Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Jährlich ab Oktober

Viele Einbrüche in der dunklen Jahreszeit

NRW Die Tage werden kürzer - und die Einbruchszahlen steigen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es ab Oktober wieder vermehrt Wohnungseinbrüche gibt. Aber wie sieht ein typischer Einbruch überhaupt aus? Und was sind die Folgen für die Opfer?

Viele Einbrüche in der dunklen Jahreszeit

Der Schwerpunkt der Taten ist in der dunklen Jahreszeit. Im Oktober steigen die Zahlen, im November und Dezember erreichen sie ihren Höhepunkt", sagt Arne Dreißigacker, ehemaliger Polizist und Diplom-Soziologe, der an einer Analyse des Wohnungseinbruchsdiebstahls des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) beteiligt ist.

Allerdings scheuen Diebe anscheinend die Nacht. Vier von fünf Einbrüchen passieren laut der Studie, bei der 2500 Einbruchsopfer aus fünf verschiedenen Städten befragt und 4000 Strafakten untersucht wurden, zwischen 6 und 21 Uhr.

Fenstertüren beliebter Einstieg bei Einfamilienhäusern

Laut der Studie waren Mehrfamilienhäuser häufiger Ziel eines Einbruchs (65,1 Prozent) als Einfamilienhäuser. In den Mehrfamilienhäusern suchten sich die Täter am häufigsten die Wohnungseingangstür als Einbruchstelle aus (55,8 Prozent). Bei Einfamilienhäusern verschafften sich die Diebe durch eine Fenstertür (40,7 Prozent) oder durch ein normales Fenster (40,4 Prozent) Zutritt – die Haustür spielte eine untergeordnete Rolle (10,2 Prozent).

"Die Täter suchen sich meist Straßenferne und nicht einsehbare Zugänge", sagt Dreißigacker. Meistens hebeln die Diebe eine Tür oder ein Fenster auf. Laut der Kreispolizeibehörde Unna gelangten die Täter bei 389 von 503 Fällen durch Aufhebeln in die Wohnung. In nur 33 Fällen schlugen sie ein Fenster oder eine Tür ein.

Allerdings passiert es auch, dass Opfer Tätern begegnen: Bei jedem fünften Wohnungseinbruch (20,1 Prozent) sind die Bewohner laut der Analyse der KFN anwesend. Direkten Kontakt gab es aber nur in 4,2 Prozent der Fälle.

Noch beruhigender: Täter übten nur in 0,7 Prozent der Einbrüche Gewalt aus. „Einbrecher wollen in der Regel schnell rein, Wertsachen greifen und unbemerkt wieder raus. Sie selbst haben meist kein Interesse jemandem zu begegnen“, sagt Dreißigacker. 

Auf was haben es die Täter abgesehen?

"Handys, Tablet-Computer, Kameras – damit können Diebe schnellen Marktabsatz erzielen. Diese teuren Gegenstände gab es früher noch nicht in diesem Ausmaß. Sie machen einen Einbruch lukrativer", schätzt Dreißigacker. Ansonsten seien die Einbrecher besonders auf Bargeld und Schmuck fokussiert.

Der Wert der gestohlenen Gegenstände liegt laut der Studie im Mittel bei 2500 Euro. In Einzelfällen weicht der finanzielle Verlust weit davon ab.Hinzu kommt der Schaden, der durch das gewaltsame Eindringen in die Wohnung entsteht. Durchschnittlich entstehen bei einem versuchten oder vollendeten Einbruch weitere Kosten von 1372,80 Euro.

Ein oft nicht so teurer, aber psychisch schwer zu verdauender Nebeneffekt für Opfer: Meist werden bei Einbrüchen laut der Analyse des KFN persönliche Dinge durchwühlt (68,1 Prozent), die Wohnung verwüstet (42,2 Prozent) und Kleidungsstücke durchgesucht (55,4 Prozent).

Was zahlt die Versicherung?

Sind Wohnungen, in die eingebrochen wurde, zum Tatzeitpunkt über eine Hausratversicherung abgedeckt, kommt diese in der Regel für materielle Schäden auf. Die Versicherungssumme bestimmt die maximale Schadenssumme, für die die Versicherung aufkommt. Sie variiert je nach Wohnraumgröße und Ausstattung.

Obergrenzen dienen als Orientierung: maximal 1500 Euro Bargeld; Urkunden, Sparbücher, Wertpapiere bis maximal 3000 Euro; Schmuck, Briefmarken und Gold bis maximal 25.000 Euro.

Ein Nachweis über gestohlene Gegenstände etwa durch Kaufverträge oder Fotos sowie die Anzeige des Einbruchs sind notwendig für die Kostenübernahme. Auch Reparaturkosten können bei der Versicherung eingereicht werden.

Wie geht es den Opfern nach einem Einbruch?

Einbrüche sind für die Opfer belastend. „Das Problem ist, zu wissen, dass da jemand in die eigenen vier Wände eingedrungen ist“, sagt Rolf Wagemann, Leiter der Dortmunder Außenstelle des Weißen Rings, der sich unter anderem um Einbruchsopfer kümmert.

Die materiellen Schäden, die durch Diebstahl und gewaltsames Eindringen in die Wohnung, entstanden, treten hinter den psychischen Problemen in den Hintergrund. Die Angst vor einem erneuten Einbruch bleibt beiden Opfern häufig lange. Dennoch: Experten zufolge seien andauernde psychische Probleme nach einem Einbruch selten.

Darunter leiden die Opfer laut einer Studie des Generalverbands deutscher Versicherer (GDV):

Unsicherheitsgefühl zu Hause (75,3 Prozent, davon 46,5 Prozent langfristig)

Macht- und Hilflosigkeit (70,6 Prozent/39,9 Prozent)

Stress und Anspannung (61,1 Prozent/23 Prozent).

Weitere Folgen sind: Angst, Schlafstörungen, Ekel, Gefühl von Erniedrigung, Verdrängung, Albträume, Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen.

Wo Personen, bei denen eingebrochen wurde, Hilfe bekommen, sagt ihnen die Polizei schon bei der Aufnahme des Einbruchs. Psychologische Hilfe vermittelt zum Beispiel der Weiße Ring. Der Verein unterstützt Bedürftige in Notlagen auch finanziell. Wer eine Hausratversicherung hat, bekommt materielle Verluste bis zu einem gewissen Wert erstattet, sofern Belege über die gestohlenen und beschädigten Gegenstände vorgelegt werden.

 So schuetzen Sie sich vor Einbrechern (PDF)So schuetzen Sie sich vor Einbrechern (Text)

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...