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Viele Senioren leiden unter Sucht

Berlin (dpa) Medikamenten- und Alkoholsucht ist in Deutschlands Pflegeheimen weit verbreitet. Experten schlagen Alarm und fordern Ärzte und Krankenkassen zu mehr Sensibilität gegenüber den Gefahren für die Betroffenen auf.

Viele Senioren leiden unter Sucht

Suchtprobleme sind in deutschen Pflegeheimen weit verbreitet. Foto: Sven Hoppe

Vier von fünf stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen haben Menschen mit Suchtproblemen in ihren Reihen. Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit steht dabei im Zentrum. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor, die am Freitag in Berlin verbreitet wurde.

«Nach Einschätzung der Pflegenden sind im Mittel sieben Prozent der Klientinnen und Klienten in den stationären Pflegeeinrichtungen medikamentenabhängig», heißt es weiter in der Regierungsantwort.

Die SPD-Suchtexpertin Angelika Graf sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Inwieweit Menschen in Pflegeheimen mit Medikamenten ruhiggestellt werden, müsste dringend untersucht werden.» Zudem bekämen ältere Patienten oft schon vom Hausarzt Arzneimittel verschrieben, die nicht geeignet seien.

Bei ein bis zwei Millionen Menschen über 60 Jahren gebe es einen problematischen Gebrauch mit Medikamenten. Die Zuspitzung in Pflegeeinrichtungen kombiniert mit Alkoholsucht sei alarmierend. 83 Arzneistoffe würden als inadäquat für Ältere gelten.

Insgesamt sei zu erwarten, dass allein aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl älterer Menschen mit Alkoholerkrankungen zunehmen werde, so die Bundesregierung.

Graf warf der Regierung Untätigkeit vor. Ihre Nationale Strategie zu Drogen und Sucht werde so zu einer bitteren Lachnummer.

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, sagte der dpa, Abhängigkeit von Senioren in der Altenpflege sei zu wenig erforscht. «Da muss noch viel passieren.» Oft seien Pflegebedürftige bereits medikamentenabhängig, wenn sie ins Heim kommen. Verantwortung trügen dafür auch niedergelassene Ärzte. «Die Pflegekräfte bekommen es mit, können das aber nicht ändern.» Das ohnehin oft tödliche Risiko eines Sturzes nehme bei den Betroffenen stark zu.

In den Heim-Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen spielt der Umgang der Pfleger mit Sucht und die Häufigkeit von Abhängigkeit in Heimen keine Rolle, wie eine Sprecherin der Einrichtung in Essen auf Anfrage einräumte.

Der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte: «Schon lange ist bekannt, dass Menschen, die über 80 Jahre alt sind, im Durchschnitt an über 15 verschiedenen Krankheiten leiden, die alle einzeln behandelt werden.» Ärzte achteten oft nicht darauf, was ihre Kollegen schon verordnet hätten. Gefordert seien auch die Krankenkassen: «Wie lange wollen die noch wegschauen und den schädigenden Medikamentenmix verteilen?»

Antwort auf SPD-Anfrage

Daten zu Sucht im Alter

Nationale Anti-Sucht-Strategie

Jahrbuch Sucht 2012

Drogenbericht 2012

Drogenbericht 2011

Dritter Qualitätsbericht Pflege

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