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Misshandlungen in Flüchtlingsheimen

Verfassungsschutz soll Sicherheitsdienste überprüfen

DÜSSELDORF In den Flüchtlingsheimen des Landes Nordrhein-Westfalen sollen nur noch Sicherheitskräfte eingesetzt werden, die einer Überprüfung durch Polizei und Verfassungsschutz zugestimmt haben. Das hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach den Misshandlungen von Asylbewerbern in Düsseldorf angekündigt. Jäger entschuldigte sich bei den Flüchtlingen.

Verfassungsschutz soll Sicherheitsdienste überprüfen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière macht sich in München ein eigenes Bild über die Situation von Flüchtlingen. Foto: Tobias Hase

In mindestens drei Unterkünften in Nordrhein-Westfalen soll es zu Misshandlungen von Flüchtlingen durch private Wachleute gekommen sein. Derzeit werde gegen elf Verdächtige ermittelt, teilte Jäger mit. Auch die Möglichkeit eines fremdenfeindlichen Hintergrunds werde geprüft. Ein zu den Verdächtigen gehörender Mann hatte in einem Zeitungsinterview von einem „deutlich erkennbaren rechten Hintergrund“ bei einigen seiner ehemaligen Kollegen gesprochen.

"Menschenverachtend" Jäger entschuldigte sich bei den Asylbewerbern. Menschen, die in Landeseinrichtungen Schutz suchten, seien Opfer von Kriminellen geworden. Was geschehen sei, sei menschenverachtend. „Es macht uns alle wütend und beschämt uns.“ Jäger sicherte zu, dass jedem Hinweis auf solche Vorfälle nachgegangen werde: „Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt.“

Essen/Burbach Die massiven Gewaltvorwürfe gegen Sicherheitspersonal in Flüchtlingsheimen wiegen schwer. Während die Polizei ermittelt, berichten die Bewohner einer Essener Notunterkunft von Gewalt und schlechten Lebensbedingungen. "Sie behandeln uns wie Tiere", sagt Dendawi Reda aus Algerien. Er lebt in einer Notunterkunft in Essen.mehr...

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Vorfälle als bestürzend. Er hielt sich aber mit politischen Schuldzuweisungen zurück. „Ich bin zuversichtlich, dass das Land Nordrhein-Westfalen die bestürzenden und bedrückenden Vorfälle restlos aufklären wird, und ich bin ebenso zuversichtlich, dass das Land Nordrhein-Westfalen diese Mängel unverzüglich abstellen wird“, sagte er am Dienstag in München.

In Burbach im Siegerland sollen private Wachmänner einen Flüchtling gezwungen haben, sich auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen. Ein von den Männern aufgenommenes Video war in die Hände der Ermittler gelangt. Außerdem hatte die Polizei ein Foto gefunden, auf dem ein Sicherheitsmann einem gefesselt am Boden liegenden Flüchtling einen Fuß in den Nacken stellt. Hinzu kommen Verdachtsfälle in Essen und Bad Berleburg.

DORTMUND Die Flüchtlings-Erstaufnahme in Hacheney ist seit Wochen überfüllt - doch Misshandlungen von Flüchtlingen wie in Burbach hat es laut Stadt nicht gegeben. Am Montag kündigte Oberbürgermeister Ullrich Sierau an, dass der zuständige Sicherheitsdienst trotzdem ausgetauscht wird. Es ist der selbe wie in Burbach. Auch auf die steigenden Flüchtlingszahlen reagiert die Stadt.mehr...

Stark steigende Asylbewerberzahlen stellen die Behörden derzeit vor massive Herausforderungen. Viele Einrichtungen sind überbelegt. In der Zeit von Januar bis August 2014 haben insgesamt 99 592 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Im Gesamtjahr erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 200 000 Bewerber.

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly, forderte einheitliche Mindeststandards für den Umgang mit Flüchtlingen. „Wir haben im Moment einen Fleckenteppich von 16 verschiedenen Asylausführungsgesetzen, die komplett unterschiedlich sind“, sagte er im Deutschlandfunk. Maly warnte davor, nach den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen alle Beschäftigten in Flüchtlingsunterkünften unter Generalverdacht zu stellen. „Das, was da passiert ist, ist unentschuldbar. (...) Aber wir haben auch ganz andere Erfahrungen“.

Einzelfälle oder nicht? Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), warnte dagegen davor, die jüngsten Übergriffe auf Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen voreilig als Einzelfälle einzustufen. Im Südwestrundfunk sagte Strässer, niemand solle sich sicher sein, dass es sich um bundesweite Ausnahmen handele. Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Reiner Wendt hält die Übergriffe in den NRW-Heimen nur für die Spitze des Eisbergs. „Davon bin ich überzeugt“, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“. In allen Bundesländern müsse jetzt genau geschaut werden, wen man in Flüchtlingsheimen beschäftige. 

Von dpa

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