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VfL-Trainer Funkel verschafft Chong Tese Atempausen

Nach furiosem Auftritt

BOCHUM Wenn sich Friedhelm Funkel da mal nicht geirrt hat: Es sei noch ein langer und arbeitsreicher Weg für Chong Tese, um in dieser Saison einer der Zweitliga-Stars zu werden, hatte Bochums Trainer auf eine entsprechende Frage geantwortet.

von Von Uli Kienel

, 24.08.2010
VfL-Trainer Funkel verschafft Chong Tese Atempausen

Furioses Debüt beim VfL Bochum: Chong Tese (l.).

Teses zwei Tore und sein gewandtes Auftreten auf und neben dem Platz beim 3:2-Auftaktsieg gegen 1860 München lassen Funkel womöglich noch über eine Korrektur seiner Antwort nachdenken. Die Fans im Stadion jedenfalls waren begeistert vom ersten Auftritt eines Nordkoreaners im deutschen Profifußball. Ebenso dürften viele der bis zu 1,52 Millionen TV-Zuschauer (Quote bei Sport 1) reagiert haben, die Chong Teses erstes Interview im deutschen Fernsehen verfolgten.

Denn der 26-Jährige orientierte sich zwar an den Hilfestellungen seines Dolmetschers, schilderte seine frischen Eindrücke aber zur Verblüffung des Moderators in deutsch. Chong Tese sprach dabei von einer ordentlichen Leistung seines VfL und davon, dass in der Bundesliga die Physis eine stärkere Rolle spiele als in Japan, wo der Koreaner vor seinem Engagement an der Castroper Straße beim J-League-Klub Kawasaki Frontale unter Vertrag stand. Und weil Tese trotz eifrigen Lernens die Bedeutung vieler Vokabeln noch nicht so richtig geläufig ist, drückte er sein Glücksgefühl vom Montagabend in folgendem Satz aus: „Ich bin lustig in Deutschland zu spielen.“ Dafür, dass es rund um seinen Torjäger nicht zu lustig wird, sorgt nun Friedhelm Funkel. Weil sich Chong Tese auf seine Aufgaben im Klub konzentrieren soll, hat Bochums Trainer erst einmal alle PR-Termine und Medienanfragen gestoppt.

„Der Junge muss hier viele neue Eindrücke verarbeiten und hat kaum eine Atempause. Ich bin deshalb dafür, dass er erst einmal in Ruhe gelassen und aus der Öffentlichkeit zurückgenommen wird“, erklärte Funkel am Montag. „Chong Tese wird zunächst nur noch Trainings- und Pflegetermine wahrnehmen.“ Der erfahrene Coach weiß nur zu genau, welches Kaliber er mit dem Koreaner in seinen Kader bekommen hat. Und dass es notwendig ist, ihn dosiert mit den neuen Einflüssen in der Bundesliga vertraut zu machen. Funkels Taktik ist einleuchtend: Wer zu schnell in den Himmel gehoben wird, kann ebenso schnell wieder tief fallen.

Dass er aber so stark auf die Bremse tritt und am Freitag im Auswärtsspiel auf den Koreaner in der Start-Elf verzichtet, wie es ein Medienvertreter anfragte, kommentierte Funkel sichtlich amüsiert: „Ich kenne keinen Trainer, der einen zweifachen Torschützen im nächsten Spiel auf die Bank setzt.“ Übrigens: Bei einem Interview-Termin in der vergangenen Woche soll sich Chong Tese nach der Bedeutung des Begriffs Torschützenkönig erkundigt haben. Seit Montag arbeitet er an der praktischen Umsetzung.