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Viel Lärm für elf Rechtsextreme

pro NRW Kundgebung

Viel Aufregung für die paar pro-NRW-Aktivisten, die am Donnerstag vor der Moschee in der Humboldtstraße ihre Parolen verbreiten mussten: Hunderte Polizisten, ein fragwürdiger Platzverweis und eine Bomben-Attrappe. Der Überblick.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 03.05.2012
Viel Lärm für elf Rechtsextreme

Von sechs Bochumer Schulen waren Schüler zum Protest gegen Rechts auf den Marienplatz gekommen.

Wegen eines vermeintlichen Sprengsatzes rückte die Polizei früher an als geplant. Ein junger Mann wird beobachtet, wie er zwischen 6 und 7 Uhr ein Paket in einem Keller gegenüber der Moschee deponiert: verkabelt, mit Klebeband umwickelt, ein Handy darauf montiert. Die Polizei geht zunächst von einem Sprengsatz aus. Später wird klar: Explodieren kann das Teil nicht. Es soll sich um ein akustisches Störgerät handeln, aktivierbar per Telefon. Die Polizei nimmt einen 18-Jährigen in Gewahrsam, den sie dem linken Spektrum zuordnet. Es bleibt die einzige Festnahme an diesem Tag. 

11 Uhr: Ein Kleintransporter rollt die pro-NRW-Aktivisten heran. Elf sind es an der Zahl. Zumeist Männter über 40, eine Frau ist dabei. Sie werden von einem lautstarken Pfeifkonzert empfangen. Die Schülervertretung hat es geschafft, mehr als 200 Schüler an der Ecke Humboltstraße/Marienplatz zu versammeln. Sechs Schulen sind präsent. Vier Lehrer haben ihre ganze Klasse mitgebracht. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagt Jonathan Röder von der Bezirksschülervertretung. Zusammen mit der Antifa halten sie eine Kundgebung ab. Es gibt mehrere Reden, in denen sie auf die Gefahren den Anti-Islamischer Stimmungen im Alltag aufmerksam machen. 

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Protest gegen pro NRW

Gerade mal elf Mitglieder der als rechtsextrem eingestuften Partei pro NRW kamen zur Kundgebung nach Bochum. Ihnen stellten sich circa 300 Gegendemonstranten in den Weg. Vor allem die Schüler zeigten ein beeindruckendes Bild gegen Rechts.
03.05.2012
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Die Polizei nimmt einen der Gegendemonstraten fest, nachdem ein pro NRW-Aktivist proviziert und geschlagen hatte.© Foto: Benedikt Reichel
Lautstarker Protest gegen pro NRW vor der Moschee an der Humboldtstraße.© Foto: Benedikt Reichel
Demonstration gegen die Kundgebung von pro NRW.© Foto: Benedikt Reichel
Eine pro-NRW-Aktivistin verteilt Flyer in die Briefkästen - auch in die mit dem Aufkleber "keine Werbung". Von den Hausbewohnern werden die rechtsextremen dafür angefeindet.© Foto: Benedikt Reichel
Gegendemonstration vor der Moschee an der Humboldtstraße.© Foto: Benedikt Reichel
Demonstration gegen pro-NRW-Kundgebung.© Foto: Benedikt Reichel
Von sechs Bochumer Schulen waren Schüler zum Protest gegen Rechts auf den Marienplatz gekommen.© Foto: Benedikt Reichel
Kundgebung (vorn) und die deutlich größere Zahl der Gegendemonstranten© Foto: Benedikt Reichel
Massiver Polizeischutz für die elf pro-NRW-Mitglieder.© Foto: Benedikt Reichel
Ein pro-NRW-Mitglied streitet sich mit den Demonstranten an der Absperrung.© Foto: Benedikt Reichel
pro NRW demonstriert mit Deutschland-Fahnen, die Gegendemonstraten rufen "Nazis raus" und "Wir sind Bochum - Nazis sind es nicht".© Foto: Benedikt Reichel
Einige Gegendemonstranten versuchen die pro-NRW-Aktivisten mit Argumenten zu überzeugen, wie hier Lars Seidensticker (schwarz-weißes Sakko), den Bundesgeschäftsführer von pro Deutschland. Das gelingt aber nicht.© Foto: Benedikt Reichel
Einige Gegendemonstranten versuchen die pro-NRW-Aktivisten mit Argumenten zu überzeugen, wie hier Lars Seidensticker (rechts / schwarz-weißes Sakko), den Bundesgeschäftsführer von pro Deutschland. Das gelingt aber nicht.© Foto: Benedikt Reichel
Viel war es nicht, was pro NRW da aufbot: elf Personen, drei Plastik-Aufsteller und einen Sonnenschrim. Dazu Deutschland-Fahnen und Anti-Islam-Parolen.© Foto: Benedikt Reichel
Vor der Moschee an der Humboldtstraße hat sich die Polizei postiert.© Foto: Benedikt Reichel
Hinter viel Gebüsch: In der Kellerluke war das Paket platziert.© Foto: Benedikt Reichel
Polizeiaufgebot in der Humboltstraße.© Foto: Benedikt Reichel
Schlagworte Bochum

Direkt vor der Moschee haben sich circa 80 Menschen vom Bündnis gegen Rechts versammelt. „Nazis raus“, tönen sie. Von den pro-NRW-Aktivisten werden sie angepöbelt. „Sie Ewiggestrigen, Sie gehören auf den Misthaufen der Geschichte“, schreit einer der Rechtsextremen ins Mikrofon. „Ihr seid ein Häufchen Elend.“ Ironie pur.

Zahlenmäßig ist pro NRW das Häufchen. Und auf die teils älteren pro-NRW-Herrschaften, die aggressiv „Abschiebung“ fordern, passt die Formulierung „Ewiggestrige“ besser. Die Rechtsextremen schwingen lange Reden, durchsetzt mit Parolen. Sie zeigen Anti-Islam-Karikaturen und stellen Moslems als die Bedrohung dar. „Das ist nur auf Provokation angelegt“, sagt Uli Borchers vom Bündnis gegen Rechts. Er scheint Recht zu behalten: Lars Seidensticker, Bundesgeschäftsführer der rechtsextremen Dachorganisation pro Deutschland, geht mit einer Anti-Islam-Karikatur auf die Demonstranten los, provoziert, beschimpft die Moslems – alles unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Er hält sich hinter den Reihen der Polizei auf. Doch er will Gewalt sehen. Emotionen kochen hoch. Rangeleien. "Komm doch." Die Polizei hat Mühe, die Situation zu kontrollieren.

Als der Demonstranten, mit dem sich der pro-NRW-Aktivist verbal prügelt, ein Fotohandy rausholt, schlägt Seidensticker zu – und dem Demonstranten das Handy aus der Hand. Kurz geht es rund. Die Polizei führt den Demonstranten ab. Fragwürdig. Der Fall muss noch geklärt werden. Von einer Anzeige wird später abgesehen.  Halb eins: Abfahrt. Pro NRW zieht weiter. Ein letztes Pfeifkonzert. Die Bilanz: Eine Festnahme, drei Platzverweise, ein Großeinsatz für elf Rechtsextreme.