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Verlorene Helden zwischen Gestern und Morgen

Sehenswerte Premiere im PRT

Wer sind eigentlich heute Helden? Wie ist das noch möglich, ein Held zu sein? Diese Fragen stehen über der gesamten Spielzeit des Prinz Regent Theaters, das Romy Schmidt im vergangenen Herbst übernommen und dessen Programm sie heldenhaft verjüngt hat. Für die aktuelle Premiere von Ewald Palmetshofers "Helden" hat dementsprechend Laura N. Junghanns aus der Regieklasse der Folkwang Universität gesorgt.

BOCHUM

, 08.01.2016
Verlorene Helden zwischen Gestern und Morgen

Luca Zahn und Corinna Pohlmann überzeugen im Stück "Helden" am Prinz-Regent-Theater in Bochum.

Darin sitzt man zu Anfang einer jungen Frau gegenüber, Schauspielerin Corinna Pohlmann, die als Judith in einer flauschigen Flokati-Welt gefangen ist. Sie blickt leer drein – und ein bisschen verunsichert, wenn das Telefon klingelt. Nach langen Minuten ist an diesem Premieren-Donnerstag endlich auch der Zuschauer verunsichert. Man verliert leicht den Boden unter den Füßen, wenn im Sprechtheater nicht gesprochen wird. Erst mit der Ankunft des zweiten Darstellers, Luca Zahn, beginnt der Text des österreichischen Zeitgenossen Palmetshofer zu schnurren.

RAF-Terror-Romantik

Er hat ein Geschwisterpaar mit den biblischen Namen Judith und David erdacht, die der glatten und kalten, der "gecoachten" Welt, wie David immer wieder betont, etwas entgegensetzen wollen: Eine krude Vorstellung von Rebellion. Aus einer Art RAF-Terror-Romantik heraus haben die beiden ein Wellness-Hotel in die Luft gesprengt, dabei sind auch die Eltern drauf gegangen.

 

Judith und David nehmen in ihrem Dialog deren Rollen ein, spielen ein groteskes Spiel mit den Erwartungen, die an sie gestellt wurden, mit dem tumben Leben, das die Erzieher aus ihrer Sicht geführt haben. Gerade in diesen Momenten, wenn ihre Rollen andere Rollen annehmen, erwachen die jungen Darsteller zu voller Stärke. Sie treiben dann den kunstvollen Text, der vom Zeitalter am Ende der Ideologien erzählt und an Elfriede Jelinek erinnert, vor sich her.

In Watte gepackter Weltentwurf

Laura N. Junghanns hat sie mit ihrer Bühnen- und Kostümbildnerin Marina Sell Cajueiro in eine Welt zwischen Gestern und Morgen gesteckt. Sie erinnert genauso an retrofuturistische Vorstellungen aus den 1960er-Jahren wie an den in Watte gepackten Weltentwurf aus Leif Randts Roman "Schimmernder Dunst über Coby County". Was soll man ein Held sein, wenn alle Mauern, die man einrennen möchte, gepolstert sind? Genau, man sprengt ein Wellness-Hotel in die Luft.