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Vom Teppich zur Zylinderkopfdichtung - Recycling im Autobau

Berlin (dpa/tmn) Recycling findet im Autobau große Beachtung, allein schon deshalb, weil es gesetzliche Vorgaben gibt. Um diese zu erfüllen, denken die Hersteller bereits in der Entwicklungsphase an die Ökobilanz.

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Natur pur: Insgesamt 27 Bauteile der Mercedes S-Klasse bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Foto: Daimler

Der Panamera war das erste Auto von Porsche, das zu 95 Prozent wiederverwertbar ist. Damit erfüllt das Modell schon jetzt die neuen gesetzlichen Vorschriften. Foto: Porsche

Volkswagen hat für den Golf VI ausgerechnet, dass er 527 Kilogramm recyceltes Material enthält. Das entspreche mehr als 40 Prozent des Leergewichts. Foto: Volkswagen

Man sieht es nicht, dass zum Beispiel im Armaturenbrett des Ford Focus Reste von PET-Flaschen verarbeitet sind. Foto: Ford

Um das Auto für die Umwelt erträglicher zu machen, denken Entwickler nicht nur über Abgase und alternative Antriebe nach. Auch die Wiederverwertung der beim Autobau eingesetzten Materialien ist ein weites Forschungsfeld. Die EU-Verordnung zur umweltverträglichen Entsorgung von Altfahrzeugen schreibt vor, dass ein Großteil des Autos aus wiederverwertbaren Stoffen bestehen muss. Deswegen kommen schon bei der Produktion recycelte Materialien zum Einsatz - plakative Beispiele bietet Ford.

Mit der Neuauflage des Focus im Frühjahr 2011 gab der Hersteller bekannt, dass sich zum Beispiel weiterverarbeitete Jeansreste in Türverkleidungen und Innenraumbezügen wiederfinden. «Die Hosen dienen als Baumwolllieferant», erläutert Ford-Sprecher Isfried Hennen. Eine zweite Karriere in dem Kompaktmodell machen auch Flaschen aus PET (Polyethylen). Der Werkstoff wird eingeschmolzen, mit anderen Stoffen kombiniert und findet sich in Verbundwerkstoffen für Armaturenbretter oder Dämmungen des Focus wieder.

Auch Porsche geht es darum, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Wiederverwertbarkeit erfüllt werden. «Wichtig sind allerdings die Anforderungen an Festigkeit, Lebensdauer und Funktion der Bauteile», sagt Sprecher Hermann-Josef Stappen. Auch bei Ford und anderen Herstellern gelten diese Anforderungen.

Ab 2015 schreibt die auf der EU-Richtlinie basierende Altfahrzeug-Verordnung den «Wirtschaftsbeteiligten» vor, dass «bezogen auf das durchschnittliche Fahrzeugleergewicht aller pro Jahr überlassenen Altfahrzeuge» Autos zu 95 Gewichtsprozent recycelbar sein müssen. Bis dahin gilt ein seit 2006 vorgeschriebener Anteil von 85 Prozent. Da Autos im Schnitt aber 14 Jahre auf den Straßen sind, bevor sie ausgedient haben, erfüllen Hersteller von Audi, Porsche und VW über Toyota bis Daimler schon jetzt die Vorgaben für 2015.

Beispiel Porsche Panamera, Erscheinungsjahr 2009: «95,5 Prozent des Gewichts eines Panamera werden wieder verwertet, und nur 4,5 Prozent landen auf der Deponie», sagt Stappen. «Den größten Anteil bei der stofflichen Verwertbarkeit machen Metalle aus - da unterscheiden wir uns nicht von anderen Herstellern.» Mit 67,6 Prozent stellen Stahl, Aluminium, Kupfer und andere Metalle den größten Anteil der verwertbaren Materialien. Der mit 11,9 Prozent zweitgrößte Posten fällt bei der Demontage an, wenn etwa Batterien, Betriebsflüssigkeiten, Räder und Verkleidungsteile entnommen werden.

Um möglichst hohe Quoten der Wiederverwertbarkeit nach einem Autoleben zu erreichen, wird bereits beim Autobau an Recycling gedacht. «Welche Umweltlasten ein Fahrzeug verursacht, entscheidet sich weitgehend schon in den ersten Entwicklungsphasen», sagt Daimler-Sprecherin Sandra Hahn. Das standardisierte Werkzeug zur Bewertung der Umweltverträglichkeit sei die Ökobilanz.

«Sie erfasst sämtliche Umweltwirkungen eines Fahrzeugs, von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Gebrauch bis zur Verwertung.» Bei Hybrid- und Elektroautos geht in die Bilanz auch die Antriebsbatterie ein. So recycelt Toyota nach eigenen Angaben «mindestens 50 Prozent des durchschnittlichen Batteriegewichts» der Nickel-Metallhydrid-Zelle im Prius.

Auch die Altfahrzeug-Verordnung schreibt vor, «bei der Herstellung von Fahrzeugen und anderen Produkten verstärkt Recyclingmaterial zu verwenden». Einen festen Wert gibt es aber nicht. Schon für ab Mitte 2003 in den Verkehr gebrachte Autos sind Schadstoffe wie Blei, Quecksilber, Kadmium oder sechswertiges Chrom generell verboten.

Volkswagen hat die Anteile recycelten Materials für einige Modelle ausgerechnet. Demnach werden beim Golf VI 527 Kilogramm Sekundärmaterial, auch Rezyklate genannt, eingesetzt - das entspreche mehr als 40 Prozent des Leergewichts. Davon entfallen 501 Kilogramm auf Metalle, 24 Kilogramm auf Kunststoffe und Glas sowie 2 Kilogramm auf Betriebsflüssigkeiten. Um dies zu erreichen, werden bei der Herstellung von Glas zwischen 20 und 40 Prozent Produktionsrückstände dem Prozess gleich wieder zugeführt. In den Dämmmatten von VW-Modellen kommen Reste aus der Textilindustrie zum Einsatz, in der Unterbodenverkleidung stecken Verschnitte aus der Windelproduktion.

Ein weiteres anschauliches Beispiel hat Ford-Sprecher Hennen parat: Teppichreste. «Diese werden für die Hutablage verwendet.» Auch in der Zylinderkopfdichtung fänden sie Verwendung - wegen der notwendigen Hitzebeständigkeit aber in nur sehr geringen Mengen.

Einen direkten geldwerten Vorteil hat die Altfahrzeug-Verordnung nach Ansicht von Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) für den Verbraucher: «Ihr zufolge müssen Autos seit 2007 von den Herstellern kostenfrei zur Verwertung zurückgenommen werden.» Und er sieht auch einen Vorteil für die Autofirmen: «Vor allem wegen der gestiegenen Stahlpreise generiert man Gewinne mit Altfahrzeugen.»

Altfahrzeug-Verordnung

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