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Von Schubladen und Leidenswegen

Jüdisches Leben

Die Themenwoche "Jüdisches Leben" startet am Dienstag, 18. August, im Stadtarchiv. Junge Juden sprechen dann über Schubladen und eine lokale Studie beschreibt den Leidensweg von 100 Bochumer Familien im Nationalsozialismus.

BOCHUM

von Von Angela Wiese

, 13.08.2010
Von Schubladen und Leidenswegen

Die "Jüdische Woche" beginnt am Dienstag, 17. August, im Zentrum für Stadtgeschichte.

Das Wechselspiel von fremd und eigen in der Geschichte betrifft Juden in besonderer Weise: Unter den Nazis wurden sie enteignet, ausgegrenzt und mussten in die Fremde, ins Exil, auswandern, um zu überleben. Sind sie wieder angekommen? Die Themenwoche „Jüdisches Leben“, die nächste Woche im Stadtarchiv – Zentrum für Stadtgeschichte startet, stellt unter anderem diese Frage. Die Woche ist Teil des Ruhr.2010- Projekts „Bochum – das fremde und das eigene“, das seit April im Stadtarchiv läuft.

Fünf junge Mitglieder der jüdischen Gemeinde werden sich zum Beispiel in einer Talkrunde treffen. Aufmacher des Gesprächs wird der Film „Die Judenschublade“ sein, der im Vorfeld gezeigt wird. Etwa 1000 Menschen gehören zur jüdischen Gemeinde in Bochum, sagt Dr. Boris Lotwin (Foto), stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen. Damit sei sie heute fast so groß wie 1932, weiß Dr. Ingrid Wölk, Leiterin des Stadtarchivs, zu berichten.

Aber auch die historische Betrachtung spielt eine Rolle: Aus seiner neuen Publikation „Die ,Entjudung‘ des Wohnraums – ,Judenhäuser‘ in Bochum“ liest Dr. Hubert Schneider, Vorsitzender des Vereins Erinnern für die Zukunft. In 10 Bochumer Judenhäusern brachten die Nazis 100 Juden unter, nahmen ihnen ihre eigenen Wohnungen weg. Laut Schneider sollte dies kurzfristig für mehr Wohnraum sorgen, der damals benötigt wurde. Langfristig dagegen seien sie auf diese Weise „vor ihrer Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager zusammengepfercht“ worden. Es sei eine lokale Studie. In dem 500 Seiten starken Nachschlagewerk werden auch die Geschichten der 100 Juden aus Bochum erzählt.