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Vor 99 Jahren wurde am Stadtpark eine neue Klinik eröffnet

Wandel rund um St. Josef

BOCHUM Nach der Gründung des ersten modernen Krankenhauses, des Elisabeth-Hospitals, im Jahr 1848 folgten 1863 das Augusta-Krankenhaus und 1888 das Bergmannsheil. Damit war der Bedarf jedoch nur kurzzeitig gedeckt, so dass es angesichts der weiter wachsenden Einwohnerzahl ab 1909 zur Planung einer vierten Klinik kam.

von Von Frank Dengler

, 04.08.2010

Trägerin war die St. Elisabeth-Stiftung, der auch das älteste Bochumer Krankenhaus gehörte. Nach mehrfachen Erweiterungen wurde dort der Platz auf dem Grundstück neben der Propsteikirche immer knapper. Außerhalb der Innenstadt, hinter dem Stadtpark, war damals dagegen noch genügend unbebautes Land vorhanden. So plante der Münsteraner Architekt Alexander Cazin (1857-1944) das neue „St. Josef-Hospital“ an der Gudrun- und der Cäcilienstraße (heute Klinikstraße). Am 12. Mai 1911 erfolgte die Grundsteinlegung, und bereits ein halbes Jahr später, am 15. November, konnte der erste Bauabschnitt eröffnet werden. Die stattlichen Ausmaße des ersten Haupthauses zeigt die ältere der beiden historischen Ansichtskarten, die 1916 verschickt wurde. Vom Stadtpark fällt der Blick über den Gondelteich auf den Rosengarten in der Mitte. Rechts erhebt sich fast majestätisch der Baukomplex von St. Josef über der noch jungen Bepflanzung der Stadtpark-Erweiterung von 1903-08. Eine weite Aussicht in das Hinterland bietet die Karte von 1926, deren Foto vom Bismarckturm aus entstanden ist. So ist nicht nur die Klinik zu sehen, sondern links oberhalb der beiden Wohnhäuser auch der Turm der katholischen St. Liborius-Kirche in Grumme. Am Horizont machen sich einige Industrieanlagen mit ihren Schloten und Türmen bemerkbar. Es dürfte sich dabei um folgende Zechen handeln (von links nach rechts): Constantin der Große VI/VII, Constantin X und ziemlich in der Bildmitte Lothringen IV.

Anders als die Perspektive der Karte von 1916, die heutzutage aufgrund des Baumwachstums nicht mehr erlebbar ist, kann der Blick vom Bismarckturm auch jetzt noch nachvollzogen werden – jedenfalls im Winter. Zumindest die oberen Geschosse und das Dach des Altbaus lassen sich auf der aktuellen Aufnahme wieder erkennen. Sie sind beiderseits mit Erweiterungen der 1920er Jahre versehen, während die hellen Gebäude links sowie rechts an der Klinikstraße jüngeren Datums sind. Sie gehören ebenfalls zum St. Josef-Hospital. Mit Ausnahme der Liboriuskirche hat sich auch das Umfeld deutlich verändert, so sind die Schornsteine am Horizont verschwunden. Lediglich an Stelle der Zeche Lothringen IV erhebt sich nun (kaum sichtbar) der gelbe Abluftkamin des Heizkraftwerks Hiltrop. Rechts hinter der Klinik stehen die Gebäude des ehemaligen Imax-Kinos und von Starlight Express – je ein Beispiel für missratenen und für gelungenen „Strukturwandel“. Nicht mehr ganz so jung, aber auf der alten Karte noch nicht vorhanden, ist schließlich der 1933 gegründete Tierpark, von dem ein Teil rechts im Vordergrund zu sehen ist.

Das St. Josef-Hospital wurde über die Jahrzehnte ständig ausgebaut und vergrößert – zuletzt durch das so genannte „Josef-Carree“ – und entwickelte sich zu einer der Universitäts-Kliniken der RUB (Bochumer Modell). So kann unser Foto nur einen Teil der jetzigen Bauten zeigen. Beispielsweise gehört auch die 1925 gegründete Landeskinderklinik an der Alexandrinenstraße seit 1983 zu St. Josef beziehungsweise zur Elisabeth-Stiftung. Seit 2004 sind unter dem Namen „Kath. Klinikum Bochum GmbH“ vier Krankenhäuser unter einer Gesellschaft vereint: die Hospitäler St. Josef und St. Elisabeth, das St. Maria-Hilf-Krankenhaus in Gerthe und die Klinik Blankenstein in Hattingen. Gemeinsam verfügen sie über rund 1200 Betten und 2100 Mitarbeiter.