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Sanierung der Kaufhauskette

Verdi wehrt sich gegen verschärften Sparkurs bei Karstadt

Essen/Göttingen Die Gewerkschaft Verdi leistet erbitterten Widerstand gegen den harten Sparkurs des neuen Karstadt-Eigentümers Benko. Eine Einigung zwischen den Arbeitnehmer-Vertretern und der Unternehmensführung ist nicht in Sicht. Tausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel.

Verdi wehrt sich gegen verschärften Sparkurs bei Karstadt

Die Gewerkschaft Verdi leistet erbitterten Widerstand gegen den harten Sparkurs des neuen Karstadt-Eigentümers Benko. Foto: Martin Gerten

In der ersten Runde der Karstadt-Tarifgespräche nach der Übernahme durch den Investor René Benko hat die Gewerkschaft Verdi Forderungen nach einer deutlichen Verschärfung des Sparkurses zurückgewiesen.

Fotos: Die Geschichte von Karstadt

1881 gründet  Adolph Karstadt das Geschäft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern.
Bis zum zweiten Weltkrieg wächst das Unternehmen rasant.
Mit dem Erfolg von Karstadt gehen auch Übernahmen von anderen Konzernen einher. 1994 kommt beispielsweise die Warenhausketter Hertie hinzu.
1999 wird auch Versandunternehmen Quelle ein Teil von Karstadt.
Der Fall beginnt. Nach verfehlten Ergebnisprognosen muss der langjährige KarstadtQuelle-Chef Walter Deuss (rechts) gehen.
Er soll den Konzern aus den roten Zahlen holen:  Christoph Achenbach übernimmt 2004 die Konzernführung und setzt den Rotstift an. 5.700 Stellen werden gestrichen.
2005: Und wieder ein neuer Chef. 2005 kommt Thomas Middelhoff auf Bitten von Quelle-Erbin Schickedanz. 2014 musste sich Middelhoff wegen dem Vorwurf der Untreue vor Gericht verantworten.
2005: Middelhoff verkauft die Modeketten SinnLeffers, Wehmeyer und Hertie. Alle drei Ketten melden später Insolvenz an.
Juli 2007: Die Karstadt-Quelle AG wird in Arcandor AG unbenannt.
2008: Die Verluste im Jahr Middelhoff sind enorm: 700 Euro Nettoverlust, fast eine Milliarde Euro Schulden. Karl-Gerhard Eick wird neuer Vorstandsvorsitzende.
Juni 2009: Arcandor sowie seine Töchter Karstadt und Quelle melden Insolvenz an. Die Gläubiger geben im November grünes Licht für einen Verkauf. Zahlreiche Mitarbeiter müssen gehen und Filialen werden geschlossen.
Juni 2010: Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen übernimmt den Konzern und versucht mit den Gläubigern zu verhandeln.
Juli 2012: Karstadt streicht weitere 2000 Stellen, im April 2013 kündigt das Unternehmen eine "Tarifpause" für die Beschäftigten an.
September 2013: Karstadt verkauft über 70 Prozent seiner Sport-Filialen an die österreichische Firma Signa. Signa soll im Gegenzug 300 Millionen Euro in die Modernisierung von Karstadt stecken.
Februar 2014: Die ehemalige Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt wird neue Karstadt-Chefin und soll dem Konzern neue Hoffnung geben. Im Juli geht sie schon wieder.
August 2014: Der österreichische Unternehmer Rene Benko (hier mit Ehefrau Nathalie) kauft den Konzern von Berggruen.
Benko zahlt einen symbolischen Euro für das insolvente Unternehmen. Auch Berggruen hatte diesen Preis zuvor gezahlt.

Die von dem Unternehmen vorgelegten Pläne seien für die Beschäftigten unzumutbar, sagte Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes nach der Sitzung am Freitag. Die Gespräche sollen am 21. Oktober fortgesetzt werden. Karstadt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Arbeitgeber hätten unter anderem eine Verlängerung der tariflichen Regelarbeitszeit sowie einen weiteren Verzicht auf Tariferhöhungen in den kommenden Jahren gefordert. Auch ein Vorstoß zur Streichung des Weihnachtsgeldes sei von Verdi nicht akzeptiert worden, so dass das die Zahlung in diesem Jahr für die rund 17 000 Karstadt-Mitarbeiter gesichert sei. Daneben sei auch das Urlaubsgeld von den Arbeitgebern auf den Prüfstand gestellt worden.  Die Gewerkschaft halte dagegen an ihrer Forderung nach einer Rückkehr in die Tarifbindung sowie nach einer Standort- und Beschäftigungssicherung fest, berichtete Peukes. In dem Gespräch seien auch die Sanierungspläne vorgelegt worden, die nach Angaben von Peukes den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen vorsehen.

auf einer größeren Karte anzeigen "Die Pläne der Arbeitgeber erschöpfen sich bisher fast ausschließlich in weiteren Kosteneinsparungen", sagte er. Ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle dagegen immer noch. In der vergangenen Woche hatte der Aufsichtsrat die Weichen für die geplanten Einsparungen gestellt.

Essen Die rund 17 000 Karstadt-Mitarbeiter müssen sich auf massive Einschnitte gefasst machen. Jeder fünfte Beschäftigte wäre durch den befürchteten Personalabbau betroffen.mehr...

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