Freunde von Bayreuth», Karl Gerhard Schmidt. Er wirbt nun massiv für die schwesterliche Doppelspitze. Angetan hat es ihm besonders das «außerordentliche Organisationstalent» von Katharina Wagner. Mit der Live-Übertragung der «Meistersinger»- Aufführung auf den Bayreuther Festplatz und ins Internet hat die 30- Jährige das Tor zu neuen Vermarktungsformen weit aufgestoßen.

Als einzige der Bewerberinnen bietet sie dank ihrer Jugend auch eine längerfristige Perspektive, denn der Handlungsspielraum einer neuen Festspielleitung ist zunächst begrenzt. Die Planungen bis 2015 stehen. Erst für die Zeit danach wird Eva Wagner-Pasquier eigene Akzente setzen können - sie ist dann aber bereits 71 Jahre alt. Das gilt ebenso für Cousine Nike Wagner (63), die die Hoffnung auf den Bayreuth-Thron noch nicht ganz aufgegeben zu haben scheint.

Katharina Wagner dagegen hat sich als «Tristan»-Regisseurin 2015 pikanterweise bereits eine Bayreuther Perspektive gesichert für den Fall, dass sie nicht Chefin werden sollte. Unwahrscheinlich ist durch diese Festlegung aber geworden, dass sie 2013 - zum 200. Geburtstag Richard Wagners - auch den geplanten neuen «Ring» inszenieren wird.

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