Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

VfL-Fan fast totgetreten - Freispruch möglich

Gericht

BOCHUM Es war ein brutales Verbrechen. Vor rund einem Jahr hat ein bulliger Bochumer (41) einen VfL-Fan (34) fast totgetreten. Trotzdem könnte es sein, dass der Täter nicht bestraft wird.

von Jörn Hartwich

, 06.08.2010

Der Grund: Ein Psychiater hält den Mann für schuldunfähig. Das wurde am Freitag vor dem Bochumer Schwurgericht bekannt. Die Information kam völlig überraschend – auch für die Richter. Bislang dachten alle Beteiligten maximal an verminderte Schuldfähigkeit, weil der Angeklagte damals nicht einmal zwei Promille Alkohol intus hatte. Trotzdem geht der vom Gericht bestellte Gutachter davon aus, dass der 41-Jährige zur Tatzeit weder steuerungs- noch einsichtsfähig gewesen ist. Hirnblutungen

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess auf einen Erinnerungsverlust berufen. Genau wie sein Opfer war er zuvor im Stadion (VfL – Gladbach; 3:3). In einer nahen Gaststätte traf er abends auf sein späteres Opfer. Es wurde getrunken, dann gab es Streit. An zwei Schläge konnte sich der 34-Jährige am Freitag noch erinnern, danach fiel er ins Koma. Wörtlich sagte er den Richtern: „Die Lichter gingen aus. Ich habe eine Begegnung mit dem lieben Gott gemacht.“

Es war zu schwersten Kopfverletzungen und Hirnblutungen gekommen. Dass der 34-Jährige überlebt hat, war Glück. Der 130 Kilo schwere Angeklagte hatte ihn (68 Kilo) geschlagen und gegen den Kopf getreten.

Trotzdem hat das Opfer ihm verziehen. Auf die Frage der Richter, wie er den Angeklagten heute charakterisieren würde, sagte der 34-Jährige: „Er ist ehrlich, reumütig und geschockt über sich selbst.“ Der Prozess wird fortgesetzt.