Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Verstärkte Bemühungen um Lösung der Krise im Kongo

Nairobi/Goma (dpa) Angesichts der unmenschlichen Lebensumstände für zehntausende von Flüchtlingen im Ostkongo hat die internationale Gemeinschaft am Dienstag ihre Bemühungen zur Lösung der Krise verstärkt.

Verstärkte Bemühungen um Lösung der Krise im Kongo

Im Kongo sind Hunderttausende von Menschen auf der Flucht vor Kämpfen.

Zahlreiche Hilfsorganisationen warnten vor einer Katastrophe für die Flüchtlinge, denen vor allem Lebensmittel, sauberes Wasser, Medikamente und Notunterkünfte fehlen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte am Montag angekündigt, selbst zur Vermittlung in die Krisenregion zu reisen und ernannte den früheren Präsidenten von Nigeria, Olusegun Obasanjo, zu seinem Sondergesandten für den Kongo. Trotz der kritische Lage will der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erst Ende November zusammentreten, um über eine Aufstockung der UN-Friedenstruppen im Kongo zu beraten.

Der kongolesische Ministerpräsident Adolphe Muzito, der sein Amt erst im vergangenen Monat aufgenommen hat, kündigte am Dienstag an, in die Krisenregion zu reisen. Bei einem Besuch in Goma sagte der Chef der UN-Friedensmissionen Alain Le Roy, der Schutz der Zivilbevölkerung habe Vorrang. «Unser Mandat ist nicht, Städte zu verteidigen», sagte er am Dienstag im Afrikaprogramm der BBC.

Dem Sicherheitsrat liegt inzwischen eine offizielle Anfrage des UN-Sonderbeauftragten Alan Doss vor, die insgesamt 17 000 Mann starke Kongo-Mission MONUC aufzustocken. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon stellte sich am Dienstag hinter die Forderung. Die Truppe sei angesichts der Aufgabe in der riesigen Region überfordert, sagte Ban. Der neue amtierende Ratsvorsitzende Jorge Urbina (Costa Rica) verwies am Dienstag darauf, dass derzeit zu dem Thema keine Einigkeit im höchsten UN-Gremium herrsche. Die Beratung sei deshalb zunächst für den 26. November angesetzt. Urbina räumte ein, dass dies «nicht die beste Botschaft» für die Menschen im Kongo sei.

Der Osten des Landes, in dem sich die wichtigsten Bodenschatz- Vorkommen befinden, wird nicht von der Regierung in Kinshasa, sondern weitgehend von verfeindeten Milizen und den Nachbarstaaten der Region kontrolliert. Kämpfer des Rebellengenerals Laurent Nkunda hatten die Regierungssoldaten um Goma, der Hauptstadt der Unruheprovinz Nord- Kivu, vergangene Woche zurückgeschlagen. Nkundas Rebellen stehen unmittelbar vor Goma, ihre Offensive hatte eine Massenflucht von geschätzten 250 000 Menschen ausgelöst. Ein von Nkunda erklärter einseitiger Waffenstillstand dauerte am Dienstag an. Nkunda begründet seinen Kampf mit der Verteidigung der Volksgruppe der Tutsi.

Der UN-Sondergesandte Obsanjo soll mit politischen Führern in der Region und der internationalen Gemeinschaft an der Beilegung der Krise im Ostkongo arbeiten. Zudem wurde der frühere Chef der MONUC genannten Blauhelmtruppe, Generalleutnant Babacar Gaye aus dem Senegal, für die kommenden Monate erneut zum Befehlshaber berufen.

Der UN-Generalsekretär will sich bei einem Dreiergipfel mit den Präsidenten des Kongo und Ruandas um eine Lösung des Konflikts im Ostkongo bemühen. Er werde bis zum Wochenende oder Anfang der kommenden Woche mit Joseph Kabila und Paul Kagamé zusammenkommen, kündigte Ban am Montag in New York an. Die Blauhelmtruppe sei angesichts der Aufgabe in der riesigen Region überfordert. Sie brauche dringend zusätzliche Kräfte und Ressourcen. Nach UN-sind derzeit etwa 5000 Blauhelme in der Unruheprovinz Nord-Kivu stationiert. In Goma seien es lediglich 700, sagte eine Sprecherin in New York.

In den Flüchtlingsgebieten herrschte am Dienstag weiter Angst und extreme Not. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF sprach von bis zu 100 000 Menschen, darunter 60 Prozent Kinder, die allein in der vergangenen Woche vor den heftigen Kämpfen geflohen seien. Tausende hielten sich irgendwo im Busch auf und könnten nicht von Hilfsorganisationen erreicht werden, sagte der Nothelfer Matthias Wohlfeil von der Hilfsorganisation Care Deutschland-Luxemburg. Die UN- Flüchtlingsorganisation UNHCR berichtete, dass drei Lager im Osten des Kongos mit etwa 50 000 Menschen völlig verlassen worden seien. Die Menschen seien verschwunden, sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor Cholera- Ausbrüchen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berichtete von zahlreichen Vergewaltigungen. Alle Hilfsorganisationen riefen die internationalen Gemeinschaften zu weiteren Spenden auf. In der von Rebellen umzingelten Stadt Goma hielten sich 1700 Flüchtlinge auf, sagte Wohlfeil. Ein Medikamenten-Hilfstransport der UN bringe den Menschen im Krisengebiet kaum Erleichterung, berichtete die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag. Am Montag hatten zwölf UN-Fahrzeuge Medikamente und Tabletten zur Aufbereitung von Trinkwasser in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete im Osten gebracht.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde, durch Krisen und Misswirtschaft aber auch eines der finanziell ärmsten. Stete Konflikte um unter anderem die Kontrolle der Rohstoffe führten 1998 zu einem Krieg, an dem sich insgesamt neun afrikanische Staaten beteiligten. Bis 2003 starben mindestens drei Millionen Menschen. 2006 gab es die ersten demokratischen Wahlen, die von den Vereinten Nationen beobachtet wurden. Dennoch flammen immer wieder Unruhen auf.

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Ukraine-Konflikt

Spitzentreffen für Mittwoch in Minsk geplant

Berlin/Paris Die neue Vermittlungsoffensive in der Ukraine-Krise steuert jetzt auf ein greifbares Ziel zu: ein Spitzentreffen in Minsk am kommenden Mittwoch zwischen der Ukraine, Russland, Deutschland und Frankreich. Davor stehen aber erst noch weitere Gespräche an.mehr...

Politik

Kerry in Kiew eingetroffen

Kiew/Donezk (dpa) Im ostukrainischen Kriegsgebiet Donezk sind bei Artillerieangriffen erneut mindestens acht Menschen getötet worden. Mehr als 30 Zivilsten seien zudem verletzt worden, teilte die Verwaltung der von prorussischen Separatisten kontrollierten Stadt mit.mehr...

Politik

Kerry in Kiew eingetroffen

Kiew/Donezk (dpa) Im ostukrainischen Kriegsgebiet Donezk sind bei Artillerieangriffen erneut mindestens acht Menschen getötet worden. Mehr als 30 Zivilsten seien zudem verletzt worden, teilte die Verwaltung der von prorussischen Separatisten kontrollierten Stadt mit.mehr...