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Volle Wartezimmer: „Bis der letzte Patient versorgt ist“

München. Deutschland hustet, schnieft, schlottert. Zehntausende Menschen haben sich in den letzten Wochen eine Erkältung oder Grippe eingefangen. In den Arztpraxen arbeitet das Personal am Anschlag.

Volle Wartezimmer: „Bis der letzte Patient versorgt ist“

Deutschland hat die Grippewelle erfasst. Die Wartezimmer vieler Hausarztpraxen sind seit Wochen voll. Foto: Christina Sabrowsky

Fieber, Husten, Schüttelfrost - die Symptome lassen nichts Gutes erahnen. Seit Wochen haben Grippe und Erkältung Deutschland nahezu flächendeckend im Griff - und die Wartezimmer landauf, landab. Viele Hausarztpraxen und Notaufnahmen arbeiten am Limit.

Etwa 25 Prozent mehr Patienten als durchschnittlich suchen zurzeit jeden Tag die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung am Münchner Hauptbahnhof auf, wie Regionalleiter Guido Zdrenka sagt. Für Extraschichten fehle das Personal, zumal einige Mitarbeiter selbst erkrankt seien.

In anderen Praxen ist die Lage ähnlich. Bis zu 40 Prozent mehr Patienten zählt Allgemeinmedizinerin Petra Reis-Berkowicz vom Bayerischen Hausärzteverband in ihrer Landarztpraxis in Gefrees bei Bayreuth. Der Ansturm halte schon seit vier Wochen an, habe jedoch in den letzten Tagen noch zugenommen. Wartezimmer, Flur und Treppenhaus seien übervoll mit Patienten, 40 Prozent von ihnen litten an einem grippalen Infekt. Die Praxis sei zurzeit meist bis 20.45 Uhr geöffnet. „Wir arbeiten, bis der letzte Patient versorgt ist.“

Hochbetrieb herrscht auch im Universitätsklinikum Dresden. Bis zu 20 Grippepatienten kämen täglich ins Krankenhaus, berichtet ein Sprecher. Viele von ihnen seien ältere Menschen oder hätte bereits andere Vorerkrankungen. Diese treffe die Grippe besonders stark, weshalb sie stationär aufgenommen würden.

Es seien 25 Prozent mehr Patienten als sonst und 10 Prozent mehr als während früherer Grippephasen, schätzt der Allgemeinmediziner Wolfgang Kreischer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Berlin-Brandenburg. Um den Ansturm zu bewältigen, arbeite er vormittags meist eine Stunde länger. Den Patienten empfiehlt er, sich Termine geben zu lassen, um Wartezeiten zu vermeiden. Mit einer Grippe in die Notaufnahme zu gehen, hält er nicht für sinnvoll. Denn dort steckten die Betroffenen noch mehr Menschen an.

In seiner Praxis würden regelmäßig die Türklinken desinfiziert, sagt Hausarzt Kreischer. Erkältungspatienten gebe er zur Begrüßung nicht die Hand. Ihn selbst habe es glücklicherweise noch nicht richtig erwischt, lediglich über ein Wochenende sei er einmal erkältet gewesen.

Dass auch Mitarbeiter krank das Bett hüten müssten, bleibe nicht aus, sagt der Allgemeinmediziner Matthias Berndt aus Hannover. Er berichtet von großem Andrang in seiner Praxis. Im Wartezimmer reichten zeitweise die Stühle nicht aus. Um ein Viertel mehr Patienten seien täglich zu behandeln, berichtet der Bezirksvorsitzende beim niedersächsischen Hausärzteverband. Das Personal arbeite am Anschlag.

Wann die Menschen im Land auf ein langsames Abebben der Influenza hoffen dürfen, ist unklar. In der vergangenen Woche hatte die Grippewelle mit knapp 35 300 Fällen jedenfalls ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, wie das Robert Koch-Institut in Berlin mitteilte. Insgesamt wurden in dieser Saison bislang rund 120 000 Fälle erfasst. Mindestens 216 Menschen starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion - vorwiegend Menschen im Seniorenalter. Die Dunkelziffer bei Grippefällen gilt als hoch.

Jedoch: Wie lange die Grippesaison aber auch dauern wird - in den Arztpraxen lässt das Personal nicht nach. Hausarzt Matthias Berndt bringt es auf den Punkt: „Wir halten die Stellung! Die Patienten müssen ja versorgt werden.“

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