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Nachruf

"Vater des MDR" Udo Reiter ist tot

Berlin Udo Reiter war einer der großen Medienmanager. Er war Gründungsvater des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und verhalf dem langjährige "Wetten, dass..?"-Moderator Thomas Gottschalk zu seiner Karriere. Nun ist der "ewige Intendant" gestorben - mit 70 Jahren. Die Polizei schließt einen Selbstmord nicht aus.

"Vater des MDR" Udo Reiter ist tot

Udo Reiter ist tot. Foto: Marc Tirl

Reiter war 20 Jahre lang Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, der Dreiländer-Anstalt von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Seine unbestrittene Leistung ist der Aufbau des Rundfunks in den neuen Ländern, auch die hohe Publikumsakzeptanz, die sich der MDR mit populären Programmbeiträgen schuf. Die Branche achtete Reiter als einen Medienmanager, der aufgrund seiner leitenden redaktionellen Funktionen wie vorher beim Bayerischen Rundfunk (BR) ein gutes Gespür für das richtige Programm hatte. Im November 2011 trat Reiter in den Ruhestand.

Seinen letzten großen Auftritt, der bundesweit Beachtung fand, hatte Udo Reiter im vergangenen Januar bei Günther Jauch. In der ARD-Talkshow saß der Medienmanager von einst in einer Runde zum Thema "Mein Tod gehört mir! Gibt es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? "  und diskutierte über ganz andere Inhalte als zu seiner Intendantenzeit.

Reiter brachte den MDR auf den Weg Die Nachricht vom Tod des 70-Jährigen, der 17 Jahre Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) war, kam wenige Stunden, bevor in Leipzig am Freitagabend zum 20. Mal die Gala der Goldenen Henne, dem ostdeutschen Medienpreis, beginnen sollte. Der Mitteldeutsche Rundfunk, dessen Gründungsintendant Reiter 1991 wurde, gehört neben dem Rundfunk Berlin-Brandenburg und der Zeitschrift "Super Illu" zu den Organisatoren der Verleihung. Mit Reiter starb also auch einer der Wegbereiter dieses Medienpreises.

Während seiner Amtszeit hatte Reiter auch unangenehme Aufgaben zu bewältigen. Er musste den MDR auf Stasi-belastete Mitarbeiter überprüfen. "Es gab üble Typen, mit denen man nichts mehr zu tun haben wollte, aber auch Leute, die durch menschliche Verstrickungen hineingerutscht waren", sagte Reiter einst. "Das tat einem natürlich leid, aber der Hof war wichtiger als die Bauern." Viel beachtet waren auch seine Spekulationen mit der Anschubfinanzierung von 560 Millionen Mark, die er in Moskauer Stadt- und argentinische Staatsanleihen investierte und fast verdoppelte. Mit Anleihen aus Südamerika hatte der Sender später weniger Glück, aber in deutlich geringerem Volumen."Entdecker" von Thomas Gottschalk

In Reiters Ära fielen jedoch auch Skandale. So wurde der damalige MDR-Sportchef Wilfried Mohren 2005 wegen Bestechlichkeit suspendiert. Auch der ARD/ZDF-Kinderkanal, für den der MDR federführend ist, machte Schlagzeilen, weil ein Herstellungsleiter aus dem Etat mehrere Millionen Euro mit fingierten Rechnungen abzweigte.

Eine seiner größten Leistungen fiel in seine Zeit beim Bayerischen Rundfunk: Beim Lauschen des Verkehrsfunks wurde Reiter auf eine gut gelaunte Stimme aufmerksam: Der junge Thomas Gottschalk verlas Staumeldungen und machte seine Späßchen - dank Reiter machte er Karriere. Später gestand Reiter, der seit 2012 in zweiter Ehe mit der Moderatorin Else Buschheuer verheiratet war und eine Tochter aus erster Ehe hatte: "Dass ich ihn nicht bei der ARD halten konnte, ist ein Defizit." Aber der scheidende Intendant hatte dann wieder seine Finger im Spiel, als die ARD 2012 Gottschalk erneut verpflichtete, um einen Vorabendtalk zu moderieren.Wollte eigentlich Pilot werden

Beim jungen Reiter hatte zunächst nichts auf eine Medienkarriere hingedeutet: Während seines Germanistik-Studiums bestand er die Aufnahmeprüfung zur Pilotenausbildung bei der Lufthansa. Doch dann kam er 1966 mit dem Auto auf Glatteis ins Schleudern und wurde aus dem Wagen katapultiert. Seither war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Er begann beim Bayerischen Rundfunk, arbeitete in der Wissenschaftsredaktion, zum Familienfunk und wurde Hörfunk-Chefredakteur. Unter ihm wurde der bundesweit erste Nachrichtensender "B5 aktuell" Ende der 80er Jahre eingeführt.

dpa

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