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Fragen & Antworten

Viele Baustellen bei Opel

Rüsselsheim Strategiewechsel bei General Motors: Im Schulterschluss mit der mächtigen Gewerkschaft IG Metall und den Opel-Betriebsräten will das Management die defizitäre Europa-Tochter wieder in die Spur bringen. Die Zeit drängt, denn der Absatz bröckelt, die Produktion ist zu teuer, die Werke sind nicht ausgelastet und die Modellpalette hat Lücken.

Viele Baustellen bei Opel

Alle vier Standorte werden bis 2016 erhalten. Foto: Martin Schutt/Symbol

Das Management bietet an, bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zudem soll das Werk in Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2015 geschlossen werden, sondern erst mit dem Auslaufen der aktuellen Zafira-Produktion - dies geschieht Ende 2016. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Entwicklung der Märkte oder auf die Übernahme der Chevrolet-Produktion für Europa bleibt erhalten. Die Schattenseite des Kuhhandels für die Belegschaft: Wieder einmal müssen die Mitarbeiter auf Lohn verzichten, konkret geht es um den jüngsten Tarifabschlusses in der Metallindustrie - ein Plus von 4,3 Prozent.

Die Amerikaner beugen sich nur widerwillig. Erst am Dienstag hatte GM-Chef Dan Akerson den Aktionären versprochen, Kapazitäten abzubauen, „wo und wann wir das können“. Doch in Europa sind Gewerkschaften und Betriebsräte stark, gegen sie ist eine Sanierung nur schwer durchzusetzen. In NRW wurde angesichts der Spekulationen um die Schließung des Standorts Bochum gedroht: „Eine Schließung von Opel-Bochum würde für General Motors und Opel die teuerste Werksschließung aller Zeiten werden.“

Opel ist weitgehend auf den europäischen Markt beschränkt. 2011 verkaufte Opel/Vauxhall 1,2 Millionen Autos, nur 19 000 gingen in Länder außerhalb Europas wie Südafrika, China oder Israel. Während Konkurrenten wie VW vom starken China- und US-Geschäft profitieren, macht Opel die rückläufige Entwicklung in Europa zu schaffen. Zumal einstige Nischenanbieter wie Kia oder Hyundai ein immer größeres Stück vom schrumpfenden Kuchen abbekommen. Durch die Schuldenkrise sind Märkte in Südeuropa zum Erliegen gekommen. Dadurch sinkt der Absatz und die Werke sind nicht ausgelastet.

Nur langsam rückt Opel in neue Märkte vor. So sollen die Autos ab Ende 2012 auch in Australien verkauft werden. Weil die US-Mutter GM einen konzerninternen Markenkannibalismus etwa in Asien oder Amerika fürchtet, sind der Expansion aber enge Grenzen gesetzt. Immerhin sieht der Unternehmensplan von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke vor, in Russland (Opel-Absatz 2011: 67 500) und der Türkei (54 500) anzugreifen und den Absatz in China „in den nächsten Jahren“ zu vervierfachen - wenn auch auf niedrigem Niveau: von 5000 auf 20 000.

Das ist eine lange Geschichte aus Strategiefehlern, zeitweise schlechter Qualität und ständigen Wechseln an der Spitze. Schon Mitte der 1980er Jahre hat sich Opel aus dem wachsenden Premiumsegment verabschiedet und Modelle wie den Senator oder Commodore begraben. „Das war sicher keine freiwillig Entscheidung, sondern vom Markt erzwungen, da den Opels die Attraktivität und die Innovationen gegenüber BMW, Audi, Mercedes fehlten“, urteilt Experte Ferdinand Dudenhöffer. Auch technologisch habe der Hersteller wichtige Trends verschlafen. So habe Opel anders als VW, Ford oder Mercedes noch immer keine Doppelkupplungsgetriebe im Angebot.

Die Unternehmensspitze hat die Defizite erkannt und Investitionen angekündigt - und wird von GM unterstützt. „Wir bekennen uns zu Opel. Das zeigen wir, indem wie Milliarden in neue Modelle investieren“, sagt GM-Boss Akerson. Bis 2016 sollen 23 Modelle, 13 Motoren und Getriebe sowie Autos mit umweltfreundlicher Antriebstechnik neu auf den Markt kommen. Damit will der Hersteller auch wieder in Segmente vorstoßen, in denen Opel bisher nicht vertreten ist - Beispiele sind der kleine SUV Mokka, der Mini Adam und ein Oberklasse-Cabrio.

In erster Linie sollen die Kosten gesenkt werden. Gespart wird am Personal. Auch im britischen Ellesmere Port war die Belegschaft im Gegenzug für die künftige Astra-Produktion zu Lohnverzicht bereit. Zudem setzt Opel am Material, in der Entwicklung und der Produktion den Rotstift an. Ähnlich wie das Vorbild VW sollen künftig GM-weit weniger Architekturen für mehr Modelle genutzt werden. Im Einkauf verspricht sich das Unternehmen Einsparungen durch die Allianz mit Peugeot-Citroën. Auch die Werke sollen besser ausgelastet werden: Aktuell wird darüber verhandelt, ob Autos der GM-Marke Chevrolet, die in Europa verkauft werden, auch in Europa gebaut werden könnten - nämlich bei Opel.

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