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Verbraucherschützer melden mehr als 2200 riskante Produkte

Brüssel. Seit 2004 alarmieren sich europäische Behörden gegenseitig über gefährliche Produkte im Handel. Besonders häufig wird Spielzeug beanstandet. Manchmal trifft es auch völlig angesagte Produkte.

Verbraucherschützer melden mehr als 2200 riskante Produkte

Dieser Teddybär hat ein Auge verloren und wird deshalb von der Verbraucherbehörde als gefährlich eingestuft. Foto: Anja Mia Neumann

Giftige Puppen, gefährliches Spielzeug, entzündliche Akkus: Europäische Verbraucherschutzbehörden haben im vergangenen Jahr mehr als 2200 gefährliche Produkte gemeldet.

Es folgten europaweit fast 4000 Rückrufaktionen, Verkauf- oder Importstopps, wie die EU-Kommission berichtete. Diese Werte lagen etwa auf dem Niveau des Vorjahres. „Das System funktioniert gut und die Behörden reagieren auf die Warnungen“, sagte EU-Kommissarin Vera Jourova in Brüssel.

Fast jede dritte Meldung (29 Prozent) betraf Spielzeug, gefolgt von Kraftfahrzeugen (20) und Bekleidung (12). Unter anderen wurden elf Modelle der bei Kindern so angesagten Fidget Spinner gemeldet. Die kleinen Spielzeuge enthielten etwa gefährliche Chemikalien oder Batterien, die hätten verschluckt werden können. „Ich erinnere mich sehr gut, dass mein Enkel wollte, dass ich ihm einen kaufe“, sagte Jourova. Sie habe es letztlich jedoch nicht getan.

Wie schon im Vorjahr kam mehr als die Hälfte der beanstandeten Produkte (53 Prozent) aus China. Mit gut 350 Meldungen war Deutschland der Staat, aus dem die meisten Warnmeldungen kamen. Für die Anzahl der Meldungen eines Landes gibt es nach Angaben der EU-Kommission viele Gründe: unter anderem die Größe des Marktes, das Importvolumen und die Erfahrungswerte der Kontrolleure.

Die europäischen Behörden alarmieren sich seit 2004 gegenseitig über ein Schnellinformationssystem, wenn irgendwo in der EU und drei weiteren beteiligten Ländern ein gefährliches Produkt entdeckt wird. Auch zwischen China und der EU-Kommission gibt es einen regelmäßigen Austausch.

Weil Verbraucher immer häufiger im Internet kaufen, führt die EU auch Gespräche mit Online-Händlern. Jourova betonte, man sei etwa mit Ebay, dem chinesischen Unternehmen Alibaba, Amazon oder der deutschen Otto-Gruppe in Kontakt und rufe sie dazu auf, freiwillige Zusagen zu machen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Die Unternehmen sollten zum Beispiel prüfen, welche Produkte auf der EU-Plattform gemeldet worden sind und mit den jeweiligen Händlern in Kontakt treten. Jourova betonte: „Ich bin sicher, dass das Vertrauen der Kunden, das Vertrauen des Konsumenten der wichtigste Wettbewerbs-Vorteil für alle Online-Händler ist.“

Verbraucherschützer beurteilen den Bericht indes kritisch. Sie sehen in den 2200 Meldungen nur „die Spitze des Eisbergs“. „Die Mitgliedstaaten müssen dringend die Anzahl ihrer Kontrollen und die Höhe der Strafen in allen Kategorien erhöhen - von Kosmetik über Fitness-Uhren bis zu Wasserkochern“, sagte die Generaldirektorin des Verbraucherschutz-Verbands BEUC, Monique Goyens. Derzeit hänge der Grad des Schutzes davon ab, in welchem Mitgliedstaat man lebe.

Die SPD-Europapolitikerin Evelyne Gebhardt nannte die 2200 Meldungen hingegen „entschieden zu viel“. „Insbesondere der noch immer zunehmende Onlinehandel ist ein breites Einfallstor für gesundheitsgefährdende Artikel.“ Der Verbraucherschutz müsse dringend gestärkt werden. Die EU-Kommission hat für April eine Reform des Verbraucherschutzes angekündigt.

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