Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Studie

Viele Schüler halten NS-Staat nicht für Diktatur

BERLIN Um das aktuelle Geschichtswissen vieler Jugendlicher in Deutschland ist es schlecht bestellt, sagt eine neue Studie. Rund 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden.

Viele Schüler halten NS-Staat nicht für Diktatur

Schockierende Studie: Nur rund die Hälfte alle an einer Umfrage teilnehmenden Schüler hält die alte Bundesrepublik für eine Demokratie. Foto: Florian Schuh

Das legt eine neue Studie der Freien Universität (FU) Berlin nahe. Zeitgeschichtswissen: fünf - bescheinigt sie. Rund 7500 Neunt- und Zehntklässler aus fünf Bundesländern kreuzten dazu in den vergangenen drei Jahren Fragebögen an. Etwa 40 Prozent können demnach nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. „Das ist erschreckend“, sagte Prof. Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat (FU) am Mittwoch. Schon die Vorgängeruntersuchung von 2007 zum DDR-Wissen der Schüler in Ost und West hatte für einigen Wirbel gesorgt: Im Westen interessierte man sich kaum für die DDR, im Osten war das Bild bei vielen beschönigend verklärt, kam dabei heraus. Dieses Mal ging das Forscherteam noch weiter und befragte die Jugendlichen auch zu ihrem Wissen über NS-Zeit, alte Bundesrepublik und wiedervereinigtes Deutschland. Das Ergebnis: wenig besser. Quer durch alle Bundesländer und Schulformen zeigte sich, dass die Schüler über die NS-Zeit noch am meisten wissen, deutlich weniger über die alte Bundesrepublik, die DDR und schließlich das wiedervereinigte Deutschland.Nur 60 Prozent sehen Deutschland als Demokratie Es gipfelt in der Gesamteinschätzung, dass nur rund die Hälfte der Schüler den NS-Staat und nur gut ein Drittel die DDR als Diktatur  einordnet. Umgekehrt bezeichnet nur etwa die Hälfte der Schüler die alte Bundesrepublik und nur etwa 60 Prozent das wiedervereinigte Deutschland als Demokratie. „Die Geringschätzung historischen Wissens schlägt hier voll durch. Aber ohne Kenntnisse keine Kompetenzen“, resümierte Schroeder.Viel stärker als Schulform, Herkunft der Eltern oder Parteipräferenz sei der Einfluss von Kenntnissen bei der Beurteilung der Systeme zu Buche geschlagen: „Und an dieser Stelle sind vor allem die Schulen gefragt“, sagte Schroeder. In der Tat gaben vier von fünf Schülern an, ihr Geschichtswissen vor allem aus dem Unterricht zu beziehen. „Und generelles Interesse an Geschichte haben alle geäußert“, so Schroeder. Aber die Schulen griffen es nicht auf, die Schulzeitverkürzung verstärke das Problem. In Nordrhein-Westfalen etwa, dem Schlusslicht der fünf Bundesländer, habe man bis zum vergangenen Jahr noch nach einem Uralt-Lehrplan unterrichtet, der eine „Diskussion über die Möglichkeit einer Wiedervereinigung“ vorschlug."Gedenkstätten-Hopping" hat keinen Lerneffekt Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte am Mittwoch zu dem Studienergebnis: „Es muss alle Verantwortlichen in Deutschland wachrütteln.“ Er forderte die Länder auf, ihren Beitrag in den Schulen deutlich zu verstärken. Der Bund habe in den vergangenen Jahren die Unterstützung für historische Gedenkstätten bereits aufgestockt. Ein Besuch am Holocaust-Mahnmal oder in der Gedenkstätte Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen allein bringe aber wenig, betonte Schroeder. Eine Langzeituntersuchung an einem Teil der Schüler habe gezeigt, dass Vor- und vor allem Nachbereitung eines solchen Besuchs ausschlaggebend für den Erkenntnisgewinn seien. „Viele Schulklassen machen nur Gedenkstättenhopping. Das hat aber keinen Lerneffekt, sondern bleibt nur ein Event.“ Bei der Studie schnitten die Schüler aus Thüringen und Sachsen-Anhalt am besten ab, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg, am wenigsten wussten die Schüler aus Nordrhein-Westfalen. Berlin und Brandenburg, die bei der Vorgängeruntersuchung zum DDR-Wissen sehr schlecht abgeschnitten hatten, hatten nicht erneut mitgemacht.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Fast 300 Tote nach Anschlag in Mogadischu

Mogadischu (dpa) Nur langsam wird das Ausmaß des Anschlags in Somalia klar. Verletzte werden versorgt, Trümmer und ausgebrannte Autos beseitigt. Es ist der tödlichste Anschlag in Somalias Geschichte.mehr...

Politik

Blutbad in Somalia: Mehr als 230 Tote bei Anschlag

Hunderte Tote und Verletzte, zerstörte Gebäude, ausgebrannte Autos. Mogadischu bietet ein Bild der Zerstörung. Einen derart verheerenden Anschlag hat es in der jüngsten Vergangenheit Somalias nicht gegeben.mehr...

Politik

USA und Israel ziehen sich aus Unesco zurück

Paris/Washington/Tel Aviv (dpa) Paukenschlag in Paris: Die USA und Israel machen Ernst und kehren der UN-Kulturorganisation den Rücken. Spannungen gibt es schon seit Jahren. Das hat mit der Aufnahme Palästinas in die Unesco zu tun.mehr...

Politik

Hamas und Fatah einigen sich auf Abkommen zur Versöhnung

Kairo (dpa) Es wäre das Ende eines zehnjährigen Bruderkriegs: Hamas und Fatah sind aufeinander zugegangen. Doch Versöhnungsversuche in der Vergangenheit sind immer wieder gescheitert. Offen ist jetzt noch die Zukunft des bewaffneten Arms der Hamas, der Kassam-Brigaden.mehr...

Politik

Deutschland und Dänemark verlängern ihre Grenzkontrollen

Brüssel/Berlin/Kopenhagen (dpa) Eigentlich sollen Reisende sich innerhalb der Schengenzone ohne Grenzkontrollen bewegen können. Das änderte sich, als vor zwei Jahren viele Flüchtlinge nach Europa kamen. Nun sollen damals eingeführte Kontrollen abermals verlängert werden.mehr...

Politik

Merkels Wagen in Vorpommern mit Tomaten beworfen

Wolgast (dpa) Ostvorpommern war einst eine Hochburg der NPD und ist nun eine der AfD. Dass es bei einem Auftritt der Kanzlerin dort Proteste geben würde, war erwartet worden. Es bleibt nicht bei Rufen und Pfiffen.mehr...