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VW verordnet sich grundlegenden Konzernumbau

Stuttgart/Wolfsburg (dpa) Mit einem umfassenden Umbau des VW-Konzerns will Vorstandschef Martin Winterkorn Strukturprobleme bei Europas größtem Autobauer beseitigen. Mit der Neuaufstellung sollen Schlagkraft und Tempo auf dem Weg an die Weltspitze vorangetrieben werden.

VW verordnet sich grundlegenden Konzernumbau

VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn (rechts) im Gespräch mit Audi-Chef Rupert Stadler. Foto: Daniel Reinhardt

Volkswagen wertet dafür unter anderem sein China-Geschäft kräftig auf, ordnet seine Lastwagensparte neu und besetzt den Audi-Vorstand um. Zahlreiche Schlüsselpositionen bei vielen Marken werden neu besetzt, insgesamt geht es um mehr als 30 Positionen.

Winterkorn verspricht sich vom größten Personalumbau im Top-Management in der VW-Geschichte eine bessere Vernetzung der inzwischen elf Konzernmarken sowie zusätzliche Wachstumschancen. Vor allem die Lkw-Allianz aus den Töchtern MAN und Scania war in den vergangenen Monaten nicht vorangekommen. Die Nobelmarke Audi hatte nicht so stark zum Rivalen BMW aufgeholt wie erhofft.

«Der Volkswagen Konzern hat nun mehr denn je die richtigen Personen auf den richtigen Positionen, um die Strategie 2018 zum Erfolg zu führen», sagte Winterkorn am Samstag in Stuttgart. VW gebe mit dem Umbau seiner «Strategie 2018 zusätzliche Schubkraft». Bis 2018 will VW der weltweit größte Autokonzern werden. Derzeit liegt das Unternehmen auf Platz drei hinter General Motors und Toyota.

Winterkorn verwies auch auf das schwierige Marktumfeld. So ist in Westeuropa der Gesamtmarkt auch vor dem Hintergrund der Schuldenkrise zurückgegangen, in China droht eine merkliche Abkühlung des Booms. Der Umbau sei die «richtige Antwort» auf die gestiegenen Anforderungen, sagte Winterkorn. Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers unter Vorsitz von VW-Patriarch Ferdinand Piëch hatte den Plänen zuvor zugestimmt. Piëch ist auch Aufsichtsratschef bei der Tochter MAN.

Ein Hauptpunkt des Umbaus betrifft das wichtige China-Geschäft - China ist der wichtigste Einzelmarkt von VW. Der bisher für das Nutzfahrzeuggeschäft zuständige Vorstand Jochem Heizmann übernimmt ein neu geschaffenes China-Ressort im Konzernvorstand.

Im Konzern war man mit der Rolle Heizmanns als Lkw-Vorstand nicht mehr zufrieden, wie es intern hieß. Die Zusammenarbeit zwischen den Töchtern Scania und MAN verlief bisher eher zäh. Neuer starker Mann im Lkw-Geschäft im Konzern wird der bisherige Chef der schwedischen Tochter Scania, Leif Östling. Er wechselt in den VW-Vorstand, wird dort das gesamte Nutzfahrzeuggeschäft verantworten und soll die Allianz voranbringen. Um Platz für Östling zu schaffen, wurde Heizmann nach China beordert. Neuer Scania-Chef wird der bisherige Verkaufsvorstand Martin Lundstedt.

Die Folge dieser Personalrochade bedeutet allerdings einen bitteren Abgang für den bisherigen China-Chef Karl-Thomas Neumann. Für den 51-jährigen solle eine neue Aufgabe im Konzern gesucht werden, sagte Winterkorn. Allerdings deutet sich ein baldiger Abschied Neumanns von VW an. Dem früheren Conti-Chef Neumann wurde der Job des Chefentwicklers bei der tschechischen Tochter Skoda angeboten, wie es in Konzernkreisen hieß. Ob Neumann zu Skoda geht, ist aber mehr als fraglich. Das Verhältnis zwischen Neumann und Wolfsburg galt zuletzt als gestört.

Bei der Lkw-Allianz - dem zweiten Schwerpunkt des Konzernumbaus - galt bisher als ein Haupthindernis das schwierige Klima zwischen Scania und MAN - MAN wollte als damals noch eigenständiges Unternehmen 2006 einst Scania übernehmen. Östling als neuer Lkw-Chef soll die Allianz nun neu beleben. «Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir Synergien heben wollen», sagte Winterkorn. Der VW-Chef räumte ein, dass Östling als Scania-Chef eine enge Zusammenarbeit mit MAN eher skeptisch beurteilt habe. Dies habe sich aber geändert.

Zugleich wird die VW-Sparte Nutzfahrzeuge mit Sitz in Hannover künftig dem Konzern-Geschäftsbereich zugeordnet. Die Lage auf den Lkw-Märkten weltweit ist derzeit schwierig - dies verstärkte den Druck auf VW, die Lkw-Allianz voranzubringen.

Eine Aufwertung seiner Position erfährt MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen. Er zieht in die Konzernleitung, den erweiterten Vorstand, ein und wird dort das Industriegeschäft mit Motoren konzernweit koordinieren. Zudem werden wichtige Posten bei MAN neu besetzt. Der bisherige Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen wird neuer Einkaufschef bei dem Münchner Lastwagenbauer. Der VW-Personalmanager Jochen Schumm wird neuer Personalchef und löst Jörg Schwitalla ab.

Auch die VW-Sparte Nutzfahrzeuge bekommt einen neuen Chef, den Posten übernimmt der bisherige Skoda-Entwicklungschef Eckard Scholz. Er löst Wolfgang Schreiber, der künftig Chef der Luxusmarken Bentley und Bugatti wird.

Er wird damit Nachfolger von Wolfgang Dürheimer. Dieser wiederum wechselt zu Audi - dies betrifft den dritten Schwerpunkt des Konzernumbaus. Audi ist die Ertragsperle im Konzern, hinkt aber BMW hinterher.

Dürheimer wird im Audi-Vorstand Technischer Entwicklungschef. Aus Wolfsburg schickt Winterkorn den bisherigen VW-Marketingchef Luca de Meo als neuen Audi-Marketingchef nach Ingolstadt. Der bisherige Audi-Vertriebschef Peter Schwarzenbauer verlässt den Konzern. Zudem übernimmt Bernd Martens, derzeit im Konzern im Einkauf für neue Produktanläufe zuständig, bei Audi das Vorstandsressort Beschaffung.

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