Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Vor 125 Jahren wurde Coco Chanel geboren

Paris (dpa) Mademoiselles Leben begann mit einem Fehler. «Chasnel» schrieb ein nachlässiger Standesbeamter im französischen Saumur vor 125 Jahren in die Geburtsurkunde von Gabrielle Chanel.

/
Die französische Modeschöpferin Coco Chanel verfolgt 1969 auf einer Treppe sitzend in Paris die Präsentation ihrer Kollektion. (Bild: dpa)

Das legendäre Parfüm «Chanel No. 5», kreierte die Modeschöpferin Coco Chanel 1920. (Bild: dpa)

Blick in das Esszimmer des Apartments von Coco Chanel in der Pariser Rue Cambon - hier empfing die Designerin ihre Künstlerfreunde. (Bild: dpa)

Designer Karl Lagerfeld (M.) läuft mit seinen Models am Ende der Präsentation der Wintermode 2005/06 in Paris über den Laufsteg. (Bild: dpa)

Sie sollte unter ihrem Spitznamen Coco zur berühmtesten Modemacherin des 20. Jahrhunderts aufsteigen. Damals jedoch, am 19. August 1883, war das im Armenhaus geborene Mädchen so unbedeutend, dass ein «s» mehr oder weniger nichts ausmachte. Zum Glück wurde gleich mit übersehen, dass Gabrielle kein eheliches Kind war, und man trug den Markthöker Albert Chanel, der die Mutter Jeanne erst ein Jahr später heiratete, offiziell als Vater ein.

Gabrielle «Coco» Chanel, die sich zeitlebens «Mademoiselle» nennen ließ, hat um ihre damals als nicht standesgemäß geltende Herkunft immer eine Legende gewoben. Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Der Vater brachte sie daraufhin in ein von Nonnen geführtes Waisenhaus und verschwand für immer aus Gabrielles Leben. Sie selbst dichtete die demütigende Jugend im Waisenhaus um, behauptete, der Vater sei nach Amerika gegangen und sie selbst bei zwei strengen Tanten aufgewachsen. Und doch scheint sie aus der kargen Zeit im Heim etwas mitgebracht zu haben, was ihren phänomenalen Erfolg als Modeschöpferin prägte: den Hang zu einer puren, zweckmäßigen Kleidung, die manchmal an die Ästhetik von Schuluniformen erinnerte.

Alle Klassiker, die Chanel lanciert hat, das «Kleine Schwarze», Hosen für Frauen, lockere Tweed-Kostüme oder Twinsets als «feine» Damengarderobe, haben etwas mit diesem Hang zur Schlichtheit zu tun. Coco Chanel setzte diese mit Zutaten wie langen Kunstperlenketten in hinreißende Outfits um. 1916 kaufte sie Jersey und schneiderte daraus Jacken und Röcke mit ausgefallenen Details. Frauenkleidung aus Baumwollwirkware - das war unerhört. Und wurde schnell zum «Must-Have» der Society in Paris oder Deauville. Hierzu trug natürlich bei, dass Chanel selbst mit ihren schwarzen Augen, kurzen Haaren, der gebräunten Haut und schmalen Figur umwerfend aussah. Die allzu geschmückten Damen der Gesellschaft wollten bald so auftreten wie die kleine, zarte und viel lässigere Französin.

«Es ärgert mich, wenn ich hören muss, ich hätte eben Glück gehabt. Niemand hat härter gearbeitet als ich», sagte sie später über ihre Karriere. Und sie hatte Recht. Zwar begann sie als Geliebte des reichen Etienne Balsan, gab ihre Stellung in einem Wäscheladen auf und folgte mit 21 Jahren dem Sohn einer Textildynastie auf sein Landgut. Doch ihr Geschäft baute sie mit eigenen Händen auf.

Ermutigt wurde sie dazu von Etiennes Nachfolger, dem attraktiven Engländer Boy Capel. Er wurde die große Liebe ihres Lebens, schlug ihr vor, ihre selbst entworfenen Kleider von einem Herrenschneider nach nähen zu lassen und lieh ihr Geld, als sie in der Rue Cambon im ersten Pariser Arrondissement Geschäftsräume anmietete. Aus einem Putzmacherladen erschuf sie ein Modeimperium und war bald vollkommen unabhängig von Capel.

Es scheint, als ob alles was Chanel anpackte, zu Gold wurde. Ihr 1921 herausgebrachtes Parfüm Chanel No. 5 gilt noch heute als «Duft der Düfte». Als sie neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrem Schweizer Exil zurückkehrte und mit über 70 Jahren ein Comeback wagte, gelang es ihr, die Modewelt vollends zu erobern. Bis zu ihrem Tod 1971 arbeitete die energische Dame und erschuf eine Marke, die bis heute unter der genialen Kreativleitung von Karl Lagerfeld als Synonym französischer Eleganz schlechthin gilt.

Persönliches Glück war ihr nicht beschieden. Boy Capel starb 1919 bei einem Autounfall. Andere Liaisons wie die mit dem Herzog von Westminster scheiterten. Die Vielbegehrte blieb letztlich allein. Aber sie hinterließ ein wertvolles Erbe: Coco Chanel hat mit ihren Kreationen den Frauen die für ein selbstbestimmtes Leben nötige Bewegungsfreiheit verschafft. Und dafür mussten sie keinen Deut ihrer Anmut aufgeben. «Heutzutage», sagte Chanel in den 30er Jahren, «fahren Frauen Auto. Mit Krinoline ist das nicht gut möglich.»

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Leben : Lifestyle

Rock-Stars im Herbst: Glockenform und Kellerfalten

Hamburg (dpa/tmn) Die Sanduhr gilt als Symbol für eine wohlproportionierte Frauenfigur: oben etwas breiter, an der Taille schmal und ab den Hüften wieder weiter. Der weit abstehende, auf der Hüfte sitzende Glockenrock formt das. Er - und andere Rock-Klassiker - kommen wieder in Mode.mehr...

Leben : Lifestyle

Bei High-Waist-Hosen auf die Taschen am Po achten

Brekendorf (dpa/tmn) Diese Saison angesagt sind High-Waist-Hosen. Die können die Figur betonen - und dabei ganz nebenbei von kleinen Problemstellen ablenken. Worauf Frauen achten müssen, wenn sie die modischen Hosen tragen wollen.mehr...

Leben : Lifestyle

Designerin Anja Gockel will Frauen sichtbar machen

Mainz (dpa) Feministin möchte Designerin Anja Gockel nicht genannt werden. Aber für Frauenrechte kämpft sie schon - mit farbenfroher Seide, Tüllröcken, Blumenmuster, Glitzer-Leggins. Diese sollen Sichtbarkeit einfordern.mehr...

Leben : Lifestyle

Wer kann Puffärmel und Schulterpolster gut tragen?

Köln (dpa/tmn) Ärmel mit stark gebauschter Weite sind wieder in Mode - auch bekannt als Puffärmel. Das kann ein schöner Hingucker sein, vorausgesetzt man hat nicht zu breite Schultern und Oberarme. Das gilt auch für Schulterpolster, die nun ebenfalls im Trend liegen.mehr...

Leben : Lifestyle

Von Turn- zum Trendschuh: Das Geschäft mit dem Sneaker-Kult

Kassel (dpa) Hunderte Euro für einen Sportschuh, lange Warteschlangen vor Geschäften: Der Kult um Sneakers treibt merkwürdige Blüten. Die modischen Schuhe sind ein Stück Zeitgeist - und ein Milliardengeschäft.mehr...

Leben : Lifestyle

Streber-Look für alle: «Nerd»-Brillen groß in Mode

Berlin (dpa/tmn) Die Sonnenbrillen haben es vorgemacht - nun geht auch bei den Fassungen für den Alltag der Trend zu Übergrößen. Besonders angesagt seien Modelle, die an die «Streberbrillen» vergangener Jahrzehnte erinnern, so das Kuratorium Gutes Sehen in Berlin.mehr...